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Tabakindustrie: Landewyck verlagert Produktion nach Diekirch
Wirtschaft 4 Min. 05.10.2015

Tabakindustrie: Landewyck verlagert Produktion nach Diekirch

In Luxemburg-Hollerich ist HVL bereits seit 1897 vertreten.

Tabakindustrie: Landewyck verlagert Produktion nach Diekirch

In Luxemburg-Hollerich ist HVL bereits seit 1897 vertreten.
Foto: Marc Wilwert
Wirtschaft 4 Min. 05.10.2015

Tabakindustrie: Landewyck verlagert Produktion nach Diekirch

Der Zigarettenhersteller Heintz van Landewyck zieht mit seiner Produktion in eine neue Industriezone im Bereich Fridhaff. In einem Zeitraum von fünf Jahren soll die Anlage vollständig betriebsbereit sein.

(aa) -  Der Tabakproduzent Heintz van Landewyck (HVL) formiert seine Produktion innerhalb des Großherzogtums neu. Ein neuer, zwölf Fußballfelder großer Produktionsstandort wird im Norden von Diekirch entstehen und zwar in der neuen Industriezone "Zano" im Bereich Fridhaff. Das ist nur wenige Kilometer von der heutigen Zigarettenfabrik in Ettelbrück entfernt. Im kommenden Jahr sollen die Bauarbeiten beginnen. Das Unternehmen rechnet für 2020 mit der Fertigstellung, hieß es bei einer Pressekonferenz am Montag.

Investitionsvolumen von 60 Millionen Euro

Der Umzug von Hollerich und Ettelbrück nach Diekirch soll innerhalb der nächsten fünf Jahre in zwei Etappen erfolgen, das heißt voraussichtlich in den Jahren 2018 (Produktion und Packen) und 2020 (Tabakaufbereitung). Die Höhe der Investitionen liege bei 60 Millionen Euro. Das Produktionsvolumen bleibe am neuen Standort so hoch wie jenes von Hollerich und Ettelbrück zusammengenommen.

Die neue Landewyck-Produktionsstätte wird im Gewerbegebiet "Zano" oberhalb von Erpeldingen und Diekirch errichtet.
Die neue Landewyck-Produktionsstätte wird im Gewerbegebiet "Zano" oberhalb von Erpeldingen und Diekirch errichtet.
Karte: HVL

"Wir sind ein Familienunternehmen und seit jeher stark mit Luxemburg verwurzelt. Da das Großherzogtum zu unserem Firmenfundament gehört, liegt es auf der Hand, diese Investition zur Sicherung unserer Zukunft hier im Land zu machen", sagte Marketingchef Georges Krombach.

Grundstücke stehen nicht zum Verkauf

Mit seiner Entscheidung, die Produktion nach Diekirch zu verlagern, bekräftigt der Zigarettenhersteller seine Bindung an den Standort im Großherzogtum, obschon der Markt in Europa rückläufig ist. Als die luxemburgische Tabakindustrie vor wenigen Monaten ihr 200. Jubiläum beging, bekannte sich bereits Christian Greiveldinger als CEO und Verwaltungsratspräsident von Heintz van Landewyck im Interview mit dem "Luxemburger Wort" klar zum Großherzogtum.

Das Vorhaben bedeutet für den Tabakhersteller eine Vereinfachung des Produktionsablaufes und eine bessere Anpassung an die schwierige Marktlage.
Das Vorhaben bedeutet für den Tabakhersteller eine Vereinfachung des Produktionsablaufes und eine bessere Anpassung an die schwierige Marktlage.
Grafik: HVL

Die Produktionsstandorte in Luxemburg-Hollerich und in Ettelbrück werden nach und nach als solche aufgegeben. Was genau mit diesen Grundstücken letztlich passieren wird, steht offenbar noch in den Sternen. Bei van Landewyck betonte man am Montag zumindest, man werde nicht unter die Grundstücksspekulanten gehen, um damit den Neubau in Diekirch zu finanzieren. Insbesondere Hollerich stehe nicht zum Verkauf. Das brauche man auch nicht. Diekirch sei ein industrielles Projekt, das durch den industriellen Bereich finanziert werde - unabhängig davon, was mit dem Standort Hollerich geschehe.

