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Verlockende Steuerklassenkombination: Finanzamt Trier warnt vor Steuerhinterziehung
Wirtschaft 2 Min. 18.03.2016

Verlockende Steuerklassenkombination: Finanzamt Trier warnt vor Steuerhinterziehung

Arbeitet einer der beiden Ehepartner in Deutschland und der andere in Luxemburg, erscheint die Steuerklassenwahl in Deutschland manchen besonders verlockend.

Verlockende Steuerklassenkombination: Finanzamt Trier warnt vor Steuerhinterziehung

Arbeitet einer der beiden Ehepartner in Deutschland und der andere in Luxemburg, erscheint die Steuerklassenwahl in Deutschland manchen besonders verlockend.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 2 Min. 18.03.2016

Verlockende Steuerklassenkombination: Finanzamt Trier warnt vor Steuerhinterziehung

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Gibt der in Deutschland arbeitende Ehepartner eines Grenzgängers keine Steuererklärung beim deutschen Finanzamt ab, kann dies teuer werden.

(aa) - Gibt der in Deutschland lebende und arbeitende Ehepartner eines in Luxemburg arbeitenden Grenzgängers keine Einkommensteuererklärung beim deutschen Finanzamt ab, kann dies unter Umständen als Steuerhinterziehung gewertet werden. Das geht aus einem Urteil des Finanzgerichtes Rheinland-Pfalz hervor. Hintergrund ist die in Deutschland mögliche Wahl der Steuerklassenkombination. Darauf hat nun das Finanzamt Trier hingewiesen.

Wenn berufstätige Paare heiraten, werden sie in Deutschland ohne weiteres Zutun beide in die Steuerklasse 4 eingeordnet. Die Lohnsteuer wird dann wie bei Unverheirateten abgezogen. Wenn die Ehepartner unterschiedlich viel verdienen, können beide beantragen, dass der Besserverdienende in die günstigere Klasse 3 kommt. Der andere Partner wird dann in die ungünstigere Steuerklasse 5 eingestuft.

Zur Steuererklärung verpflichtet

Die Voraussetzung für diese oft günstigere Kombination 3/5 statt 4/4 ist jedoch, dass beide Ehepartner nach Ablauf des Steuerjahres eine Steuererklärung beim deutschen Finanzamt abgeben, damit dort geprüft werden kann, ob ggf. zu wenig Steuern gezahlt wurden.

Arbeitet einer der beiden Ehepartner in Deutschland und der andere in Luxemburg, erscheint die Steuerklassenwahl manchen besonders verlockend: Der in Deutschland tätige Partner wählt die günstigere Steuerklasse 3 und profitiert so von einem geringeren Lohnsteuerabzug in Deutschland, der in Luxemburg als Grenzgänger tätige Partner wählt in Deutschland die Klasse 5, da sein Luxemburger Lohn in Deutschland gar nicht versteuert wird.

Nachzahlung wird zwangsläufig fällig

Der Haken bei der Sache ist, dass auch in diesem Fall beide Ehepartner in Deutschland eine Steuererklärung abgeben müssen. „Dabei führt die Einkommensteuerveranlagung zwangsläufig zu einer Steuernachzahlung“, so das Finanzamt Trier. Zwar gibt es in Deutschland die Möglichkeit der getrennten Veranlagung, damit sich das luxemburgische Gehalt nicht steigernd auf den Steuersatz des Partners in Deutschland auswirkt (Progressionsvorbehalt). Dies ändere jedoch nichts daran, dass auch dann eine Nachzahlung fällig wird, so das Finanzamt in Trier.

Bei einer sogenannten Einzelveranlagung werde das zu versteuernde Einkommen nach der Grundtabelle besteuert, so die Behörde. Die Steuerklasse 3 lege aber die Splittingtabelle zugrunde, die bei der Zusammenveranlagung von Ehegatten zur Anwendung komme. Steuereinbehalt nach Klasse 3 und anschließende Einzelveranlagung führe dann zur Nachzahlung. Um Nachzahlungen zu vermeiden, empfehle man deshalb dem in Deutschland arbeitenden Partner eines Grenzgängers die Steuerklasse 4.

Über 600 Fälle bereits aufgedeckt

Im eingangs erwähnten Streitfall musste die in Deutschland arbeitende Ehefrau des Grenzgängers übrigens 15000 Euro inklusive Zinsen nachzahlen. Laut Finanzamt Trier wurden in den letzten Jahren rund 600 solcher Fälle aufgedeckt. Insgesamt seien Nachzahlungen von über zwei Millionen Euro angeordnet worden. „Wir werden diese Steuerklassenkombination in den nächsten Jahren weiter im Fokus haben und überprüfen“, so Jürgen Kentenich, Vorsteher des Finanzamtes Trier.


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