Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Tankstellenbetreiber in großer Sorge
Wirtschaft 2 Min. 06.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Tankstellenbetreiber in großer Sorge

84 Prozent des an den Luxemburger Tankstellen verkauften Treibstoffs ist Diesel, der vor allem von Lastwagen getankt wird.

Tankstellenbetreiber in großer Sorge

84 Prozent des an den Luxemburger Tankstellen verkauften Treibstoffs ist Diesel, der vor allem von Lastwagen getankt wird.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 06.02.2020 Aus unserem online-Archiv

Tankstellenbetreiber in großer Sorge

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
Die Akzisenerhöhung geht dem "Groupement Pétrolier" zu schnell. Die Regierung mache keine intelligente Klimapolitik mehr, sondern handele ideologisch.

Luxemburg ist ein Land der Tankstellen. Weil die Spritpreise seit langen Jahren niedriger als in den Nachbarländern sind, füllen die gesamte Grenzregion und viele Lastwagen zwischen den Niederlanden und dem Mittelmeer ihre Tanks an luxemburgischen Zapfsäulen auf. Dem Staat bringt der Verkauf von Treibstoff, Tabakwaren und Alkohol an den 236 Tankstellen im Land etwa zwei Milliarden Euro an Steuern im Jahr ein.

Dieses für alle Beteiligten lukrative Geschäft hat aber einen Haken. Die CO2-Emissionen werden dort berechnet, wo der Treibstoff verkauft wird. Das führt dazu, dass die CO2-Bilanz Luxemburgs im europäischen Vergleich sehr hoch ist, obwohl nur ein Viertel der verkauften Produkte tatsächlich im Land selbst verbraucht wird.

Machen sich Sorgen um die Zukunft ihres Sektors, v.l.n.r.: Vizepräsident Paul Kaiser, Präsident Romain Hoffmann, und Generalsekretät Jean-Marc Zahlen vom "Groupement Pétrolier Luxembourgeois".
Machen sich Sorgen um die Zukunft ihres Sektors, v.l.n.r.: Vizepräsident Paul Kaiser, Präsident Romain Hoffmann, und Generalsekretät Jean-Marc Zahlen vom "Groupement Pétrolier Luxembourgeois".
Foto: Guy Wolff

Um die europäischen und die nationalen Klimaziele einzuhalten, versucht die Regierung, den sogenannten "Tanktourismus" zu verringern.

Sie tut es vor allem, indem sie an der Steuerschraube dreht. Etwa die Hälfte des Spritpreises setzt sich aus Steuern zusammen, wobei die indirekten Steuern - die Akzisen - den flexiblen Teil bilden, der je nach der steuerpolitischen Ausrichtung variieren kann.


China Finance Forum. Luxembourg, Luxembourg - 08. 10. 2019 photo: Matic Zorman / Luxemburger Wort
Akzisenerhöhung 2020: Diesel bis zu fünf Cent teurer, Benzin bis zu drei Cent
Zwischen Februar und April soll eine neue Verbrauchssteuer von bis zu fünf Cent auf Diesel und bis zu drei Cent auf Benzin in Kraft treten, wie Finanzminister Pierre Gramegna am Montag ankündigte.

Dem "Groupement Pétrolier Luxembourgeois", dem unter dem Dach der Fedil zusammengeschlossenen Verband der Mineralölhändler, stößt die Akzisenerhöhung auf Diesel im Mai vergangenen Jahres und die weiteren angekündigten Erhöhungen bitter auf. "Diese Erhöhung ist viel zu hoch und kommt zu schnell", moniert Romain Hoffmann, der Präsident des "Groupement Pétrolier". Vor allem diene sie nicht dem Klimaschutz. 

Kein Tropfen Diesel werde weniger verbraucht, nur dass die Lastwagen jetzt in Belgien tanken statt in Luxemburg. Am Verkehrsaufkommen auf den Luxemburger Straßen ändere dies nichts, da die Laster noch immer die bequeme Nord-Süd-Achse quer durch Europa wählen. Nur den Halt an einer der acht Autobahnraststätten lassen sie aus. 

Tankmeile in Wasserbillig: An den 236 Tankstellen arbeiten 220 Beschäftigte. Insgesamt zählt der Treibstoffsektor in Luxemburg 2600 Mitarbeiter.
Tankmeile in Wasserbillig: An den 236 Tankstellen arbeiten 220 Beschäftigte. Insgesamt zählt der Treibstoffsektor in Luxemburg 2600 Mitarbeiter.
Foto: Guy Jallay

Für die Tankstellenbetreiber könnten die noch anstehenden Erhöhungen durch die angekündigte CO2-Steuer einen empfindlichen Gewinnausfall bedeuten, besonders angesichts der Tatsache, dass der Umsatz an einer Tankstelle etwa zur Hälfte aus dem Verkauf von Treibstoff besteht, zur anderen Hälfte aus dem Verkauf aus den angegliederten "Shops".


CO2 wird nun auch in Luxemburg in den Bereichen Verkehr und Gebäude einen Preis bekommen.
Kleine Schritte
Luxemburg hat den Umbau hin zur klimaneutralen Wirtschaft eingeleitet.

Der Regierung rät das "Groupement Pétroliers", einen Teil der Steuereinnahmen für Emissionszertifikate auszugeben, und somit Klimaschutzprojekte in anderen Ländern zu unterstützen. Der in der EU mögliche flexible Mechanismus solle ganz ausgeschöpft werden. 

Bei Zertifikaten handele es sich um reale Verringerungen der Emissionen, bei der Akzisenerhöhung jedoch nur um eine Verlagerung des Problems.

Ob die Botschaft gehört wird, daran zweifelt der "Groupement Pétrolier". "Die Intelligenz schwindet, die Ideologie kommt", befindet ihr Vize-Präsident Paul Kaiser.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Klimaschutz ja, aber ...
@Kontroverse: der aktuelle Konflikt zwischen ökologischer Verantwortung und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit.
Wenn es in Belgien billiger ist
Die Groupement Pétrolier Luxembourgeois (GPL) berichtet von steigender Nachfrage nach Diesel und Benzin im letzten Jahr. Doch bald könnte sich einiges ändern: Ab Mai wird es in Belgien für Unternehmen billiger sein, in Belgien Diesel zu tanken.
Tanktourismus,Tanken,Tankstelle,Aire de Berchem. Foto:Gerry Huberty
Abgase sollen einen Preis bekommen
Verkehr, Heizen, Industrie – Kohlendioxid verursacht Umweltschäden. Nun werden Überlegungen zu einer CO2-Steuer in vielen Ländern konkreter – in Luxemburg will man keinen Alleingang.
Zum Themendienst-Bericht von Andreas Heimann vom 13. April: Hübsches Bild, hässliche Folgen für die Umwelt: Beim Fliegen wird viel CO2 ausgestoßen. Umweltschützer fordern deshalb, zum Ausgleich etwas für Klimaschutzprojekte zu spenden. (Archivbild vom 28.04.2008/Die Veröffentlichung ist für dpa-Themendienst-Bezieher honorarfrei.)  Foto: Patrick Pleul