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Tante-Emma-Läden, Tankstellen: Kleinsupermärkte reagieren auf Krise
Wirtschaft 1 4 Min. 24.03.2020

Tante-Emma-Läden, Tankstellen: Kleinsupermärkte reagieren auf Krise

Falscher Eindruck: Auch wenn an den Zapfsäulen gähnende Leere herrscht, sind die Märkte der Tankstellen gut besucht.

Tante-Emma-Läden, Tankstellen: Kleinsupermärkte reagieren auf Krise

Falscher Eindruck: Auch wenn an den Zapfsäulen gähnende Leere herrscht, sind die Märkte der Tankstellen gut besucht.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 1 4 Min. 24.03.2020

Tante-Emma-Läden, Tankstellen: Kleinsupermärkte reagieren auf Krise

Mara BILO
Mara BILO
Ob in der „Réidener Spënnchen“ in Redingen, in der „Epicerie am Duerf“ in Schrondweiler oder in der „Epicerie Duarte“ in Junglinster – kleine Einkaufsläden sind gefragt. Angesichts der Corona-Krise haben viele Händler mit bestimmten Maßnahmen reagiert. Auch die Lebensmittelangebote an vielen Tankstellen finden Anklang.

„Viele Kunden sind heute froh, dass es noch Tante-Emma-Läden gibt!“ Charlotte Welfring, Besitzerin des Lebensmittelgeschäfts „Réidener Spënnchen“ an der Grand-Rue in Redingen, ist in diesen Zeiten müde. Sie arbeitet rund um die Uhr, um der Nachfrage der Kunden nachzukommen. „Die Menschen wollen nicht mehr in großen Supermärkten einkaufen“, stellt auch Nathalie Meiers fest, die Inhaberin der „Epicerie am Duerf“ an der Rue Principale in Schrondweiler: „Angesichts der aktuellen Situation bevorzugen viele es, in kleinen Läden ihre Einkäufe zu machen.“

Der offensichtliche Grund: In herkömmlichen Großsupermärkten ist die Gefahr größer, sich mit dem Corona-Virus anzustecken. So sehen es jedenfalls viele Menschen: Die Tante-Emma-Läden hierzulande melden eine größere Zahl von Kunden. „Wir hatten noch nie eine so hohe Nachfrage“, erklärt Victor Duarte von der „Epicerie Duarte“ an der Route de Luxembourg in Junglinster – bekannt ist er für seine Kunden unter dem Namen „Vic“.

Ganz besonders zeigt das die Zahl der Bestellungen; die „Epicerie Duarte“ liefert immer mehr Einkäufe nach Hause – und zwar „bis nach Echternach“, wie Besitzer Victor Duarte betont. Die Hamsterkäufe haben sich in den vergangenen Tagen beruhigt; „Lieferengpässe sind nicht zu befürchten“, so der Ladenbesitzer. Dennoch bleibt die Nachfrage nach haltbaren Lebensmitteln groß. „Es kann etwas Zeit dauern, bis die Regale wieder gefüllt sind“, weiß Charlotte Welfring in Redingen zu berichten.

Neue Sicherheitsmaßnahmen

Viele der Läden haben angesichts der aktuellen Situation mit einer Serie von Maßnahmen längst reagiert, um Kunden und Personal zu schützen. In der „Réidener Spënnchen“ tragen Mitarbeiter Masken und Schutzkleidung. „Wir haben die Theke verbreitert, um einen größeren Abstand zu halten“, erklärt Charlotte Welfring. In der „Epicerie am Duerf“ werden die Kunden nur einzeln eingelassen und sind gebeten, zuvor das bereitgestellte Desinfektionsmittel für die Hände zu nutzen. „Wir begleiten die Kunden in ihren Einkäufen“, sagt Nathalie Meiers – so dürfen nur die Mitarbeiter des Ladens Obst und Gemüse anfassen.


