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Studie zur Sicherheitskultur in der Luftfahrt: Luxemburger Piloten bemängeln Übermüdung
Wirtschaft 13.03.2017 Aus unserem online-Archiv

Studie zur Sicherheitskultur in der Luftfahrt: Luxemburger Piloten bemängeln Übermüdung

Für die Studie wurden der ALPL zufolge insgesamt über 7000 europäische Piloten anonym befragt.

Studie zur Sicherheitskultur in der Luftfahrt: Luxemburger Piloten bemängeln Übermüdung

Für die Studie wurden der ALPL zufolge insgesamt über 7000 europäische Piloten anonym befragt.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 13.03.2017 Aus unserem online-Archiv

Studie zur Sicherheitskultur in der Luftfahrt: Luxemburger Piloten bemängeln Übermüdung

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Piloten von Fracht- und Billigairlines beurteilen ihre Unternehmen in puncto Sicherheitskultur schlechter als andere Kollegen. Das teilte die Pilotenvereinigung ALPL mit und verwies auf eine europäische Studie mit hoher luxemburgischer Beteiligung.

(aa) - Piloten von Fracht- und Billigfluggesellschaften und solche mit atypischen Arbeitsverträgen beurteilen ihre Unternehmen in Bezug auf die dort herrschende Sicherheitskultur wesentlich schlechter als andere Kollegen. Das teilte die luxemburgische Pilotenvereinigung ALPL am Montag mit und verwies auf eine europäische Studie, die von der London School of Economics and Politics (LSE) und Eurocontrol im Rahmen des Future Sky Safety Programs der EU-Kommission durchgeführt worden sei.

Für die Studie wurden der ALPL zufolge insgesamt über 7000 europäische Piloten anonym befragt. Gut drei Prozent oder 222 Piloten davon seien bei luxemburgischen Fluggesellschaften beschäftigt, was über 33 Prozent aller hiesigen Piloten entspreche. Und 75 Prozent aller in Luxemburg beschäftigten Piloten seien im Bereich Luftfracht tätig.

Besorgniserregende Antworten aus Luxemburg

Signifikant für Luxemburg sei, dass hier stationierte Piloten im europäischen Vergleich folgende fünf von elf Teilbereichen am schlechtesten bewertet haben: Engagement des Managements der Fluggesellschaft in Sicherheitsbelangen, Just Culture und Meldewesen, Ausrüstung sowie Personalsituation und Übermüdung, so die ALPL. Thomas Reader von der LSE präzisierte, dass die luxemburgischen Piloten sich keineswegs durchweg negativ, sondern teilweise auch positiv geäußert hätten, dass aber die negative Bewertung der genannten Teilbereiche ins Auge falle.

Auch wenn die europäische Luftfahrt insgesamt durchaus eine gute Sicherheitskultur aufweise und nicht alles negativ sei, so zeige die Studie doch die genannten beunruhigenden Abweichungen, so die ALPL. „Sehr besorgniserregend ist die Zahl der Piloten, insbesondere die bei Luxemburger Gesellschaften beschäftigten, die angegeben haben, übermüdet zu fliegen. Das spiegelt wider, was wir tagtäglich von unseren Mitgliedern hören“, so Generalsekretär Dirk Becker.

ALPL mahnt betroffene Akteure zum Handeln

„Der wirtschaftliche Druck, unter dem die Fluggesellschaften in Europa aber auch hier in Luxemburg stehen, wird direkt an die Piloten weitergegeben. Dies kann letztendlich die Sicherheit negativ beeinträchtigen“, so Becker. „Die Studie zeigt deutlich, wo die Probleme liegen: Übermüdung der Besatzung, atypische und bisweilen fragwürdige Beschäftigungsmodelle und unzureichendes Vertrauen in das Management.“

Es sei nun erforderlich, so ALPL-Präsident Darrell Myers, dass alle Beteiligten, Luftfahrtbehörden, Fluggesellschaften und Pilotenvertreter, gemeinsam und systematisch die Sicherheitskultur in den einzelnen Flugbetrieben untersuchen, um zu verstehen, wie es dort darum bestellt sei und um Schwachstellen zu beheben und die Sicherheit zu verbessern.


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