Standort Bissen

Google-Datenzentrum noch nicht in trockenen Tüchern

Die Entscheidung über den Google-Standort Bissen könnte am Wochenende fallen.
Die Entscheidung über den Google-Standort Bissen könnte am Wochenende fallen.
Foto: Pierre Matgé

(pso/T.L./TJ) - Der amerikanische Internetgigant ist auf der Suche nach 25 Hektar Land, um ein Datenzenter zu errichten. Ein Projekt, das Wirtschaftsminister Etienne Schneider als "historisch" bezeichnet. "Es wäre die größte ausländische Investition in der Geschichte Luxemburgs," so Schneider am vergangenen Samstag im Gespräch mit dem "Luxemburger Wort".

Wegen des hohen Strombedarfs und der benötigten Datenübertragungskapazitäten hat sich ein Areal in Bissen als möglicher Standort herausgeschält. Dort wären theoretisch 25 Hektar Bauland verfügbar, allerdings erweisen sich die Verhandlungen mit den Grundstückseignern als schwierig: Ein Landwirt soll noch nicht in einen Verkauf eingewilligt haben. Die Regierung ist bereit, den Eignern insgesamt 35 Millionen Euro für die 25 Hektar zu zahlen, um das Areal dem Internetriesen zur Verfügung zustellen.

Noch nicht in trockenen Tüchern

Ob Luxemburg den Zuschlag bekommt, wird bei Google in Kalifornien entschieden. Das Wirtschaftsministerium hält sich in Sachen Kommunikation bedeckt. Man werde den Ausgang einer Unterredung von Vertretern aus Luxemburg mit dem Google-Management abwarten. Minister Etienne Schneider will am Montag als erstes die parlamentarische Wirtschaftskommission über den Stand der Dinge informieren. Google hatte dem Großherzogtum eine Frist bis Freitag für eine endgültige Zusage gesetzt. Ob die Regierungsvertreter diese angesichts der noch nicht abgeschlossenen Verhandlungen mit dem Grundstückseigner geben kann, scheint zumindest fraglich.

In Bissen wären die technischen Voraussetzungen für das Datencenter gegeben.
In Bissen wären die technischen Voraussetzungen für das Datencenter gegeben.
Pierre Matgé

Google möchte mit dem Infrastrukturvorhaben seine Wettbewerbsfähigkeit gegenüber dem Konkurrenten Amazon verbessern, der in den vergangenen Jahren mit seinem Angebot "Amazon Web Services" seine Marktposition im Bereich des "Cloud computing" ausbauen konnte. Dazu sollen zwölf neue Datenzentren entstehen. Die beiden ersten Projekte in den USA und in Japan sind bereits in trockenen Tüchern. Bis Ende 2018 sollen die restlichen Standorte feststehen.

Gute Chancen

Der Standort Luxemburg hat auf den ersten Blick ausgezeichnete Chancen: das Land verfügt über geeignete Infrastrukturen, ist gut an die internationalen Datenautobahnen angebunden und gilt als wichtiges internationales Finanzzentrum. Ein weiterer Vorteil wären die vergleichsweise niedrigen Energiekosten im Großherzogtum, zumindest für Industrieverbraucher, die hierzulande lediglich neun Cent pro Kilowattstunde bezahlen. Der europäische Durchschnitt liegt bei 13 Cent.

Das Google-Datenzentrum würde den Stahlkocher ArcelorMittal als größten Stromverbraucher des Landes ablösen. Die Energieversorgung spielt demnach eine Schlüsselrolle bei der Auswahl des Standortes. In Roost wären sämtliche Bedigungen erfüllt: hier sind theoretisch mehr als 25 Hektar Bauland verfügbar und dank des benachbarten Zentrums des Energielieferanten Creos wäre der Strombedarf ebenfalls gedeckt.

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