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Umstrukturierung bei ArcelorMittal: Bettemburg soll 2016 abgewickelt werden
Wirtschaft 3 Min. 15.09.2015

Umstrukturierung bei ArcelorMittal: Bettemburg soll 2016 abgewickelt werden

Bei ArcelorMittal hieß es bereits 2011, dass der Markt für Sägedraht aus Bettemburg zusammengebrochen sei.

Umstrukturierung bei ArcelorMittal: Bettemburg soll 2016 abgewickelt werden

Bei ArcelorMittal hieß es bereits 2011, dass der Markt für Sägedraht aus Bettemburg zusammengebrochen sei.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 15.09.2015

Umstrukturierung bei ArcelorMittal: Bettemburg soll 2016 abgewickelt werden

Der Stahlkonzern hat dem Betriebsrat seine Umstrukturierungspläne für den Standort Bettemburg vorgestellt. Auf dem Gelände sollen demnach Aktivitäten anderer Firmen angesiedelt werden. Den Beschäftigten sollen neue Stellen angeboten werden.

(aa) - Der Stahlkonzern ArcelorMittal hat am Dienstag dem Betriebsrat seine Umstrukturierungspläne für den Standort Bettemburg vorgestellt. Demnach soll die unrentable Sägedraht-Produktion dort nur noch bis Juni 2016 weiterlaufen, um die vorliegenden Bestellungen zu bedienen. Anschließend werde das Kunden-Portfolio von Voestalpine übernommen, einem österreichischen Partner, der auf diese Produktion spezialisiert sei, hieß es in einer Mitteilung. Voestalpine wird jedoch nicht in Bettemburg produzieren. 

Koreanisches Unternehmen Sam Hwa will investieren

Interessanterweise war es Voestalpine-Chef Wolfgang Eder, der vergangene Woche in seiner Eigenschaft als Präsident des Weltstahlverbandes gesagt hatte, dass Überkapazitäten und Preisdruck in der Branche Zehntausende Arbeitsplätze gefährdeten. Auf Anfrage des "Luxemburger Wort" bei ArcelorMittal in Luxemburg, sagte darauf ein Sprecher, dass die hiesigen Standorte mit ihren Spitzenprodukten gewappnet seien, dass das Großherzogtum bei Standardprodukten wie beispielsweise  Sägedraht nicht mehr konkurrenzfähig sei. 

Was die Produktionsgebäude bei ArcelorMittal in Bettenburg angeht, so sollen diese von Sam Hwa übernommen werden, einer südkoreanischen Gesellschaft, die im Bereich Automobilbau aktiv ist und laut ArcelorMittal hier investieren möchte. Außerdem werde die Firma Kiswire ihre bereits bestehenden Büros auf dem Gelände übernehmen. 

Den Beschäftigten sollen Stellen angeboten werden

Bis Ende 2016 sollen noch andere wirtschaftliche Aktivitäten auf dem Areal in Bettemburg angesiedelt werden. ArcelorMittal wird seine Produktion in Bettemburg 2016 komplett einstellen.

Was die ArcelorMittal-Beschäftigten in Bettemburg angeht, so will ArcelorMittal allen eine Weiterbeschäftigung ermöglichen. Mehrere Duzend offene Stellen stünden zum einen an ArcelorMittal-Standorten in Luxemburg zur Verfügung, hieß es. Außerdem werde Sam Hwa den ArcelorMittal-Beschäftigten in Bettemburg Übernahmeangebote machen. 

LCGB: "Folge einer strategischen Entscheidung"

Laut ArcelorMittal macht der Standort Bettemburg trotz erheblicher Anstrengungen seit Jahren Verluste. Kommerzielle Umstrukturierungen und die Preisentwicklung erlaubten es nicht, das Werk rentabel zu betreiben. Der Markt für Sägedraht habe sich nach Asien verlagert, wo die Kunden im Bereich Photovoltaik oder Halbleiter-Industrie sitzen.

Die Gewerkschaft LCGB bedauerte am Dienstagnachmittag die Entscheidung des Stahlkonzerns und erklärte, nun komme es darauf an, die Stellen und gehälter der 65 Beschäftigten zu sichern. Die angekündigte Aufgabe des ArcelorMittal-Produktionsstandortes Bettemburg sei die Folge einer strategischen Entscheidung vor einigen Jahren, in Bettemburg nur noch auf die Herstellung eines einzigen Produktes zu setzen.

Wurth 2011: "Sägedraht war ein gutes Geschäft"

Gegen Ende des vergangenen Jahrzehnts war das Bettemburger ArcelorMittal Werk von Stahldraht auf Sägedraht umgerüstet worden. Wenige Jahre später gab es bereits Probleme. ArcelorMittal-Direktionsmitglied Michel Wurth sagte Ende 2011 in einem Interview mit dem "Luxemburger Wort": "Das war ein gutes Geschäft. Inzwischen ist der Markt allerdings zusammengebrochen". Man müsse die Situation in den Griff bekommen. Das klappte offenbar nicht, wie sich spätestens jetzt herausstellt.

Der LCGB verweist darauf, dass die in Bettemburg verbliebenen Beschäftigten vor etwas mehr als einem Jahr die Produktion verdoppeln und die Produktivität um 25 Prozent gesteigert hätten, ohne dadurch das Werk retten zu können. Immerhin seien keine Entlassungen vorgesehen. Völlig aus heiterem Himmel kommen aber auch die Abwicklungspläne für Bettemburg nicht. Denn bereits im Januar 2015 hatte Michel Wurth gegenüber dem "Luxemburger wort" immerhin durchblicken lassen, dass man nur noch wenige wichtige Kunden für Sägedraht habe. "Etwa 50 Mitarbeiter werden wir auf andere besser laufende Werke verteilen", hatte Wurth vor rund neun Monaten angekündigt.

OGBL: "Politik der vollendeten Tatsachen"

Die Gewerkschaft OGBL beklagt seitens ArcelorMittal eine "Politik der vollendeten Tatsachen". Der Konzern habe nicht einmal den Versuch unternommen, mit dem Personal und den Gewerkschaften in einen konstruktiven Dialog zu treten, um das Werk zu erhalten. Wenn ArcelorMittal Bettemburg aufgegeben werde, gehe dem Großherzogtum ein weiterer Anteil industrieller Substanz verloren.



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