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Steuerreform: Weitere Erleichterungen für Unternehmen
Wirtschaft 2 Min. 21.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Steuerreform: Weitere Erleichterungen für Unternehmen

Nach vielfältiger Kritik von Unternehemerseite stellte Finanzminister Gramegna mehrere Anpassungen der Steuerreform vor.

Steuerreform: Weitere Erleichterungen für Unternehmen

Nach vielfältiger Kritik von Unternehemerseite stellte Finanzminister Gramegna mehrere Anpassungen der Steuerreform vor.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 2 Min. 21.04.2016 Aus unserem online-Archiv

Steuerreform: Weitere Erleichterungen für Unternehmen

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Finanzminister Pierre Gramegna stellte am Donnerstag weitere Maßnahmen vor, um Unternehmen steuerlich zu unterstützen. Die Regierung will besonders neue Investitionen sowie kleine und mittlere Unternehmen fördern.

(las) - Auch bei der Unternehmensbesteuerung kündigte Finanzminister Pierre Gramegna am Donnerstag nach dem Austausch mit den Sozialpartnern mehrere Anpassungen der Ende Februar vorgestellten Steuerreform an.

Der Verlustvortrag ("report de pertes") wird ab 2017 begrenzt. Heute können Unternehmen vergangenen Verluste auf die Gewinne folgender Jahre anrechnen lassen - ohne Limit. Die Reform sieht nun vor, dass lediglich 75 Prozent des Profits mit Verlusten verrechnet werden können. Ende Februar hatte Gramegna von 80 Prozent gesprochen. Hinzu kommt eine zeitliche Begrenzung. Nun sollen Verluste, die nicht mehr als 17 Jahre zurückliegen steuerlich geltend gemacht werden können. In diesem Punkt ist die Regierung den Unternehmen entgegengekommen, denn der erste Entwurf sah eine Begrenzung auf 10 Jahre vor.

Investitionen fördern

Die Steuervergünstigung für Investitionen wird quer durch unterschiedlichen Kategorien um ein Prozentpunkt erhöht. Bei Investitionen über 150.000 Euro bleibt die Steuervergünstigung unverändert. Die Regierung will damit die Privatinvestitionen fördern, die sich seit der Krise nicht erholt hätten.

Drei weitere neue Steuererleichterungen sollen später folgen, derzeit seien sie noch nicht spruchreif, erklärte der Minister. In einer Arbeitsgruppe sollen folgenden Maßnahmen besprochen werden:

  • spezifische Steuervorteile zur Förderung von Start-ups und Seedfunds,
  • die Einführung einer steuerbefreiten Reserve, die Unternehmen später reinvestieren ("régime de réserve immunisée"),
  • die Unternehmensnachfolge vereinfachen.

Beim letzten Punkt hatte die Regierung bereits angekündigt, beim direkten Vererben eines Unternehmens die Besteuerung des Mehrwerts auf den Grundstücken und den Gebäuden auszusetzen. Erst bei einem Verkauf würden die Steuern anfallen.

Spätere Anpassung möglich

Die am Donnerstag angekündigten Maßnahmen ergänzen die bereits angekündigte Senkung des Steuersatzes. Die Körperschaftssteuer sinkt in zwei Etappen von heute 21 Prozent auf 19 Prozent 2017 und schließlich 18 Prozent im folgenden Jahr. Der Beitrag zum Beschäftigungsfonds und die Gewerbesteuer bleiben konstant. 2018 zahlt ein Unternehmen auf seinem Gewinn insgesamt nicht mehr 29,22 Prozent, sonder 26,01 Prozent.  Kleine und mittlere Unternehmen mit einem Gewinn unter 25.000 Euro zahlen künftig eine reduzierte  Körperschaftssteuer von 15 Prozent.

Der Finanzminister stellte ein weitere Senkung des Steuersatzes in Aussicht. Mit den Unternehmensvertretern hat er vereinbart, zu verfolgen, wie sich die Maßnahmen der EU und der OECD gegen Steuervermeidung in Luxemburg auswirken. Das Ziel sei, dass die Steuerlast der Unternehmen nicht steige, erklärte der Minister.

Laut den Zahlen, die das Finanzministerium nun vorlegte, sinken die Einkünfte aus der Körperschaftssteuer 2017 um 36 Millionen Euro. Im zweiten Schritt 2018 erwartet das Ministerium Mindereinnahmen von 95 Millionen, während 2019 und 2020 die Steuereinnahmen um 125 Millionen Euro sinken. Das Gesamtvolumen der Steuerreform - mit den Steuererleichterungen für Privatpersonen - liegt zwischen 375 und 524 Millionen Euro.

Gegenfinanziert werden diese Maßnahmen zum Teil mit der Erhöhung der minimalen Vermögenssteuer für die 45.000 Holdinggesellschaften, die von 3.210 auf 4.815 Euro erhöht wird. Dies soll Mehreinnahmen von 35 Millionen 2017 ermöglichen, ab 2018 sollen jährlich 50 Millionen zusätzlich an Vermögenssteuer erh0ben werden. Im Dezember 2015 wurde der Steuersatz von 0,5 auf 0,05 Prozent gesenkt für Unternehmen mit einer Bilanzsumme über 500 Millionen Euro.



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