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Start-Up Swoon will den Luxemburger Markt erobern
Wirtschaft 3 Min. 02.07.2021
Fintech

Start-Up Swoon will den Luxemburger Markt erobern

Das Fintech der beiden Gründer Victoire und Quentin Haddouche bietet am luxemburgischen Markt eine neue App an.
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Start-Up Swoon will den Luxemburger Markt erobern

Das Fintech der beiden Gründer Victoire und Quentin Haddouche bietet am luxemburgischen Markt eine neue App an.
Foto: Swoon
Wirtschaft 3 Min. 02.07.2021
Fintech

Start-Up Swoon will den Luxemburger Markt erobern

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Das Start-up wurde von Quintin und Victoire Haddouche gegründet. Nach einer Testphase startet das Unternehmen nun seine App in Frankreich, Belgien und Luxemburg.

FinTechs sind auch 2021 einer der ganz großen Trends. Immer mehr Start-ups versuchen die Welt der Banken und der Geldströme aller Art zu digitalisieren. Auch in den vergangenen Monaten haben wieder neue Start-ups den Luxemburger Markt ins Visier genommen. So etwa die französische Neobank Swoon, die in Lille zu Hause ist. Das Fintech entwickelt eine mobile Banking-App, mit der „Nutzer ihr Geld und ihre Bankgeschäfte in Echtzeit schnell und simpel verwalten können“, verspricht Gründer Quentin Haddouche. Einer der größten Vorteile sei die Flexibilität, die mit einem Konto einhergehe. So können die Kunden „auf den Kontostand zurückgreifen, Transaktionen tätigen und die aktuellen Entwicklungen optimal überblicken.“ 


Wirtschaft,Beilage Classement des Banques.Banken,Finanzplatz,Kirchberg,BNP BGL Paribas.Foto: Gerry Huberty/Luxemburger Wort. Kirchberg, Luxemburg, Drohne, Drohnenfoto, Vogelperspektive, Bank, Banken, Bankensektor, Finanzplatz, classement des banques, banking
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Die Idee, eine App zu entwickeln, sei aus der Frustration heraus entstanden: „Ich habe festgestellt, dass das Spektrum an Angeboten sehr breit ist. Viele Verbraucher müssen allerdings mit mehreren Anbietern jonglieren. Unser Ziel war von Anfang an, alle bestehenden Möglichkeiten und Leistungen in einer einzigen App zusammenzufassen“, erklärt er. „Wir erkannten, dass in diesem Markt immer noch eine Lücke besteht. Daher beschlossen wir, unsere Arbeitsplätze aufzugeben und ein eigenes Unternehmen zu gründen.“ 

Das Start-up wurde von Quintin und Victoire Haddouche 2019 ins Leben gerufen. Nach einer ersten Testphase startet das Unternehmen nun offiziell seine App in Frankreich, Belgien und Luxemburg. Das Start-up verfügt über keine eigene Banklizenz. „Das macht die Arbeitsweise schwierig und sorgt für Komplikationen“, sagt Haddouche. Vielmehr arbeitet er mit spezialisierten Partnern zusammen, so etwa mit dem französischen Start-up Swan, das für die Kreditkarten zuständig ist. Swan hat von der französischen Bankenaufsicht eine E-Geld-Lizenz erhalten, und darf eine Debitkarte mit dazugehörigem Konto anbieten. 

Neben der Payment-Lösung will Swoon schrittweise zahlreiche Zusatzleistungen anbieten, wie etwa Geldanlagen, Versicherungen oder Konsumkredite. Dafür hat das Start-up Partnerschaften mit mehreren Unternehmen geschlossen, darunter auch mit dem belgischen Unternehmen Qover, das Versicherungsprodukte anbietet. 

„Eine Art Ökosystem“ 

Doch was unterscheidet Swoon von anderen Anbietern? „Wir fokussieren uns auf die Nutzung unserer Services. Das heißt, wir suchen die besten Produkte für unsere Kunden aus. Wenn die Dienstleistungen beliebt sind und tatsächlich genutzt werden, setzen wir alles daran, diese zu verbessern. Wenn sie aber nicht gebraucht werden oder nicht gut ankommen, nehmen wir sie aus dem Katalog heraus. Wir sind in dem Sinne eine Art Ökosystem, in dem die Kundschaft sämtliche Produkte und Dienstleistungen vorfindet, die sie heute nicht unbedingt in einer anderen klassischen oder Digitalbank findet.“ Interessant sei für die Kunden dabei ihr „all-in-Abonnement von 6,90 Euro monatlich, sagt der Gründer.


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Und Quentin Haddouche fügt hinzu: „Bei klassischen Banken ist es oft so, dass die Sparprodukte in den ersten Jahren sehr interessant sind, nach einer gewissen Zeit geht das Interesse aber tendenziell zurück. Wir aber sind ständig auf der Suche nach dem besten Partner, Produkt oder Service und wir haben die Fähigkeit, diese Dienstleistungen dann auch schnell zu integrieren. Wir sind in gewisser Weise ein Großhändler für die besten Finanzprodukte“. 

Um sich in einem Markt abzuheben, der bereits mit großen traditionellen“ Instituten und neuen Marktteilnehmern besetzt ist, will sich Swoon auch auf das Sparen und Investieren konzentrieren. Der Roboter-Berater „Gus“ soll bald eingesetzt werden, um das Risikoprofil der Kunden zu ermitteln und sie bei ihren Investitionen zu begleiten. Kredite stehen zum jetzigen Zeitpunkt nicht im Angebot, das kann aber in naher Zukunft hinzukommen. 

Ein Produkt, zwei Zielgruppen 

Das Unternehmen will sich auf zwei Zielgruppen fokussieren. „Junge und mobilaffine Berufstätige und Studierende, die digitale Finanzleistungen nicht scheuen“, sagt Haddouche. „Die zweite Gruppe hängt mit unserem Sparprodukt zusammen. Wir richten uns an Menschen, die schon etwas etablierter sind, eine Familie haben, eine Immobilie, und die heute auf der Suche nach einer zusätzlichen Alternative zu ihrer traditionellen Bank sind.“ Abgesehen hat er es vor allem auf europäische Expats, Grenzgänger und Digitalaffine, die ein besonderes und individuelles Sparangebot schätzen. Um diese Kunden zu gewinnen und an sich zu binden, müsse man Mehrwerte entwickeln, die nachhaltig, authentisch und digital sind. 


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Luxemburg gehört zu den Kernmärkten und ist eine große Herausforderung für die beiden Unternehmer. „Luxemburg ist ein Bankenland. Wir müssen uns hier richtig profilieren und abheben“, sagt der Gründer, der aber vor der Riesenaufgabe nicht zurückschreckt. „Wir werden beweisen müssen, dass wir das richtige Angebot haben.“

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