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USA schulden Luxemburg 150 Milliarden Dollar
Wirtschaft 4 Min. 14.10.2013

USA schulden Luxemburg 150 Milliarden Dollar

Laut neuesten Zahlen des US-Finanzministeriums gehört Luxemburg zu den größten Gläubigern der Supermacht.

USA schulden Luxemburg 150 Milliarden Dollar

Laut neuesten Zahlen des US-Finanzministeriums gehört Luxemburg zu den größten Gläubigern der Supermacht.
Foto: Arno Burgi/dpa
Wirtschaft 4 Min. 14.10.2013

USA schulden Luxemburg 150 Milliarden Dollar

Die USA schulden ausländischen Staaten insgesamt fast sechs Billionen Dollar. Luxemburg zählt zu den größten Gläubigern. Wer hätte das gedacht? Und was heißt das konkret?

(CBu) - Die USA schulden ausländischen Staaten insgesamt fast sechs Billionen Dollar. Luxemburg zählt zu den größten Gläubigern. Wer hätte das gedacht? Und was heißt das konkret?

Falls die US-Regierung sich nicht mit den Republikanern im US-Kongress auf eine Anhebung der Schuldengrenze einigt, könnte die Supermacht schon sehr bald pleite sein. Nicht weiter schlimm, sagen einige Experten, denn die USA sind ohnehin haushoch verschuldet. Und in diesem Sinn ist "pleite" eindeutig eine Definitionsfrage.

Käme es jedoch so weit, dass die USA ihre Schulden nicht mehr zurückbezahlen können, hätte dies enorme Konsequenzen für die gesamte Weltwirtschaft. Bei einer Zahlungsunfähigkeit der US-Regierung wären jedenfalls viele Staaten der Welt genauso betroffen wie die Finanzmärkte und Großbanken.

US-Schulden wie eine "nukleare Bombe"

US-Großinvestor Warren Buffett vergleicht das Schuldenproblem der USA mit einer "nuklearen Bombe". Die Folgen wären unabsehbar, so Buffet. "Einfach zu furchtbar, um sie hochgehen zu lassen", sagte er kürzlich dem US-Magazin "Fortune".

Und auch europäische Regierungschefs, darunter Premierminister Jean-Claude Juncker, haben in der Vergangenheit mehrmals darauf hingewiesen, dass eine finanziell ins Wanken geratende Supermacht die ganze Welt "in den Abgrund" mitreißen könnte. "Eine Pleite der USA hätte weltweit verheerende Konsequenzen", sagte Juncker im Wahlkampf. Die Folgen würden weit über jene des Zusammenbruchs von Lehman Brothers und der anschließenden Finanzkrise hinausgehen.

Das weiß auch die US-Regierung, die momentan alles daran setzt, die "Schuldenbombe" zu entschärfen. Eine Frage, die sich im Zuge des US-Finanzstreits aber unweigerlich stellt, ist: Wer finanziert eigentlich die Schulden der USA? Laut aktuellen Zahlen des US-Finanzministeriums beträgt die öffentliche Schuld des Landes über 16,7 Billionen Dollar. Das sind in exakten Zahlen: 16.747.421.858.503,24.

Wer sind die Gläubiger?

Wem schulden die USA eigentlich alles Geld? Gut zwei Drittel der Summe schuldet die Supermacht der eigenen Federal Reserve und privaten US-Investoren wie Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, aber auch den Bundesstaaten und Kommunen.

Den Rest der Schulden, über 5,7 Billionen Dollar, schulden die USA ausländischen Investoren. Oder anders herum ausgedrückt: Die Staaten und Zentralbanken der Welt halten Anteile an US-Staatsanleihen in Billionen-Höhe.

Die Zahlen sind nicht neu: Größter Gläubiger ist die Volksrepublik China mit 1,27 Billionen, gefolgt von Japan mit über 1,1 Billionen und Brasilien mit über 250 Milliarden Dollar.

Luxemburg: fast 150 Milliarden

Doch schaut man sich die weitere, offizielle und online offen zugängliche Liste des Finanzministeriums an, dann taucht im oberen Drittel auch das Großherzogtum Luxemburg auf. Mit ganzen 146,8 Milliarden Dollar stehen die USA demnach bei uns in der Kreide. Das sind etwas weniger als die Anteile von Großbritannien (156,9 Milliarden), aber mehr als die von Russland (131,6 Milliarden) und Deutschland (56,3 Milliarden).

Proportional gesehen ist Luxemburg damit bei weitem das Land, dem die USA pro Kopf unserer Einwohner am meisten schulden. Nur zur Veranschaulichung: 150 Milliarden US-Dollar, das ist fast drei Mal so viel wie das luxemburgische Bruttoinlandsprodukt. Allerdings geht ein Großteil der gehaltenen US-Staatsanleihen auf das Konto der in Luxemburg ansässigen Banken und Investmentfonds.

Der aktuelle Streit um die Verschiebung der Schuldengrenze in den USA geht uns also auch in Luxemburg unmittelbar etwas an. Eine andere und selbst von Fachleuten in diesen Zeiten nicht ganz zufriedenstellend zu beantwortende Frage ist natürlich: Werden wir bzw. sowohl der Staat als auch die privaten Gläubiger von dieser Summe irgendwann etwas zurückbezahlt bekommen?

Nichts ist mehr sicher

Bisher waren die hohen Schulden der USA nicht weiter problematisch. Die Vereinigten Staaten sind immer noch die einzige Weltmacht, verfügen über enormes wirtschaftliches Potenzial und der US-Dollar bleibt bis auf weiteres die wichtigste Reservewährung der Welt.

Was sich seit der Finanzkrise aber verändert hat, ist die Einschätzung der Sicherheit von Staatsanleihen, auch und insbesondere der USA. Die Erkenntnis der Krise ist, dass selbst große Banken von heute auf morgen pleite gehen können. Die Folge der Krise ist, siehe Griechenland, Zypern, Irland und Co., dass auch ganze Staaten schnell in den Schuldenstrudel geraten können.

Die US-Staatsverschuldung hat allerdings eine etwas andere Qualität und potenziell viel weitreichendere Folgen. Nichts ist mehr sicher. Selbst die größte Volkswirtschaft der Welt könnte pleite gehen und ihre Schulden eines Tages nicht mehr bedienen. Und die an Luxemburg geschuldeten fast 150 Milliarden Dollar wären dann nur noch Schall und Rauch.