"Positiver Druck" auf Standort Hollerich

Gleichzeitig spricht man von einem gewissen "positiven Druck" auf dem Standort Hollerich. Zu einem durch die Anwohner, da die Hollericher Fabrik in einem Wohn- und Geschäftsviertel liegt und auch durch die städtebaulichen Projekte  "Porte de Hollerich" und "Acièrie-Industrie", da sich die HVL-Grundstücke beide im festgelegten Perimeter der beiden Vorhaben befänden. "Es wäre jetzt wohl nicht ganz clever in Hollerich viel Geld in die Hand zu nehmen, um alte Gebäude zu modernisieren und dann vielleicht nur noch zehn bis 15 Jahre hierbleiben zu dürfen", so Christian Greiveldinger am Montag. "Hier wird einmal ein Immobilienprojekt umgesetzt werden, was genau, kann ich heute nicht sagen. Dafür bräuchte ich eine Kristallkugel", so Georges Krombach. Für Ettelbrück gibt es laut HVL derzeit keine Projekte für eine Anschlussverwendung.

Preiskrieg auf dem Tabakmarkt

"Wir müssen unsere Produktivität weiter ankurbeln, um unsere Marktanteile zu behalten oder gar zu erweitern", so CEO Christian Greiveldinger.
"Wir müssen unsere Produktivität weiter ankurbeln, um unsere Marktanteile zu behalten oder gar zu erweitern", so CEO Christian Greiveldinger.
Foto: Gerry Huberty

"Auf dem Tabakmarkt tobt ein Preiskrieg" stellte Generaldirektor Christian Greiveldinger am Montag klar. "Wir müssen unsere Produktivität weiter ankurbeln, um unsere Marktanteile zu behalten oder gar zu erweitern, und wie bisher unser Wachstum durch die Erschließung zusätzlicher Exportmärkte zu sichern. Daneben verschärft sich der Gesetzesrahmen zusehends: Die letzte europäische Tabakrichtlinie zwingt uns dazu, beträchtliche Summen in unsere Anlagen zu investieren. Als kleiner Marktakteur sind diese Kosten im Vergleich mit großen Tabakkonzernen für uns proportional sehr schwer zu tragen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben müssen wir unsere Einrichtungen modernisieren. Die innerstädtische Lage unserer Industriestandorte in Ettelbrück und Luxemburg-Hollerich macht die notwendigen Entwicklungen jedoch unmöglich."

Gruppe beschäftigt rund 2000 Mitarbeiter

Auch wenn die Produktionskapazität der künftigen Tabakfabrik in Diekirch jener von Hollerich plus Ettelbrück entspricht, werde in diesem Bereich nicht mehr so viel Personal benötigt wie bisher, teilte das Unternehmen mit. Es werde allerdings niemand entlassen. Mitarbeiter bekämen gegebenenfalls eine neue Aufgabe zugeteilt. Sowohl die Gestaltung der neuen Fabrik als auch der Umzug der Produktionsstellen von Ettelbrück und Luxemburg nach Fridhaff werden laut van Landewyck in Zusammenarbeit mit dem Personal erfolgen, das aktiv in das Projekt eingebunden sei.

In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der HVL-Mitarbeiter deutlich gestiegen und zwar im Ausland wie auch im Großherzogtum. Insgesamt waren es zuletzt knapp 2000 Beschäftigte, davon rund 800 in Luxemburg. Die einzigen luxemburgischen Produktionsstandorte befinden sich aktuell in Hollerich und in Ettelbrück. In Hollerich ist HVL bereits seit 1897 vertreten. Die Fabrik in Ettelbrück wurde 1963 gebaut. Im Ausland werden u. a. Rolltabak (Deutschland) und Filterhülsen (Ungarn) produziert.

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Arbeiter in der Hollericher Manufaktur von Heintz van Landewyck (um 1920).
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