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"Unzumutbare Arbeitsbedingungen"
OGBL und Landesverband protestierten am Streckenrand.

"Unzumutbare Arbeitsbedingungen"

Pierre Matgé
OGBL und Landesverband protestierten am Streckenrand.
Wirtschaft 2 Min. 27.07.2018

"Unzumutbare Arbeitsbedingungen"

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Mit einer Protestaktion am Rande der Einweihung der neuen Tramstrecke weisen die Gewerkschaften auf die schlechten Bedingungen der Luxtram-Beschäftigten hin.

Das Datum wurde nicht zufällig auf den 27. Juli gelegt. Für die Gewerkschaften OGBL und FNCTTFEL-Landesverband ist die Einweihung der verlängerten Trasse der richtige Zeitpunkt, um auf die angeblich „schlechten Lohn- und Arbeitsbedingungen“ bei Luxtram aufmerksam zu machen. In der Allée Scheffer, in der Nähe der neuen Tramstrecke, erklärt Christian Sikorski (OGBL), warum die Arbeitsbedingungen an die des öffentlichen Sektors angepasst werden müssen: „Um das Projekt Tram in Luxemburg durchzuführen, hat die Regierung die Wahl getroffen, den Betrieb und die Verwaltung des Trams einer Firma zu überlassen, die die Rechtsform einer kommerziellen Aktiengesellschaft hat. Der Staat besitzt aber zwei Drittel des Kapitals und die Stadt Luxemburg ein Drittel. Daher sehen wir Luxtram SA als einen vollwertigen öffentlich-rechtlichen Akteur.“

Christan Sikorski und Georges Merenz erklären, warum sie mit den aktuellen Arbeitsbedingungen nicht einverstanden sind.
Christan Sikorski und Georges Merenz erklären, warum sie mit den aktuellen Arbeitsbedingungen nicht einverstanden sind.
Pierre Matgé

Die Gewerkschafter beklagen, dass die Lohnunterschiede zwischen den Arbeitnehmern bei Luxtram SA und den Lohnstandards im öffentlichen Dienst "zwischen ungefähr minus 30 Prozent und minus 50 Prozent liegen". Der Unterschied beim Urlaub beträgt bis zu elf Tage. "Wir liegen hier deutlich unter den Lohnstandards, die bei den CFL, beim TICE, bei den städtischen Bussen oder auch bei anderen Betrieben aus dem öffentlichem Dienstleistungssektor gültig sind", so Landesverband-Präsident Goerges Merenz. So betreibt "die öffentliche Hand Lohndumping in einer Firma, die dem öffentlichen  Sektor angehört. Ein regelrechter Skandal!", sagt Sikorski.

Zudem kann die Gesamtschichtdauer bis zu 13 Stunden täglich betragen wobei sie bei der staatlichen Eisenbahn bei maximal 10 Stunden liegt. "Der Tramfahrer muss allerdings gleichzeitig den Anforderungen eines Eisenbahnlokführers und denen eines Busfahrers gerecht werden", so Sikorksi. Daher sei es "unzumutbar, diesen Mitarbeitern eine Gesamtschichtdauer von 13 Stunden aufzuerlegen."

Denn: "Die Arbeitsorganisation bei Luxtram stellt ein Risiko für die Sicherheit der Arbeitnehmer und der Verkehrsteilnehmer dar", sagt der OGBL-Gewerkschafter.

„Wir haben die öffentlichen Behörden auf die Frage der Lohn- und Arbeitsbedingungen bei Luxtram angesprochen. Der zuständige Minister meint, es sei nicht seine Aufgabe, sich in die laufenden Kollektivvertragsverhandlungen eines privatrechtlichen Unternehmens einzumischen, auch wenn dieses mehrheitlich dem Staat gehört“, bedauert Christian Sikorski.

Verhandlungstisch verlassen

Am Anfang des Jahres hatten die Gewerkschaften den Verhandlungstisch verlassen. Denn: "Die legitimen Forderungen der Arbeitnehmer wurden nicht ernst genug genommen", bedauert Sikorski. "Nachdem wir bei einer Pressekonferenz auf die skandalöse Position der Luxtram hingewiesen haben, signalisierte Luxtram dann endlich Verhandlungsbereitschaft". Vorgeschlagen wurde, dass der Unterschied bei den Urlaubstagen von sieben auf fünf verkleinert und die Lohndifferenz bei den Tramfahrern um elf Prozent verringert wird. "Eine kosmetische, einseitige, minimale Verbesserung für lediglich eine Personalkategorie!", protestiert der Gewerkschafter und fordert "die konsequente Anpassung an die Lohn- und Arbeitsbedingungen im öffentlichen Dienst für alle Mitarbeiter".

Zum Streik bereit

Die Generaldirektion der Tramgesellschaft habe den Gewerkschaften erklärt, kein Verhandlungsmandat betreffend dieser Punkte seitens des Verwaltungrates zu besitzen. Deshalb fordern die Gewerkschaften nun die Regierung und die politische Führung der Gemeinde Luxemburg dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Die Gewerkschaften haben bereits ein Treffen mit den Verantwortlichen der Stadt Luxemburg angefragt und „warten auf eine Antwort“.

Christian Sikorski stellt anschließend klar: "Bei Luxtram so wie bei der Post im Jahr 2013, werden die falschen sozialen Weichen gesetzt". Als Arbeitgeber sei die öffentliche Hand "verpflichtet, den Arbeitgebern die bestmöglichen Lohn- und Arbeitsbedingungen anzubieten." Sollten die Tarifverhandlungen in den nächsten Monaten scheitern, "sind das Personal und die Gewerkschaften zum Streik bereit."



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