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Tornado: Fragen und Antworten zur Versicherung
Wirtschaft 6 Min. 12.08.2019

Tornado: Fragen und Antworten zur Versicherung

Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren: Nach dem Tornado sind viele Häuser stark beschädigt.

Tornado: Fragen und Antworten zur Versicherung

Die Aufräumarbeiten laufen auf Hochtouren: Nach dem Tornado sind viele Häuser stark beschädigt.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 6 Min. 12.08.2019

Tornado: Fragen und Antworten zur Versicherung

Mara BILO
Mara BILO
Nach Tornado: Der Dachverband der Versicherungsgesellschaften ACA erklärt, inwiefern die Opfer des Tornados unterstützt werden und was solche Unwetterereignisse für die Versicherungsbranche bedeuten.

Fortgewehte Hausdächer, zertrümmerte Fahrzeuge, verwüstete Straßen – im Süden des Landes bietet sich wenige Tage nach dem Tornado noch ein Bild der Zerstörung. Und die Frage, die jetzt vielen auf den Lippen liegt: Wie gut ist man für den Fall der Fälle durch seine Versicherung geschützt? Auf Nachfrage des „Luxemburger Wort“ erklärt Marc Hengen, Administrateur délégué des Dachverbands der Versicherungsgesellschaften „Association des compagnies d'assurances et de réassurances“ (ACA), inwiefern die Opfer des Tornados unterstützt werden und was solche Unwetterereignisse für die Versicherungsbranche bedeuten. 

Fragen und Antworten im Überblick

Ist es schon möglich, die Höhe des Gesamtschadens einzuschätzen?

Nein, dafür ist es zu früh. Was aber bereits jetzt feststeht, ist, dass die Rechnung sehr hoch ausfallen wird, wie Marc Hengen erklärt. Zur Einordnung: Ein neues Dach allein kann bis zu 100.000 Euro kosten. Der Administrateur délégué der ACA schätzt, dass der Gesamtschaden mehr als die schlimmen Überschwemmungen und Erdrutsche im Müllerthal – die Anfang Juni 2018 von starken Regenfällen verursacht wurden – kosten wird. Damals belief sich der Schaden im Müllerthal auf insgesamt etwa acht Millionen Euro. Am Mittwoch könnten allerdings erste Zahlen vorliegen, so die ACA.

Wie viele Anträge auf Schadenregulierung wurden bei den luxemburgischen Versicherungsgesellschaften bereits eingereicht?

Das ist derzeit schwer zu sagen, wie Marc Hengen erklärt. „Wir haben uns sehr schnell organisiert: Nach dem Tornado am Freitag waren die Büros der Versicherungsgesellschaften am Samstag im Süden des Landes geöffnet.“ Dazu kommt, dass viele Menschen derzeit im Urlaub sind, oder erst aus dem Urlaub zurückkommen. Eine am Wochenende veröffentlichte Mitteilung des Dachverbands der Versicherungsgesellschaften weist auch darauf hin, dass es für die Schadenersatzerklärung keine Frist gibt. Somit könnten viele Anträge auf Schadensregulierung noch in den kommenden Tagen und Wochen eingereicht werden.


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 Auf welche Versicherung können sich die Opfer des Tornados verlassen?

Solche Tornados sind allgemein von der in der Hausversicherung inbegriffenen Sturmversicherung abgedeckt. Diese deckt Sachschäden an versicherten Gegenständen, die durch starken Wind verursacht werden, und tritt ein, wenn Gebäude, Bäume und Co. in einem gewissen Umkreis um das Unwetterereignis beschädigt sind. In der Versicherungsbranche gilt: Wenn die nächstliegende Wetterstation bestätigen kann, dass die Geschwindigkeit des Windes bei mehr als 100 Kilometern pro Stunde liegt, tritt die Sturmversicherung ein.

Wie viele Menschen sind in Luxemburg von einer Sturmversicherung geschützt?

Die meisten Besitzer eines Hauses haben eine Versicherung, die sie gegen Brand und Sturm versichert, denn oft verlangt die Bank bei der Vergabe eines Kredits ohnehin einen entsprechenden Versicherungsnachweis. So geht Marc Hengen davon aus, dass die Opfer des Tornados über eine ausreichende Versicherung verfügen. Allerdings ist eine Sturmversicherung keine Pflicht.

Gibt es eine maximale Versicherungssumme bei Sturmversicherungen?

