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Unternehmensnachfolge als Herausforderung : Die Flamme weitergeben
Wirtschaft 5 Min. 14.04.2015

Unternehmensnachfolge als Herausforderung : Die Flamme weitergeben

Manche Unternehmen werden in der Familie weitergeführt, andere von Konkurrenten übernommen. Inhaber sollten den richtigen Zeitpunkt dafür nicht verpassen und den Aufwand nicht unterschätzen.

Unternehmensnachfolge als Herausforderung : Die Flamme weitergeben

Manche Unternehmen werden in der Familie weitergeführt, andere von Konkurrenten übernommen. Inhaber sollten den richtigen Zeitpunkt dafür nicht verpassen und den Aufwand nicht unterschätzen.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 5 Min. 14.04.2015

Unternehmensnachfolge als Herausforderung : Die Flamme weitergeben

Firmeninhaber müssen früher oder später, an die eigene Nachfolge denken. Das ist eine echte Herausforderung, denn es ist schwer, alles richtig, aber leicht, alles falsch zu machen.

Von Andreas Adam

Wer als Inhaber ein erfolgreiches Unternehmen leitet, hat in der Regel nicht nur Zeit und Geld, sondern auch Herzblut darin investiert. Doch früher oder später gilt es, an die eigene Nachfolge zu denken, frei nach der Redewendung, die Flamme weiterzugeben, statt die Asche zu bewahren. Die Unternehmensnachfolge ist eine echte Herausforderung, denn es ist schwer, alles richtig, aber leicht, alles falsch zu machen.

„In den kommenden zehn Jahren steht in einem Drittel der luxemburgischen Handwerksbetriebe die Unternehmensnachfolge an“, sagt Charles Bassing, stellvertretender Generaldirektor der Chambre des métiers und verantwortlich für die Abteilung Unternehmenskontakt. Ein Drittel, das sind ungefähr 1800 bis 2000 Betriebe. Rein rechnerisch suchen pro Jahr also 180 bis 200 Handwerksunternehmen einen neuen Chef.

Manche klären die Nachfolge in der Familie. Andere geben den Betrieb an einen Angestellten weiter oder verkaufen an Dritte. Handwerker, die einen Nachfolger suchen oder selbst einen Betrieb übernehmen möchten, haben in der Kammer eine erste Anlaufstelle.

Die Entscheidung, sich aus dem eigenen Betrieb zurückzuziehen und die Leitung abzugeben, sollte man nicht überstürzen.

„Die Entscheidung, sich aus dem eigenen Betrieb zurückzuziehen und die Leitung abzugeben, sollte man nicht überstürzen“, so Charles Bassing. Etwa fünf Jahre vorher solle man sich bereits Gedanken machen, nicht zuletzt, weil die Firma übergabefähig sein müsse. Das betrifft z. B. den Zustand von Geräten und Maschinen, bei Erbengemeinschaften das Ausbezahlen von Familienmitgliedern, die Personalorganisation oder die Umsatz- und Ertragssituation.

Kammern bieten neutrale Erstberatung an

Wer einen Nachfolger sucht oder selbst ein Unternehmen übernehmen möchte, kann die anonymisierte Unternehmensbörse der Chambre des métiers nutzen. „Ende 2014 standen rund 95 Betriebe auf der Suche nach einem Nachfolger in unserer Datenbank“, sagt Daniel Thull, Wirtschaftsattaché bei der Handwerkskammer. Dem standen 65 potenzielle Nachfolger gegenüber. Die Unternehmensbörse der Handwerkskammer umfasst nicht alle luxemburgischen Handwerksbetriebe, die einen Nachfolger suchen, sondern nur solche, die sich auf Wunsch dort eintragen lassen.

Die meisten in der Börse eingeschriebenen Unternehmen kommen aus dem Bereich Mode-Gesundheit-Hygiene oder aus dem Baugewerbe: „Von den suchenden Unternehmen sind 28 Prozent Friseur- und 15 Prozent Kosmetiksalons. Etwa 40 Prozent kommen aus der Baubranche“, so Charles Bassing und Daniel Thull. Auf Seiten der potenziellen Nachfolger in der Datenbank sieht es bei der Branchenzugehörigkeit ähnlich aus.

Es ist durchaus sinnvoll, dass sich sowohl die Unternehmen als auch die Nachfolger von Fachleuten beraten lassen.

