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ULC kritisiert hohe Bankgebühren und warnt vor Bargeldabschaffung
Wirtschaft 2 Min. 16.10.2020

ULC kritisiert hohe Bankgebühren und warnt vor Bargeldabschaffung

Die ULC kritisiert die hohen Gebühren bei Bankgeschäften, die am Schalter durchgeführt werden.

ULC kritisiert hohe Bankgebühren und warnt vor Bargeldabschaffung

Die ULC kritisiert die hohen Gebühren bei Bankgeschäften, die am Schalter durchgeführt werden.
Foto: Shutterstock
Wirtschaft 2 Min. 16.10.2020

ULC kritisiert hohe Bankgebühren und warnt vor Bargeldabschaffung

Mara BILO
Mara BILO
Schon länger setzt sich der Konsumentenschutz dafür ein, dass Bankgeschäfte am Schalter für bestimmte Verbrauchergruppen zu deutlich reduzierten Tarifen angeboten werden. Die Regierung hält sich bei diesem Thema bedeckt, so die Kritik.

Es ist ein immer wieder gern aufgegriffenes Thema der „Union luxembourgeoise des consommateurs“ (ULC): Die Rede ist von den Bankgebühren. Seit längerer Zeit setzt sich die Verbraucherschutzorganisation dafür ein, dass grundlegende Bankgeschäfte, die auf Papier oder am Schalter durchgeführt werden, zu deutlich reduzierten Tarifen angeboten werden – ganz besonders für Menschen, die älter als 65 Jahre sind oder zu den „vulnérables“ Verbrauchergruppen gehören.

Konkret: Der ULC nach hapert es an der Umsetzung einer EU-Richtlinie zu Zahlungskonten mit grundlegenden Funktionen, die 2017 in Luxemburg umgesetzt wurde. „Es besteht Verbesserungsbedarf“, erklärte der ULC-Präsident Nico Hoffmann am Freitag bei der Vorstellung des Jahresberichtes der Organisation.

Nico Hoffmann, Präsident der Verbraucherschutzorganisation ULC
Nico Hoffmann, Präsident der Verbraucherschutzorganisation ULC
Foto: Pierre Matgé

Nur sind die unternommenen Aktionen der Verbraucherschutzorganisation auf Regierungsebene bislang auf wenig Erfolg gestoßen – der Finanzminister Pierre Gramegna (DP) habe signalisiert, dass er nicht bereit sei, den Banken „etwas vorzuschreiben“, die Ministerin für Verbraucherschutz Paulette Lenert (LSAP) halte sich bedeckt, so die ULC. Dabei finden viele Menschen die Bankgebühren übertrieben, betont Hoffmann und weist auf zwei Petitionen hin, die von der Verbraucherschutzorganisation bei der Abgeordnetenkammer eingereicht und nach eigenen Angaben von knapp 16.000 Bürgern unterschrieben wurden.

Es sei zwar wahr, dass einige Banken sich bemüht haben, günstigere Bedingungen für ältere Kunden anzubieten – „aber das ist bei Weitem nicht genug“, so heißt es offiziell.

Im Visier der Verbraucherschutzorganisation ist ganz besonders die Spuerkeess. Die Luxemburger Bank hatte sich Anfang des Jahres dafür entschieden, ihr Filialennetz auszudünnen und elf Zweigstellen von insgesamt 65 Bankfilialen zu schließen. „Die Spuerkeess ist quasi Vorreiter bei der Umsetzung einer radikalen und unsozialen Politik“, kommentierte Nico Hoffmann, „dabei wurden überhaupt nicht die Bedürfnisse der Kunden berücksichtigt.“


Viele Banken verlangen bei Barabhebungen am Schalter hohe Gebühren.
Bankgebühren: "Tarife sind horrend hoch und unsozial"
Am Freitag stand die Petition der Konsumentenschutzorganisation UCL über die Bankgebühren auf der Tagesordnung der Chamber. Die Petition hatte mehr als 5.500 Unterschriften gesammelt.

Bei den Diskussionen rund um die Bankgebühren und die Schließung der Bankfilialen will die ULC jedenfalls in der Zukunft nicht lockerlassen; „wir werden immer wieder darauf zurückkommen und spätestens bei den nächsten Wahlen auch die Parteien mit dem Thema konfrontieren“, versprechen die Vertreter der Verbraucherschutzorganisation.

Kreditkarte statt Münzen

Neben Bankgebühren bereitet die drohende Abschaffung des Bargeldes der ULC viele Sorgen. Die Corona-Krise habe diese Gefahr nur verschärft, so Präsident Nico Hoffmann. „Viele Geschäfte haben zeitweise keine Bargeldbezahlungen angenommen, was für viel Aufregung in der Öffentlichkeit gesorgt hat.“

So seien mehr als 80 Beschwerden in diesem Zusammenhang bei der ULC eingetroffen, die die Organisation an die zuständige Regierungsstelle weitergeleitet hat. „Leider ist auch in diesem Dossier nichts passiert.“


Bankschalter, Bank, Geld, Angestellte (Foto: Shutterstock)
5.500 Unterschriften für die Petition gegen Bankgebühren
Angaben der „Union luxembourgeoise des consommateurs“ (ULC) zufolge hat die Petition gegen hohe Bankgebühren bis zum Fristende am 4. April 5.500 Unterschriften erreicht.

Es sei keine gute Entwicklung, wenn vielerorts schon Bargeld abgelehnt wird, bedauerten die Verbraucherschützer. „Wir sind uns natürlich bewusst, dass immer mehr Menschen elektronische Zahlungsmittel nutzen“ – aber hier gehe es wie auch bei den Bankgebühren in erster Linie um ältere Menschen und „vulnérables“ Verbrauchergruppen.

Bargeld gewährleiste eine gewisse Privatsphäre sowie das Recht auf Handlungsfreiheit, so die ULC weiter. Mit der alleinigen Nutzung von elektronischen Zahlungsmitteln seien negative Folgen verbunden. „Für uns ist diese Entwicklung eher ein Schritt in die moderne Sklaverei als ein Fortschritt“, erklärte Hoffmann. „Dafür: Wehret den Anfängen. Es ist noch nicht zu spät.“

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