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US-Notenbank Fed erhöht Leitzins um 0,75 Prozentpunkte
Wirtschaft 3 Min. 15.06.2022
Größter Zinsschritt seit 94

US-Notenbank Fed erhöht Leitzins um 0,75 Prozentpunkte

Das Fed-Gebäude in Washington.
Größter Zinsschritt seit 94

US-Notenbank Fed erhöht Leitzins um 0,75 Prozentpunkte

Das Fed-Gebäude in Washington.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 15.06.2022
Größter Zinsschritt seit 94

US-Notenbank Fed erhöht Leitzins um 0,75 Prozentpunkte

Eigentlich wollen die Zentralbanker der Fed Überraschungen vermeiden. Doch die immer weiter steigenden Verbraucherpreise sorgen für Druck.

(dpa) – Es ist der größte Zinsschritt seit fast 30 Jahren: Zur Bekämpfung der hohen Inflationsrate erhöht die US-Notenbank ihren Leitzins stark um 0,75 Prozentpunkte. Damit liegt er nun in der Spanne von 1,5 bis 1,75 Prozent, wie die Federal Reserve (Fed) am Mittwoch mitteilte. Es ist die dritte Erhöhung des Leitzinses seit dem Beginn der Coronavirus-Pandemie - und der erste Anstieg um 0,75 Prozentpunkte seit 1994. Für gewöhnlich zieht es die Fed vor, den Leitzins in Schritten von 0,25 Prozentpunkten anzuheben.

Manche Analysten hatten aufgrund jüngster Daten zur anhaltend hohen Teuerungsrate in den vergangenen Tagen aber bereits gemutmaßt, dass die Fed die Märkte mit einer Erhöhung um 0,75 Prozentpunkte überraschen könnte. Im März rechneten die Entscheider der Fed zum Jahresende im Mittel noch mit einem Leitzins von 1,9 Prozent. Nun gehen sie von 3,4 Prozent in diesem Jahr und sogar 3,8 Prozent im kommenden Jahr aus.

Der Druck ist groß

Die Fed sagt außerdem in diesem Jahr ein deutlich geringeres Wirtschaftswachstum als noch vor drei Monaten angenommen voraus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der weltgrößten Volkswirtschaft soll demnach um 1,7 Prozent wachsen. Das wären 1,1 Prozentpunkte weniger als noch im März prognostiziert. Die US-Notenbank rechnet im laufenden Jahr auch mit einer höheren Inflationsrate als zuvor angenommen. Die Teuerungsrate soll trotz der geplanten Erhöhungen des Leitzinses 2022 durchschnittlich bei 5,2 Prozent liegen.


(FILES) In this file photo taken on May 16, 2022 a sign stands next to a small amount of toddler nutritional drink mix at Target in Stevensville, Maryland as a nationwide shortage of baby formula continues due to supply chain crunches tied to the coronavirus pandemic that have already strained the country�s formula stock, an issue that was further exacerbated by a major product recall in February. - The US government will fly in baby formula on commercial planes contracted by the military in an airlift aimed at easing the major shortage plaguing the country, the White House said on May 18, 2022. (Photo by Jim WATSON / AFP)
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Der Druck auf die Notenbank ist derzeit groß: Die Teuerungsrate ist so hoch wie seit rund vier Jahrzehnten nicht mehr, was die Kaufkraft der Verbraucher schmälert; die Menschen können sich bei gleichem Einkommen weniger leisten. Die Fed setzt zur Eindämmung der Inflation auf Erhöhungen des Leitzinses. Dadurch verteuern sich Kredite, was die Nachfrage ausbremst. Das hilft dabei, die Inflationsrate zu senken, schwächt aber auch das Wirtschaftswachstum.

Für die Notenbank ist es daher ein Balanceakt: Sie will die Zinsen so stark anheben, dass die Inflation ausgebremst wird - ohne dabei gleichzeitig Konjunktur und Arbeitsmarkt abzuwürgen und eine Rezession auszulösen. An den Börsen herrschte vor der Fed-Sitzung Nervosität; Investoren befürchten eine Konjunkturdelle.

Verbraucher rechnen weiter mit steigenden Preisen

Wegen der Corona-Krise hatte die Fed ihren Leitzins auf nahe null gesenkt und Konjunktur und Finanzmärkte mit umfangreichen Notprogrammen gestützt. Die gestiegene Inflationsrate bezeichnete die Fed im vergangenen Jahr noch zumeist als „vorübergehenden“ Effekt infolge der Pandemie. Gegen Jahresende leitete sie jedoch die Abkehr von ihrer ultralockeren Geldpolitik ein. Im März erhöhte sie den Leitzins erstmals seit der Pandemie um 0,25 Prozentpunkte. Im Mai folgte angesichts der hohen Inflationsrate ein Anstieg um 0,5 Prozentpunkte, das war die stärkste Anhebung seit 22 Jahren.


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Vor der Sitzung vom Mittwoch hatten die Entscheider der Fed klar signalisiert, dass erneut mit einem Anstieg um 0,5 Prozentpunkte zu rechnen ist. Daten aus der vergangenen Woche zeigten jedoch, dass die Verbraucherpreise im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,6 Prozent gestiegen waren. Das war der höchste Wert seit 1981. Zudem deuteten neue Erhebungen darauf hin, dass Verbraucher auch künftig mit weiter steigenden Preisen rechnen.

Die Daten haben den Druck auf die Fed erhöht, weil die von ihr mittelfristig gewünschte Inflationsrate von zwei Prozent damit in immer weitere Ferne rückt. Mit der Anhebung des Leitzinses um 0,75 Prozentpunkte hat die Fed die Märkte überrascht, was die Zentralbanker meist vermeiden. Auf der anderen Seite sendet die Notenbank nun ein klares Signal, dass sie den rasanten Anstieg der Preise bremsen will.

Nur begrenzter Einfluss auf Ursachen

Eine Herausforderung für die Fed ist es, dass sie manche Ursachen der Preissteigerungen nur begrenzt beeinflussen kann. Die Unterbrechungen globaler Lieferketten und steigende Energiepreise reagieren nicht direkt auf den US-Leitzins. Auch die Folgen des Kriegs in der Ukraine und der Corona-Lockdowns in China kann die Fed nicht kontrollieren.

Die hohe Teuerungsrate sorgt indes auch im Weißen Haus für Kummer: Viele Wähler machen Präsident Joe Bidens Regierung dafür verantwortlich. Grob gesagt: Je höher die Preise, desto mehr fallen Bidens Umfragewerte. Das macht dem Präsidenten und seinen Demokraten zu schaffen, denn sie bemühen sich bei der Kongresswahl im November, ihre knappen Mehrheiten in beiden Parlamentskammern zu verteidigen.

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