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Statec: Corona-Krise reißt tiefes Loch in die Staatskasse
Wirtschaft 2 Min. 22.07.2020

Statec: Corona-Krise reißt tiefes Loch in die Staatskasse

Leere Terrassen während der langen Zeit des Lockdowns: Für den Staat bedeutet der Stillstand der Wirtschaft ein Loch in der Kasse.

Statec: Corona-Krise reißt tiefes Loch in die Staatskasse

Leere Terrassen während der langen Zeit des Lockdowns: Für den Staat bedeutet der Stillstand der Wirtschaft ein Loch in der Kasse.
Foto: Chris Karaba
Wirtschaft 2 Min. 22.07.2020

Statec: Corona-Krise reißt tiefes Loch in die Staatskasse

Pierre LEYERS
Pierre LEYERS
1,1 Milliarden Euro weniger im 1. Halbjahr: Die Steuereinnahmen sind um 25 Prozent im Vergleich zum ersten Semester 2019 eingebrochen. In seinem "conjoncture flash" geht der Statec in diesem Jahr von einem öffentlichen Defizit von 6 Prozent aus.

Wegen der Corona-Pandemie kämpfen zahlreiche Unternehmen um ihr wirtschaftliches Überleben. Doch auch die Staatskasse gerät unter Druck. Die vielen Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise schlagen ins Geld. Die öffentlichen Ausgaben steigen, während die Einnahmen schrumpfen. 

Im zweiten Trimester sind die Steuereinnahmen um 25 Prozent eingebrochen, wie der Statec am Mittwoch mitteilte. In den ersten sechs Monaten des Jahres hat der Staat 1,1 Milliarden Euro weniger an Steuern eingenommen als noch in der vergleichbaren Periode des Vorjahres. Obwohl der „Lockdown“ und damit der Stillstand zahlreicher Aktivitäten erst Mitte März verhängt wurde, hat es schon einen leichten Einbruch von 1,8 Prozent in den ersten drei Monaten gegeben, schreibt der Statec im soeben erschienenen „conjoncture flash“. 

Besserung in der zweiten Jahreshälfte

In den darauffolgenden drei Monaten kam es dann zum Absturz: Ein Viertel Steuereinnahmen weniger als in der Vorjahresperiode. Die Steuerverwaltungen haben einen doppelten Schock erlitten, schreibt der Statec. Einerseits brachen die Besteuerungsgrundlagen weg, besonders bei der Mehrwertsteuer. Anderseits zeigte sich auch die Wirkung der zahlreichen gewährten Zahlungsaufschübe. 

Mit der Lockerung der Beschränkungen werde sich die Situation im zweiten Semester normalisieren, heißt es in dem „conjoncture flash“. Weder dieses Jahr noch 2021 aber werden die Einnahmen den Stand der Vorjahre erreichen, sagt der Statec voraus. Deutliche Rückgänge gab es vor allem bei der Gewerbesteuer (minus 680 Millionen Euro)

Das Baugewerbe hat sich von allen Sektoren am schnellsten erholt, wie auch Eurostat berichtet.
Das Baugewerbe hat sich von allen Sektoren am schnellsten erholt, wie auch Eurostat berichtet.
Foto: Gerry Huberty

Während bei Mehrwertsteuern und Akzisen im ersten Trimester noch ein leichtes Plus von 4 Prozent verzeichnet wurden, kam es im zweiten Trimester knüppelhart: Minus 35 Prozent, ein Loch von 320 Millionen Euro bei der Mehrwertsteuer, und von 130 Millionen Euro bei den Akzisen.

Lohnsteuer bleibt stabil

Es gibt auch gute Nachrichten: Im Gegensatz zu fast allen anderen steuerlichen Kategorien wird bei der Lohnsteuer ein Zuwachs im ersten Halbjahr von 80 Millionen Euro (+2,8 Prozent) verzeichnet. 

Vor allem wegen der breiten Anwendung von Kurzarbeitsmaßnahmen konnten Lohnausfälle verhindert werden, schreibt der Statec. Für das ganze Jahr 2020 geht die Statistikbehörde von einem Rückgang der Steuereinnahmen von 5 Prozent aus. Da gleichzeitig die Ausgaben wegen der zahlreichen Maßnahmen zur Krisenbekämpfung steigen werden, schätzt der Statec, dass das öffentliche Defizit 6 Prozent erreichen wird. 


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Wie aufgrund des ab Mitte März eingeführten Lockdowns zu erwarten, ging das Bruttoinlandsprodukt im 1. Trimester um 2,9 Prozent im Vergleich zum Wintertrimester 2019 zurück. Luxemburg schnitt dabei besser als die übrige Eurozone ab, in der der Rückgang 3,6 Prozent erreicht. 

Weniger Arbeitsstunden

Das Vertrauen der Verbraucher und der Unternehmen erreichte einen Tiefpunkt im April. Trotz der seither eingetretenen Besserung dürfte das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Trimester im Vergleich zu den drei Vormonaten um mindestens 10 Prozent geringer ausfallen.


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Während der Krise wurde deutlich weniger gearbeitet. Allein im April ging die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden um 26 Prozent zurück. Insgesamt fielen im April 16,2 Millionen Arbeitsstunden aus, davon 13,6 Millionen aufgrund von Kurzarbeit.

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