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Türkei überrascht mit starkem Wachstum
Wirtschaft 2 Min. 01.06.2021

Türkei überrascht mit starkem Wachstum

Mit billigen Krediten fördert die Regierung über die Staatsbanken den privaten Konsum und die Investitionen.

Türkei überrascht mit starkem Wachstum

Mit billigen Krediten fördert die Regierung über die Staatsbanken den privaten Konsum und die Investitionen.
Foto: AFP
Wirtschaft 2 Min. 01.06.2021

Türkei überrascht mit starkem Wachstum

Die Wirtschaftsleistung hat stärker zugelegt als erwartet. Aber das Wachstum hat einen hohen Preis.

Von LW-Korrespondent Gerd Höhler

Die türkische Wirtschaft trotzt der Corona-Pandemie – das jedenfalls ist die Lesart der Regierung in Ankara. Am Montag meldete das staatliche Statistikamt für das erste Quartal 2021 ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von sieben Prozent. Analysten hatten mit einem Plus von 6,3 bis 6,7 Prozent gerechnet. Unter den G20-Staaten, zu denen auch die Türkei gehört, verzeichnete nur China ein noch größeres Plus. Der türkische Finanzminister Lütfi Elvan sagte, die Zahlen des Statistikamtes seien „Indikatoren eines ausbalancierten und gesunden Wachstums“.

Türkische Währung verliert an Wert

Viele unabhängige Ökonomen sehen das anders. Sie führen die Expansion vor allem auf die türkische Geldpolitik zurück. Mit billigen Krediten förderte die Regierung über die Staatsbanken den privaten Konsum und die Investitionen – ein Boom auf Pump. Dabei blieb aber die Preisstabilität auf der Strecke. Im April stieg die Jahresinflation auf 17,1 Prozent. Fachleute erwarten, dass sich der Verbraucherpreisanstieg im Mai beschleunigt hat. 


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Auch die türkische Währung wertet weiter ab. Die Lira hat gegenüber dem Dollar in diesem Jahr bereits fast 15 Prozent verloren und erreichte vergangene Woche ein neues Rekord-Tief, bevor sie sich am Montag aufgrund der starken Wachstumszahlen etwas erholte. Am Dienstag setzte sich die Talfahrt aber bereits wieder fort.

Menschen werden nicht reicher, sondern ärmer

Der Wertverfall der Lira relativiert die hohen Wachstumszahlen. Das statistische Pro-Kopf-Einkommen fiel seit 2016 von 10.000 auf 7.500 Euro. Die Menschen werden nicht reicher, sondern ärmer. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt bei 13 Prozent, manche Fachleute schätzen aber, dass sie tatsächlich doppelt so hoch ist. Weitere Arbeitsplätze werden in Gefahr geraten, wenn in den nächsten Monaten der Corona-Kündigungsschutz ausläuft. Ungewiss ist auch, wie schnell sich der türkische Tourismus, der in guten Jahren mehr als zehn Prozent zum BIP beisteuert, erholen wird.

Größtes Risiko für die türkische Wirtschaft bleibt die Teuerung. Eigentlich müsste die Notenbank mit höheren Leitzinsen gegensteuern. Eine Zinserhöhung könnte auch den Außenwert der Lira stützen und die Abwertungsspirale stoppen. Aber wenn die Notenbank in der Geldpolitik die Zügel anziehen, bremst sie zugleich das Wirtschaftswachstum. Bleibt sie dagegen bei ihrer lockeren Geldpolitik, riskiert sie steigende Inflationszahlen und eine weitere Abwertung der Lira. 


Am Montag gerieten die türkische Währung, die Börse in Istanbul und Staatsanleihen des Schwellenlandes massiv unter Druck. Zeitweise verlor die türkische Lira über 15 Prozent an Wert.
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Aber viel zu sagen haben die Währungshüter ohnehin nicht mehr. Staatschef Erdogan nimmt immer größeren Einfluss auf die Geldpolitik. Er ist ein erklärter Gegner hoher Zinsen. Viele Ökonomen erwarten deshalb, dass sich die Geldentwertung weiter beschleunigen wird. Für die meisten Menschen ist das keine gute Aussicht. Schon jetzt liegt der staatlich festgesetzte Mindestlohn mit umgerechnet 271 Euro unter der Armutsgrenze. 

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