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Obendrein wurden vielerorts die Öffnungszeiten den Bedingungen angepasst. Beispiel „Epicerie am Duerf“: Der Laden ist derzeit zwischen 10 Uhr und 16 Uhr geöffnet, zwischen 10 und 11 Uhr haben nur ältere Kunden Vortritt. „Wir sind der stark angestiegenen Zahl von Bestellungen, die ausgeliefert werden müssen, nicht mehr Herr geworden“, erklärt Nathalie Meiers. Von 8 Uhr bis 10 Uhr bearbeitet nun das fünfköpfige Team in Schrondweiler die Bestellungen vor, nachmittags werden die Kunden beliefert. Ähnlich ist es auch bei der „Réidener Spënnchen“ – der Laden ist während der Mittagszeit nun geschlossen. „Wir sind weniger Mitarbeiter als sonst“, begründet Charlotte Welfring die Entscheidung, deren Auszubildende nicht mehr arbeiten dürfen: „Das ist nicht zu verstehen, gerade jetzt sind wir auf jede Hand angewiesen.“ Um der steigenden Zahl von Bestellungen nachzukommen, hat sie einen neuen Mitarbeiter eingestellt.

Und trotz aller Anstrengung der Ladenmitarbeiter – wichtig ist es allen, für gute Laune der Kundschaft zu sorgen. „In diesen schwierigen Zeiten wollen wir den Leuten das Leben so einfach wie möglich machen“, betont Victor Duarte. Sein Team hat am Sonntag dafür gesorgt, dass auch alleinstehende Menschen beim traditionellen „Bretzelsonndeg“ nicht vergessen worden sind. Und: „Wer unseren Laden betritt, muss mindestens einmal lachen“, erklärt Nathalie Meiers „Epicerie am Duerf“ lächelnd – „darauf legen wir Wert.“

Schwere finanzielle Einbuße

Neben Tante-Emma-Läden werden durch die Corona-Krise auch Tankstellen durch die kleinen Supermärkte direkt neben den Zapfsäulen profitieren. Mittlerweile macht das Supermarktgeschäft gar die Hälfte des Umsatzes einer Tankstelle aus, schätzt der Präsident des Verbandes der Luxemburger Mineralgesellschaften, das „Groupement Pétrolier Luxembourgeois“ (GPL), Romain Hoffmann.


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Die Bedeutung dieser Shops dürfte noch weiter zunehmen – geschlossene Grenzen, immer mehr Telearbeit und die Aufforderung an alle im Land, möglichst zu Hause zu bleiben, führen zu schweren Einbußen im Treibstoffgeschäft, wie Romain Hoffmann sagt. „Finanzielle Probleme sind programmiert, das steht fest.“ Nach Angaben des GPL gibt es in Luxemburg 236 Tankstellen, der Wirtschaftssektor beschäftigt fast 3.000 Mitarbeiter und gehört zu den wichtigsten Branchen des Landes; etwa zwei Milliarden Euro fließen jährlich in die Staatskasse.

In der vergangenen Woche hatten Tankstellen noch viel zu tun: „Nachdem angekündigt wurde, dass die Grenzen schließen, wollten viele Menschen noch schnell tanken und Alkohol- und Tabakwaren kaufen“, erklärt der Verbandschef. Im Normalfall machen in Luxemburg wohnende Autofahrer nur etwa 20 Prozent des Geschäftes einer Tankstelle hierzulande aus, schätzt Romain Hoffmann. Tanktourismus schlägt mit weniger als zehn Prozent zu Buche, der größte Teil des an Luxemburger Zapfsäulen verkauften Treibstoffes läuft in die Tanks von Lkw, die international unterwegs sind, oder in die Tanks von Grenzgängerautos.

„Seit diesem Wochenende ist es viel ruhiger – seit Freitagabend sind ja auch die Baustellen geschlossen. Besonders die Tankstellen an den Grenzen und entlang der Autobahnen leiden unter den Folgen der Corona-Krise.“ So sollen einige ihre Öffnungszeiten schon dementsprechend eingeschränkt haben.


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Dass durch die Corona-Krise die Rohölnotierungen eingebrochen sind, hat auf die Einnahmen der Tankstellen hierzulande wenig Auswirkungen: „In Luxemburg ist der Markt reguliert, für Tankstellen wird eine begrenzte Marge festgelegt“, erklärt der GPL-Chef. Dennoch stehen den in Luxemburg angesiedelten Tochtergesellschaften großer Ölkonzerne schwierige Zeiten bevor: „Überall sinkt die Nachfrage nach Öl und den daraus entstehenden Folgeprodukten derzeit drastisch.“

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