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"Stock options": Kosmetische Reform
Wirtschaft 2 Min. 30.11.2017 Aus unserem online-Archiv

"Stock options": Kosmetische Reform

Finanzminister Gramegna will im Frühjahr eine tiefergehende Reform prüfen.

"Stock options": Kosmetische Reform

Finanzminister Gramegna will im Frühjahr eine tiefergehende Reform prüfen.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 2 Min. 30.11.2017 Aus unserem online-Archiv

"Stock options": Kosmetische Reform

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Die Besteuerung von Aktienpaketen sei „weder gerecht noch kohärent“, sagte Finanzminister Gramegna. Doch ein neues Rundschreiben der Steuerverwaltung ändert kaum etwas daran.

Von Laurent Schmit

Alle Parteien waren sich vor zwei Wochen einig, dass der Steuervorteil der „stock options“ aus dem Ruder gelaufen ist. Finanzminister Pierre Gramegna will mit einem Rundschreiben der Steuerverwaltung gegensteuern. Doch das am Mittwoch veröffentlichte Dokument schränkt den Steuervorteil gegenüber den aktuellen Regeln kaum ein. 

Die einzige Änderung: Der besteuerbare Vorteil der „stock options“ wird ab dem 1. Januar mit 30 Prozent des Aktienwertes bewertet, statt 17,5 Prozent, wie es das vorige Rundschreiben von 2012 vorsah. Auf den ersten Blick überrascht das, denn Gramegna hatte angekündigt, dass die Aktienpakete mit dem halben Spitzensteuersatz, also 21 Prozent besteuert werden sollten. Davon sei keine Rede im Rundschreiben, kritisiert der CSV-Abgeordnete Gilles Roth.

Doch, heißt es aus dem Finanzministerium: Der effektive Steuersatz ergebe „im Prinzip“ knapp 21 Prozent. Das werde durch die Kombination der Bewertung von 30 Prozent und die Bedingungen, die die Pakte erfüllen müssen, erreicht. Allerdings ändert sich nichts an der Besteuerung der Kursgewinne. Die Unternehmen gestalten die Pakte jedoch so, dass der Kursgewinn steuerfrei bleibt.

Mit dieser Konstruktion entgeht der Finanzminister aber auch einem Problem, das die CSV aufgeworfen hatte. Es sei verfassungswidrig, einen Steuersatz über ein Rundschreiben und nicht über ein Gesetz festzulegen. 

„Wir bedauern, dass die Reform auf diesem Weg am Parlament vorbeigeschleust wird“, kritisiert Gilles Roth. Der DP-Minister versprach bisher lediglich eine tiefere Analyse von neuen Statistiken, die im Frühjahr vorliegen sollen. 

Abgeschriebene Regeln von 2013

Die Unternehmen scheinen sich aber zu sträuben, die Informationen über ihre Aktienpakete herauszurücken. Das Rundschreiben enthält eine Aufforderung der Steuerverwaltung, die gewährten Vorteile zu melden. Das ist aber seit Anfang 2016 bereits Pflicht. Die „angemessenen Bedingungen“ im neuen Rundschreiben sind Buchstabe für Buchstabe aus einer „note de service“ von 2013 kopiert.

Das zeigt eine Antwort vom damaligen Finanzminister Luc Frieden auf eine parlamentarische Frage von François Bausch aus dem gleichen Jahr. „Die Regeln sind demnach nicht neu“, betont Gilles Roth. Dazu komme, dass das Rundschreiben keinen größeren rechtlichen Wert als die „note de service“ habe.

Bedingung ist etwa, dass nur leitende Angestellte von Aktienpaketen profitieren können, die nicht unter Kollektivverträge fallen und ein deutlich höheres Gehalt haben. Die zweite Bedingung ist, dass der Wert „stock options“ nicht mehr als die Hälfte der Vergütung zusammen mit dem regulären Gehalt beträgt.

„Das heißt aber, dass ein Manager so sein Gehalt fast verdoppeln kann“, erklärt Gilles Roth. So könne er bei einem Gehalt von 200.000 Euro immer noch ein Aktienpaket im Wert von 190.000 Euro erhalten, so Roth weiter. Zusammen macht das 390 000, die Hälfte ergibt 195.000.

Höhe und Dauer nicht begrenzt

Informell hatten sich die Chefs der großen Beratungsunternehmen im Februar 2016 auf ein Mindestgehalt von 350.000 Euro geeinigt, ab dem Unternehmen ein Aktienpaket anbieten sollten, wie das „Lëtzebuerger Land“ herausfand.

Doch nach oben hin sind die „stock options“ weiterhin nicht gedeckelt. Auch in der Dauer gibt es keine Grenze. Das mache keinen Sinn gegenüber dem Argument, dass es den Steuervorteil brauche, um Talente anzuziehen, so Roth. Fünf Jahre müssten da reichen.

Dabei haben die Aktienpakete in den meisten Fällen nichts mit dem Unternehmen zu tun, das sie gewährt. „Damit fällt auch der Verweis auf die Wettbewerbsfähigkeit Luxemburgs weg, wenn es sich um Werte von ausländischen Börsen handelt“, erklärt der CSV-Abgeordnete.


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