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Unternehmer arbeiten zusammen: Kooperation statt Konkurrenz
Wirtschaft 3 Min. 08.03.2016

Unternehmer arbeiten zusammen: Kooperation statt Konkurrenz

Gerade Unternehmerinnen arbeiten in Luxemburg oft zusammen, erklärt die Forscherin Christina Constantinidis.

Unternehmer arbeiten zusammen: Kooperation statt Konkurrenz

Gerade Unternehmerinnen arbeiten in Luxemburg oft zusammen, erklärt die Forscherin Christina Constantinidis.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 3 Min. 08.03.2016

Unternehmer arbeiten zusammen: Kooperation statt Konkurrenz

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Unternehmen stehen im ständigen Wettbewerb zueinander. Oft lohnt es sich für Unternehmen, zusammen ein Projekt zu stemmen. Forscherin Christina Constantinidis erklärt, was sich hinter dem Schlagwort „kollaboratives Unternehmertum“ versteckt.

Interview: Laurent Schmit

An der Universität Luxemburg forscht Christina Constantinidis seit Mitte 2015 zusammen mit der Professorin Denise Fletcher zum "kollaborativen Unternehmertum". Im Fokus stehen dabei Luxemburger Unternehmerinnen, deren Erfahrungen der Zusammenarbeit Thema eines Rundtischgesprächs am Dienstag Abend sind, organisiert vom Verband der Frauen in Führungspositionen FFCEL.

Frau Constantinidis, wie definieren Sie den Begriff „collaborative entrepreneurship“?

Es ist ein ungewöhnliches Konzept: Statt zu konkurrieren legen Unternehmer ihre jeweiligen Ressourcen zusammen und teilen sich die Risiken eines gemeinsamen Projekts. Das kann in Form eines Vereins oder eines Groupement d'intérêt économique (GIE) ablaufen. Selbst informelle Formen der Zusammenarbeit sind gängig.

Gibt es Wirtschaftszweige, die sich besonders für das kollaborative Unternehmertum eignen?

Ich habe Unternehmerinnen aus allen Wirtschaftszweigen befragt. Das Phänomen beschränkt sich nicht auf bestimmte Bereiche, auch wenn ich noch keine genauen Zahlen habe. Aber das Leitmotiv ist, dass die Unternehmerinnen, die zusammenarbeiten, aus unterschiedlichen Sektoren kommen – etwa beim Luxembourg House, das die Mode- und die Lebensmittelbranche zusammenbringt.

In Luxemburg kennt jeder jeden. Das hilft Unternehmerinnen und Unternehmer die richtigen Partner für gemeinsame Projekte zu finden.
In Luxemburg kennt jeder jeden. Das hilft Unternehmerinnen und Unternehmer die richtigen Partner für gemeinsame Projekte zu finden.
Foto: Chris Karaba

Welche Art der Beziehung besteht zwischen den Unternehmern, die diesen Weg einschlagen?

Es geht um mehr als eine Beziehung zwischen Zulieferer und Kunde. Manchmal ist diese Beziehung der Ausgangspunkt für eine gemeinsame unternehmerische Tätigkeit. Wichtig für eine Zusammenarbeit ist, dass sich die Unternehmer seit langem kennen.

In Luxemburg kennt jeder jeden, sagt man. Vereinfacht das die Zusammenarbeit?

Ja, der luxemburgische Kontext ist vorteilhaft für diese Art des Unternehmertums. Die Netzwerke sind sehr engmaschig und es ist einfach, mögliche Partner zu treffen. Die in Luxemburg sehr dynamischen Coworking-Räume oder Innovationsplattformen fördern ebenfalls das Aufkommen des kollaborativen Unternehmertums. Luxemburg kann deshalb ein interessantes Versuchsfeld werden.

Wie neu ist dieses Businessmodell?

In manchen Bereichen ist es in der Tat nicht neu. Joint Ventures, bestehen etwa in Forschung und Entwicklung seit langem. Doch bei kleinen und mittleren Unternehmen scheint die Zusammenarbeit auf den ersten Blick im Gegensatz zum Hauptziel, der Profitmaximierung, zu stehen. Die Kooperation erfordert ein großes beidseitiges Vertrauen. Es kommt durchaus vor, dass ein Unternehmer den Kooperationspartner ausnutzt.

Welche Gründe sind ausschlaggebend, um Unternehmer zur Zusammenarbeit zu bewegen?

Die Unternehmen müssen heute sehr flexibel und reaktiv sein: Die Kunden verlangen Produkte und Dienstleistungen, die genau zu ihrem Lebensstil passen und die Trends kommen und gehen, während der Wettbewerb sich verschärft. Ein kleines Unternehmen, das mit anderen zusammenarbeitet, ist deutlich wendiger als große, schwerfällige Unternehmen. Wenn sie sich nicht allein der Nachfrage anpassen können, suchen sie nach Partnern.

Welche Ziele verfolgen die von Ihnen befragten Unternehmerinnen?

Es sticht hervor, dass es den Unternehmerinnen neben den wirtschaftlichen Zielen auch um gesellschaftlichen Einfluss geht. Da sie aus unterschiedlichen Bereichen kommen, haben sie zusammen mehr Gewicht. Ein Ziel ist etwa, den Unternehmergeist von Frauen zu fördern.

Frauen sind ein Motor des kollaborativen Unternehmertums.

Arbeiten Unternehmerinnen eher zusammen als Männer?

Unternehmerinnen haben ein schwächeres Netzwerk als Männer, heißt es in der wissenschaftlichen Literatur. Frauen pflegen nur wenige, dafür aber langfristige und starke Beziehungen. Was in der Forschung negativ bewertet wird, ist beim Zustandekommen von gemeinsamen Projekten vorteilhaft – nicht zuletzt aufgrund des bestehenden Vertrauens. Frauen sind ein Motor des kollaborativen Unternehmertums.

Gibt es rechtliche Lücken, die die Zusammenarbeit behindern?

Nein, keine der von mir befragten Unternehmerinnen sah darin ein Problem. Die Flexibilität der bestehenden rechtlichen Formen wie etwa den GIE ist von Vorteil. Manche Partnerschaften bestehen gar ohne schriftlichen Vertrag. Unternehmer sind Menschen, die bereit sind, Risiken einzugehen. Für sie ist es eine Gelegenheit, die es zu nutzen gilt.

Können sich Luxemburger Unternehmen durch ihre Zusammenarbeit von der ausländischen Konkurrenz abheben?

Ja, das ist ein wichtiges Ergebnis. Die Unternehmen müssen innovative Dienste und Produkte entwickeln. Durch die Zusammenarbeit finden unterschiedliche Wirtschaftszweige zusammen, was Innovation ermöglicht. Kooperationen in der Großregion gibt es auch.

Welche Entwicklung erwarten Sie in den nächsten Jahren?

Bin ich optimistisch, stelle ich mir ein Netzwerk von kleinen Unternehmen vor, die je nach Bedarf kooperieren. Heute muss ein Unternehmen wachsen, um erfolgreich zu sein. Im kollaborativen Unternehmertum können sie eine überschaubare Größe behalten, weil sie auf die Ressourcen anderer Unternehmen zurückgreifen.


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