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Strom und Gas: Die teure Trägheit der Verbraucher
Wirtschaft 3 Min. 03.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Strom und Gas: Die teure Trägheit der Verbraucher

Seit 2007 ist in Luxemburg der Strom- und Gasmarkt liberalisiert.

Strom und Gas: Die teure Trägheit der Verbraucher

Seit 2007 ist in Luxemburg der Strom- und Gasmarkt liberalisiert.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 3 Min. 03.03.2020 Aus unserem online-Archiv

Strom und Gas: Die teure Trägheit der Verbraucher

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Strom- und Gaskunden wechseln in Luxemburg zu selten ihre Anbieter.

Wissen Sie, wie viel Strom Sie im letzten Jahr verbraucht haben und was Sie das gekostet hat? Nicht? Dann sind Sie bei Weitem nicht allein. 

Laut einer TNS-Ilres-Umfrage überprüft ein Drittel der luxemburgischen Verbraucher seine Strom- oder Gasrechnung nicht vor der Zahlung. 27 Prozent finden die Rechnung unübersichtlich und unverständlich. 47 Prozent verstehen sogar nicht, wie Elektrizität überhaupt erzeugt wird. 

Haushalte spielen nicht mit

Die Ergebnisse der Umfrage, die im September und Oktober 2019 bei 1 212 Haushalten durchgeführt wurde, deuten darauf hin, dass Verbraucher ihrer Stromrechnung kaum Beachtung schenken. Und: Die Liberalisierung auf den Strom- und Gasmärkten bringt nicht immer den erhofften Wettbewerb. Der Grund: Die Haushalte spielen nicht mit. 

„Nur jeder sechste Haushalt gibt an, bei der Strom- und Erdgasversorgung die verschiedenen Tarife zu vergleichen“, sagt Luc Tapella, Direktor des „Institut luxembourgeois de régulation“ (ILR). Sieben Prozent der Befragten verlassen sich dabei auf eigene Schätzungen oder fragen ab und zu mal ihren Lieferanten; nur vier Prozent nutzen den Vergleichsportal www.calculix.lu.

Mit dieser Internetplattform des ILR ist es möglich, online die verschiedenen Stromanbieter auf dem Luxemburger Markt miteinander zu vergleichen. Damit soll es für Kunden leichter sein, den für sie günstigsten Anbieter zu finden. Darüber hinaus kann der Nutzer neben dem reinen Preisvergleich aber auch mehr über die Herkunft seines Stroms erfahren, das heißt sich über den angebotenen Energiemix seines Anbieters informieren und herausfinden, ob er Strom aus erneuerbaren oder fossilen, bzw. atomaren Energiequellen bezieht. Mit dem Onlinevergleich will die Regulierungsbehörde die Markttransparenz erhöhen und den Konsumenten eine größere und unabhängige Auswahlmöglichkeit bieten. 

Einfach und kostenlos

Das ILR weist darauf hin, dass die Verbraucher seit der Liberalisierung des Energiemarktes in Luxemburg im Jahr 2007 den Energieversorger wechseln können. „Der Wechsel ist einfach, kostenlos und schnell. Er führt nicht zu einer Unterbrechung der Versorgung und hat keine Auswirkungen auf die Qualität des gelieferten Stroms“, erklärt Luc Tapella. 


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So empfiehlt er den Verbrauchern, die auf dem Markt verfügbaren Angebote mithilfe von Calculix zu vergleichen und so Tarife auszusuchen, die ihren tatsächlichen Bedürfnissen entsprechen. Natürlich müssen die Verbraucher auch bereit sein, ihre Gewohnheiten zu ändern. Laut Umfrage zeigen sich 84 Prozent der Befragten in der Tat bereit, ihr Konsumverhalten zu ändern, um Kosten zu sparen. 74 Prozent sind bereit, einen Teil ihres Stromverbrauchs in die Nacht zu verlegen, wenn dafür reduzierte Tarife angeboten werden.

 ILR befürwortet dynamische Preisangebote 

„Eine Reduzierung des Verbrauchs ist sowohl aus wirtschaftlicher als auch aus ökologischer Sicht vorteilhaft. Dazu kommt, dass der Verbrauch und die effiziente Nutzung zum richtigen Zeitpunkt dem Konsumenten viele Vorteile bringen“, sagt Claude Hornick, Leiter des „Service Energie“ vom ILR. Der Vorteil von Nachtstrom liegt primär im vergleichsweise günstigeren Strompreis. Da die Nachfrage nach Energie am Tag deutlich höher ausfällt, bieten viele Energieanbieter die günstigeren Nachtstromtarife an, um die Verbraucher auch nachts zum Stromverbrauch zu bewegen und so die Auslastung im Energienetz möglichst konstant zu halten. 

„Die aktuellen statischen Preisangebote regen die Menschen jedoch nicht dazu an, ihre Verbrauchgewohnheiten zu ändern“, bedauert Hornick. Das ILR fordert daher die Anbieter auf, Verträge mit dynamischer Preisgestaltung anzubieten, das heißt „Verträge, in denen die Tarife regelmäßig mit denen des Großhandelsmarktes variieren“. 


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„Solche Verträge fehlen derzeit auf dem luxemburgischen Markt“, sagt Claude Hornick. Und fügt hinzu: „Wenn Sonnen- und Windenergie im Überfluss vorhanden ist, fällt der Preis auf dem Großhandelsmarkt.“ Dies ermöglicht demnach ökologische und wirtschaftliche Aspekte besser miteinander zu verbinden. 


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