Die Kammer bleibt neutral, prüft also weder die Solvenz der Interessenten noch die Bücher der Firmen. Sie bringt die Suchenden nach vorhergehenden Einzelgesprächen lediglich zum Kennenlernen an einen Tisch. Wenn sich zwei Interessenten so gefunden haben, bedeutet dies noch nicht, dass es am Ende zur Übernahme kommt. Oft gehen die Vorstellungen über den Preis und Wert des Betriebes auseinander. „Es ist durchaus sinnvoll, dass sich sowohl die Unternehmen als auch die Nachfolger von Fachleuten beraten lassen“, sagt Bassing. Die Kammer bietet dies nicht an. Erstberatung und Unternehmensbörse der Chambre des métiers sind allerdings kostenlos.

Verlässliche Daten über die Nachfolge liegen nicht vor

So wie im Bereich Handwerk sind auch für den Handel keine exakten Daten zur Unternehmensnachfolge verfügbar. Auf Nachfrage bei der Handelskammer verweist Tom Baumert, Leiter des Bereichs Business Exchange auf eine Studie der Idea-Stiftung vom Juli 2014. Demnach liegt die Größenordnung aller Unternehmensübergaben pro Jahr in Luxemburg bei 266 und im Handel allein bei 64 Unternehmen. „Genaue Daten über die Unternehmensnachfolge im luxemburgischen Handel liegen nicht vor, da uns Führungswechsel oder neue Anteilseigner bei Aktiengesellschaften z. B. nicht gemeldet werden und auch bei Anträgen auf eine Handelsermächtigung nicht automatisch klar ist, ob jemand ein Unternehmen neu gründet oder übernimmt“, so Baumert. Allerdings wenden sich immer wieder Betriebe auf der Suche nach einem Nachfolger oder auch Personen, die einen Betrieb übernehmen möchten, an die Handelskammer – zwecks Erstberatung oder, um die Vermittlungsbörse zu nutzen.

Oft unterschätzen die Leute die Dauer, die notwendig ist, um Bewerber zusammenzubringen.

„Wir haben aktuell etwa 80-100 Kandidaten und etwa 60 Unternehmen, die an uns herangetreten sind, um beraten und vermittelt zu werden.“ Das ist kostenlos. Zudem gibt es ein Online-Angebot namens Opportunet.net, das die Luxemburger Handelskammer zusammen mit den französischen Regionen Elsass und Lothringen nutzt. Sowohl die persönliche als auch die Vermittlung per Internet sind anonym. Der Kontakt kommt über die Kammer zustande. Auf Seiten der Unternehmen melden sich oft Horesca-Betriebe und kleinere Geschäfte. Unter den potenziellen Käufern sind diese ebenfalls vertreten sowie auch Interessenten zur Übernahme einer Kinderkrippe oder eines Immobilienbüros. „Oft unterschätzen die Leute die Dauer, die notwendig ist, um Bewerber zusammenzubringen. Die Übernahme generell sollte man mit einer Vorlaufzeit von drei bis fünf Jahren angehen“, so Baumert.

Im Herbst wollen die beiden Kammern zusammen mit den Luxemburger Jungunternehmern eine Broschüre zum Thema Unternehmensnachfolge herausbringen. 

Außerdem weichen die Vorstellungen über den Wert und einen möglichen Preis oft von der Realität ab.

Während kleinere Betriebe ihre Unternehmensnachfolge über den Erstkontakt mit den Kammern angehen und sich bei den Verhandlungen durch eine „Fiduciaire“ begleiten lassen, wählen größere Betriebe oft von Anfang an den Weg über Beratungsgesellschaften. „Bei den Unternehmen, die wir vermitteln, liegen wir meist bei einer Größenordnung von einer Million Euro Ebitda aufwärts“, sagt z. B. Manuel Baldauff, Partner bei Value Associates. Zu den Kunden für eine Unternehmensnachfolge zählen sowohl Firmen, die verkaufen möchten, als auch solche, die nach einem Übernahmeobjekt suchen. Die Beratung umfasst in der Regel den gesamten Vorgang, d. h. von der Suche und dem Matching der Verhandlungspartner bis zum Abschluss. „Uns ist in unserer Beratungspraxis aufgefallen, dass Inhaber zu spät erkennen, dass am Markt ein Kaufinteresse an ihrem Betrieb besteht und deshalb der optimale Zeitpunkt für die Transaktion verpasst wird“, so Baldauff. „Außerdem weichen die Vorstellungen über den Wert und einen möglichen Preis oft von der Realität ab, und zwar nach oben wie nach unten.“ Daher solle in jedem Fall eine gewisse Vorlaufzeit einkalkuliert und eine zeitige Beratung erwogen werden. Einen Eindruck über die Herausforderung einer Unternehmensnachfolge vermittelt ein neuer Leitfaden mit dem Titel „Guide pratique de la transmission d’entreprise“, den Value Associates als elektronisches Buch auf Anfrage per E-Mail (info@value.lu) gratis anbietet.


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