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Steuerreform: PwC warnt vor sinkender Attraktivität
Wirtschaft 3 Min. 12.09.2016

Steuerreform: PwC warnt vor sinkender Attraktivität

Wim Piot von PwC fordert ein Umdenken der Politik.

Steuerreform: PwC warnt vor sinkender Attraktivität

Wim Piot von PwC fordert ein Umdenken der Politik.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 12.09.2016

Steuerreform: PwC warnt vor sinkender Attraktivität

Laurent SCHMIT
Laurent SCHMIT
Das Beratungsunternehmen PwC kritisiert die Steuerreform der Regierung, die in ihren Augen nicht weit genug geht. Die Experten schlagen Maßnahmen vor, wie Luxemburg wettbewerbsfähig bleiben und gleichzeitig sein Image verbessern könnte.

(las) - Der Kampf gegen die Steuervermeidung internationaler Konzerne wie Apple oder Amazon hat eine unerwartete Folge: Er heizt den Steuerwettbewerb zwischen den Ländern an, weil Steuernischen verschwinden. Mehrere Länder sind dabei ihren Steuersatz für Unternehmen zu senken, darunter Großbritannien und Belgien. Auch in Luxemburg soll der Steuersatz sinken, von heute 29 Prozent auf 26 Prozent ab 2018.

In die Debatte um die Steuerreform 2017 mischt sich nun auch das Beratungsunternehmen PwC ein. Die von der Regierung vorgeschlagene Senkung sei ein erster, aber unzureichender Schritt, sagt Wim Piot, Managing Partner von PwC für den Bereich Steuern. "Wenn Luxemburg einen doppelt so hohen Steuersatz als die Hauptkonkurrenten Großbritannien, Irland und die Schweiz hat, dann haben wir ein Problem", warnt er.

Eine deutliche Steuersenkung sei nötig

Bereits in den letzten sechs Monaten hätten sich mehr Konzerne entschlossen, Luxemburg zu verlassen, als neue hinzugekommen seien. "Es ist Zeit zu reagieren", betont Piot. PwC schlägt deshalb einen Steuersatz von 15 Prozent vor. Mehrere Wirtschaftsakteure sprachen sich bereits zuvor für eine derartige Senkung aus.

In seinen Vorschlägen hat sich PwC an den Positionen eines 60-köpfigen Bürgerforums orientiert, das in Zusammenarbeit mit TNS Ilres organisiert wurde. In fünf Veranstaltungen haben ganz normale Bürger aber auch Experten über die Besteuerung von Unternehmen diskutiert. "Die Ergebnisse zeigen den Pragmatismus der Luxemburger", meint Charles Margue von TNS Ilres bei der Vorstellung der Ergebnisse dieses "Tax Forums". Zwei Drittel der Teilnehmer sprachen sich wie PwC für eine Senkung des Steuersatzes aus, jedoch ohne eine Höhe zu nennen.

Attraktivität erhalten ohne Loch im Haushalt

Allerdings bedeute eine Senkung auf 15 Prozent nicht, dass die Konzerne am Ende weniger Steuern zahlen, betont Piot. Bisher gibt es unzählige Steuernischen, die Unternehmen nutzen, um weit weniger als die offiziellen 29 Prozent Steuern zu zahlen. Die reale Steuerlast liege im Durchschnitt bei etwa 13 Prozent, heißt  es von PwC.

Das Beratungsunternehmen hat deshalb einen Maßnahmenkatalog vorgelegt, der in der Summe Luxemburg attraktiv machen soll, ohne den Staatshaushalt allzu sehr zu belasten. PwC will etwa eine weitgehende Steuerbefreiung von Dividenden und die Vermögenssteuer für Unternehmen abschaffen. Dagegen soll etwa die Verrechnung von früheren Verlusten mit dem besteuerbaren Gewinn deutlich begrenzt werden, was die Steuereinnahmen erhöhen würde. Auch die Steuern auf Immobilien müssten steigen.

Die Steuern für Unternehmen zu senken, habe eine positive Auswirkung auf die Wirtschaft, betonen die Experten von PwC. Die Wirtschaftswissenschaftlerin Christelle Sapata hat errechnet, dass eine Senkung des Steuersatzes auf knapp 21 Prozent die Wirtschaft bis 2020 um zusätzlich 2,68 Prozent anwachsen ließe und knapp 4.000 mehr Arbeitsplätze bedeuten würde. Auf der Gegenseite würden 576 Millionen Euro im Staatshaushalt fehlen.

Transparenz für den guten Ruf

In den letzten Monaten standen Luxemburg und PwC durch den LuxLeaks-Prozess in den Negativschlagzeilen. PwC geht nun in die Gegenoffensive: Luxemburg soll zum Vorzeigeschüler in Sachen Transparenz werden. Die Rulings der Steuerverwaltung sollen in einer anonymisierter Form veröffentlicht werden, fordert PwC. Rulings müsse es aber weiterhin geben, damit Unternehmen eine Diskussionsmöglichkeit mit der Verwaltung hätten, so Piot.

Auch die Briefkastenfirmen sollen der Vergangenheit angehören. Sechs von zehn Teilnehmern des von PwC organisierten Bürgerforums sprachen sich dafür aus, dass Luxemburg sich auf Unternehmen mit Substanz, sprich mit mehreren Mitarbeitern, begrenzen solle. Dass Luxemburg sich am internationalen Steuerwettbewerb beteiligen solle, war jedoch unumstritten in der Gruppe.

Es sei aber nötig, genau zu definieren, was als ausreichende "Substanz" an Personal gelte, betont Piot. Trotzdem solle insgesamt der Missbrauch des Steuerrechts  eingegrenzt werden. PwC fordert deshalb eine Regulierung des Berufs des Steuerberaters, ähnlich jener der Anwälte. Ein Deontologiekodex soll Fehlverhalten vermeiden.


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