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Tarifstreit mobilisiert Tausende

Tarifstreit mobilisiert Tausende

Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 93 3 Min. 05.07.2018

Tarifstreit mobilisiert Tausende

Mara BILO
Mara BILO
Die Stimmung ist angespannt: Der Tarifkonflikt steckt schon seit 2016 in einer Sackgasse, der Dialog zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberseite ist abgebrochen. Kurz vor dem ersten Termin des Schlichtungsprozesses erhöhen die Gewerkschaften nun den Druck.

Es ist kaum möglich, sich gegenseitig zu verstehen – so laut geht es an diesem Donnerstagabend an der Kreuzung Boulevard de la Pétrusse/Rue Schiller in Luxemburg-Stadt zu. Rote Flaggen, rote Mützen, rote Jacken – die Arbeitnehmerorganisation OGBL hat alle Mitarbeiter des Bausektors zu einer Demonstration aufgerufen. Die Zahl der Demonstranten steigt jede Minute; viele sind dank der Shuttlebusse gekommen, die der OGBL eigens für diese Versammlung organisiert hat.

Bis zu 3 000 Arbeitnehmer des Baugewerbes sind insgesamt bei der Protestaktion des OGBL erwartet, so René Lindenlaub, Regionaldirektor der Polizei in Luxemburg-Stadt, dem das „Luxemburger Wort“ am Rande der Demonstration begegnet ist. Zum gleichen Zeitpunkt sind auch mehr als 500 Beschäftigte des Bausektors in Esch/Alzette bei der Demonstration des LCGB anwesend.



27.7. Chantier / Bauferien / Conge Collectif / Chantier Roud Breck Foto:Guy Jallay
Gewerkschaften machen Druck
Im stockenden Tarifkonflikt des Bausektors rufen die Arbeitnehmerorganisationen OGBL und LCGB die Mitarbeiter zu Demonstrationen auf.

Der Grund für die einberufenen Protestaktionen in Luxemburg-Stadt und in Esch/Alzette ist der stockende Tarifkonflikt im Bausektor, der schon seit 2016 anhält. Die Forderungen wurden bereits mehrmals klar formuliert: Die Gewerkschaften wollen für die Arbeitnehmer insgesamt 4,5 Prozent mehr Geld – also für die Jahre 2016 bis 2019 jeweils 1,5 Prozent pro Jahr. Und: Eine einmalige Prämie pro Jahr für alle Beschäftigen – diese soll rückläufig für 2016, 2017 und 2018 wirksam sein.

Die Arbeitgeberseite beharrt ihrerseits auf ihr Angebot: eine lineare Erhöhung der Tarife über drei Jahre um insgesamt 2,1 Prozent – also 0,7 Prozent pro Jahr. Diese angebotene Gehaltserhöhung bezieht sich auf die bereits im Kollektivvertrag vorhandene Lohntabelle. Zu beachten ist allerdings, dass 70 Prozent der Beschäftigten im Bausektor nicht dem Kollektivvertrag entsprechend bezahlt werden. So könnten die betroffenen Mitarbeiter von der Gehaltserhöhung nicht profitieren und leer ausgehen.

Schlichtung fängt an


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Der Dialog zwischen den Gewerkschaften und den Arbeitgebern im Bausektor ist abgerissen. Die vierte Verhandlungsrunde Ende 2017 hat das nicht ändern können. Hauptforderung ist nach wie vor eine „reelle“ Erhöhung der Gehälter.

Die Schlichtungsprozedur wurde nun von den Gewerkschaften beantragt; der erste Termin findet am kommenden Mittwoch, den 11. Juli, statt. Dass die Gewerkschaften den Schritt zur Schlichtung machen, war für die Arbeitgeberseite eine „große Überraschung“, wie es Pol Faber, Generalsekretär des Groupement des Entrepreneurs, im Gespräch am Mittwoch mit dem „Luxemburger Wort“ ausdrückte. Jean-Luc De Matteis, Gewerkschaftssekretär des OGBL versteht das nicht: „Schon während den Verhandlungen hat die Arbeitgeberseite öfters auf den Schlichtungsprozess hingewiesen.“


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Ban de Gasperich - Chantier - Photo : Pierre Matgé
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