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Telearbeit: Neue Toleranzschwelle für französische Pendler
Wirtschaft 3 Min. 07.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Telearbeit: Neue Toleranzschwelle für französische Pendler

In Luxemburg hat die Telearbeit in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen.

Telearbeit: Neue Toleranzschwelle für französische Pendler

In Luxemburg hat die Telearbeit in den vergangenen zehn Jahren stark zugenommen.
Foto: Getty Images
Wirtschaft 3 Min. 07.01.2020 Aus unserem online-Archiv

Telearbeit: Neue Toleranzschwelle für französische Pendler

Mara BILO
Mara BILO
Nach langen Verhandlungen wurde das neue Steuerabkommen zwischen Luxemburg und Frankreich am 20. März 2018 unterschrieben. Nun ist das Abkommen in Kraft getreten - französische Pendler dürfen 29 Arbeitstage pro Jahr von zu Hause aus arbeiten.

Neues Jahr, neue Gesetze: Mit dem Jahreswechsel sind neue Vorschriften in Kraft getreten – darunter das neue Abkommen zwischen Luxemburg und Frankreich zur Vermeidung der Doppelbesteuerung und zur Verhinderung von Steuerhinterziehung. So dürfen französische Pendler – neben weiteren Maßnahmen – seit dem 1. Januar 29 Tage pro Jahr außerhalb der Grenzen Luxemburgs arbeiten. Das zwischenstaatliche Abkommen wurde am 20. März 2018 in Paris unterschrieben; Finanzminister Pierre Gramegna war damals in der französischen Hauptstadt auf Staatsbesuch.

Grundsätzlich gilt, dass Einkommenssteuern in dem Land erhoben werden, wo ein Arbeitnehmer arbeitet. So sind Einkünfte aus Luxemburg im Großherzogtum steuerpflichtig – vorausgesetzt, die Arbeiten werden auf luxemburgischem Boden durchgeführt. Ein Problem bei bestimmten Berufskategorien: Für manche Arbeitnehmer gehören Reisen ins Ausland zum täglichen Brot. Mit den neuen Vorschriften ist auch die Diskussion rund um die Telearbeit vom Tisch; in der Theorie müssten Arbeitnehmer ab dem ersten Tag, an dem sie von zu Hause aus arbeiten, in dem Land, wo sie wohnen, ihre Lohnsteuern zahlen.


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Besonders für Luxemburg ein wichtiges Thema – immerhin pendeln Angaben des nationalen Statistikamts Statec zufolge jeden Tag mehr als 200.000 Menschen aus der Grenzregion in das Großherzogtum (Stand: Anfang 2019). Das führt zu überlasteten Straßen; viele Grenzgänger verbringen mittlerweile schon morgens und abends mehr als eine Stunde im Auto – von einer guten Lebensqualität kann damit nicht mehr die Rede sein.

So wird verzweifelt seit Jahren sowohl im Privatsektor als auch in Regierungskreisen nach Lösungsansätzen gesucht, um den Verkehrsdruck abzufedern. Eine dabei immer wieder vorgeschlagene Maßnahme ist die Telearbeit. Sie würde zumindest ein wenig die Pendlerströme verringern, heißt es.

Telearbeit als Lösung

Unter dem Begriff „Telearbeit“ wird „Heimarbeit verstanden, bei der der Arbeitnehmer über ein elektronisches Kommunikationsnetz mit dem jeweiligen Arbeitgeber verbunden ist“, so lautet es im Duden. In Luxemburg hat die Telearbeit in den vergangenen Jahren stark zugenommen; jüngst veröffentlichte Angaben des Statistikamts zeigen, dass sich die Zahl der Arbeitnehmer, die regelmäßig von zu Hause aus arbeiten, in den vergangen zehn Jahren verdreifacht hat. So waren 2010 nur sieben Prozent aller Beschäftigten von Telearbeit betroffen; im Jahr 2018 waren es schon knapp 20 Prozent – jeder fünfte Arbeitnehmer.


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Dennoch lässt sich anhand der Zahlen des Statec ablesen, dass derzeit viele Telearbeiter nur einen sehr geringen Teil ihrer Arbeitszeit zu Hause verbringen. So arbeiten 40 Prozent der Telearbeiter nur vier Stunden oder weniger pro Woche von zu Hause aus, für 25 Prozent sind es zwischen vier und sieben Arbeitsstunden pro Woche.

Um auf diese Ergebnisse zu kommen, hat das nationale Statistikamt die Antworten von mehr als 8.000 Bewohner des Großherzogtums ausgewertet.  „Wir haben leider keine Daten über den Anteil der Telearbeiter bei den Grenzgängern, aber wir gehen nicht davon aus, dass sich die Zahlen signifikant unterscheiden“, heißt es beim Statec.

Viele Unternehmen hierzulande setzen schon verstärkt auf das Konzept Telearbeit und konzentrieren sich darauf, Büros bereitzustellen, die sich näher am Wohnsitz der Mitarbeiter befinden. Beispiel „S-Hub“: Im vergangenen Juni wurde Lothringens erstes Bürokomplex für Grenzgänger eröffnet. Der „Cross Border Working Hub“ wurde von der „Société de développement et d'aménagement de la Moselle“ (Sodevam) entwickelt und ermöglicht es Unternehmen, Büroflächen für ihre Mitarbeiter an der A31 zwischen Thionville und Yutz zu mieten.

Weniger Hürden

Mit dem Inkrafttreten des neuen Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Luxemburg und Frankreich stehen den Unternehmen nun zumindest weniger Hürden im Weg, um ihre Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Ob aber die neu geltende Toleranzschwelle tatsächlich zu mehr Telearbeitern führen wird, muss sich noch zeigen.


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Während maximal 29 Arbeitstagen im Jahr dürfen nun die mehr als 100.000 französischen Pendler von ihrem Wohnsitz aus arbeiten, ohne dadurch in Frankreich steuerpflichtig zu sein. Das reicht zwar nicht für einen Telearbeit-Tag pro Arbeitswoche, doch Medienberichten zufolge haben sich bereits im vergangenen Jahr Verantwortliche der französischen Grenzregion für eine Erhöhung der Toleranzschwelle von 29 auf 46 Tage ausgesprochen.


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