Es hängt ganz von dem Wert des versicherten Hauses ab. Einen maximalen Betrag gibt es in der Regel nicht; nur in älteren Verträgen gibt es noch eine maximale Versicherungssumme.


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Welche Leistungen beinhaltet eine Sturmversicherung?

Eine Sturmversicherung deckt sowohl das Haus als auch die sich darin befindenden Gegenstände ab. Die indirekten Kosten – beispielsweise Unterkunftskosten – sind auch inbegriffen; die ACA empfiehlt, alle damit verbundenen Belege zu behalten. Wenn nicht möglich: „In dieser Situation werden die Versicherungsgesellschaften mit den Betroffenen nachsichtig sein“, sagt Marc Hengen.

Welche Frist ist für die Geltendmachung der Versicherungsleistungen zu beachten?

Nach Einreichen der Schadenersatzerklärung sollte der Entschädigungsprozess schnell in die Wege geleitet werden – „und mit so wenig Bürokratie wie möglich“, wie es bei der ACA heißt. Eine genaue Frist kann der Dachverband nicht nennen.

Spricht man beim Tornado von einer Naturkatastrophe und macht das einen Unterschied für die Versicherung?

Die Regierung hält sich an den „Notfallplan im Falle von extremen Wetterereignissen“, wie das Innenministerium auf Nachfrage erklärt. Beim Tornado handelt es sich um „eine meteorologische Notfallsituation“; seit Samstagabend ist der Tornado offiziell als Naturkatastrophe eingestuft worden. „Die Einstufung als Naturkatastrophe ist in Luxemburg vor allem für die internen Prozeduren des Staates wichtig, um etwa die finanziellen Hilfeleistungen der Ministerien bereitstellen zu können“, so das Innenministerium. Anders im Nachbarland Frankreich: Dort sind auch die Verträge der Versicherungsgesellschaften mit der offiziellen Einstufung verbunden. Dass der Staat das Unwetterereignis von Freitag also als Naturkatastrophe eingestuft hat, macht keinen Unterschied für die Geschäftsbedingungen der mit Versicherungsgesellschaften abgeschlossenen Verträge, wie die ACA bestätigt.

Das Ministerium hat eine spezielle Seite im Netz eingerichtet, um Katastrophenhilfe zu beantragen. Ersetzt diese finanzielle Unterstützung eine Sturmversicherung?

Nein, „die vom Staat angebotene Hilfe richtet sich in erster Linie an Menschen, die eine nicht ausreichende Versicherung haben“, erklärt Hengen. So gibt es keine Hilfe für Schäden, die bereits von einer Versicherung gedeckt sind. Erster Ansprechpartner nach dem Tornado bleibt also nach wie vor die Versicherungsgesellschaft.


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Sind Menschen in Luxemburg im Allgemeinen ausreichend gegen solche Unwetterereignisse geschützt?

Ja. Im Angebot vieler Versicherungsgesellschaften sind verschiedene Produkte inbegriffen, die die Versicherten gegen gängige Risiken – Feuer, Wasserschaden, Glasbruch, Diebstahl und dergleichen – aber auch gegen bestimmte Klimagefahren wie etwa Überschwemmungen beschützen. Und das Angebot der Versicherungsgesellschaften passt sich ständig den neuen Gegebenheiten an, wie der Administrateur délégué der ACA betont. Beispiel Überschwemmungen: Nach den Hochwasserereignissen, die Luxemburg in den vergangenen Jahren betroffen haben, bieten Versicherungsgesellschaften wie die Lalux beispielsweise neue Formeln an. „Als Antwort auf dieses Naturphänomen hat Lalux seine Wohnungs- und Hausratsversicherung angepasst und bietet nun [...] einen Versicherungsschutz gegen Überschwemmungen an“, heißt es auf der Website der Firma.

Bei steigenden Klimarisiken: Wird die Prämie von Haus- und Wohnungsversicherungen immer teurer werden?

Das ist schwer zu sagen; die Höhe der Prämie hängt unter anderem auch von der Höhe des Betrags, die Versicherungsgesellschaften mit ihren Rückversicherungsgesellschaften abschließen (siehe unten), ab. Der Preis der Versicherungsprämie, der durch eine Versicherungsgesellschaft festgelegt wird und den der Privatkunde letztendlich bezahlt, beinhaltet bereits die Kosten der Rückversicherung.