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Stahltripartite: Die Zeichen stehen auf Konfrontation
Wirtschaft 2 Min. 22.09.2016 Aus unserem online-Archiv

Stahltripartite: Die Zeichen stehen auf Konfrontation

Die Luxemburger Stahlindustrie steht vor einer ungewissen Zukunft.

Stahltripartite: Die Zeichen stehen auf Konfrontation

Die Luxemburger Stahlindustrie steht vor einer ungewissen Zukunft.
Foto: Christophe Olinger
Wirtschaft 2 Min. 22.09.2016 Aus unserem online-Archiv

Stahltripartite: Die Zeichen stehen auf Konfrontation

Maxime LEMMER
Maxime LEMMER
Nach "Lux2016" fordern die Gewerkschaften ein neues Abkommen, um die Zukunft der luxemburgischen Standorte abzusichern. Der Stahlkonzern sieht jedoch keinen Handlungsbedarf.

(ml) - Nach einer längeren Unterbrechung fand am Donnerstagmorgen  im Wirtschaftsministerium in einer angespannten Atmosphäre eine Stahltripartite-Sitzung statt. "Die Gewerkschaften und das Management vertraten völlig entgegengesetzte Auffassungen", fasste LCGB-Verhandlungsführer Robert Fornieri gegenüber dem "Luxemburger Wort" die zweistündige Unterredung  zwischen der Regierung, ArcelorMittal und den Gewerkschaften zusammen.

In den kommenden Wochen sind auf bilateraler Ebene mehrere Verhandlungsrunden zwischen ArcelorMittal und den Arbeitnehmervertretern vorgesehen, um doch noch  einen gemeinsamen Nenner zu finde. Die Termine stehen noch nicht  fest. Voraussichtlich Mitte Oktober trifft man sich dann wieder mit der Regierung im großen Kreis.

Arbeitsplätze absichern

Die Zeit drängt: Das vor vier Jahren beschlossene "Lux2016"-Abkommen neigt sich dem Ende. 2012 hatte sich ArcelorMittal dazu verpflichtet, bis zu 400 Millionen Euro in die Luxemburger Standorte zu investieren. Der Staat erklärte sich bereit, rund 60 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen, um die Arbeitsplätze in den Stahlwerken hierzulande abzusichern.

Die Gewerkschaften bestehen nun darauf, dass ein neues Abkommen ausgehandelt wird. Ziel sei des, die "Préretraite-ajustement" auch künftig zu gewährleisten, heißt es. Des Weiteren sollen die Arbeitsplätze auf den Standorten Rodange, Dommeldingen, Düdelingen und Bissen abgesichert werden.

Angespannte Lage

Die Vertreter von ArcelorMittal sehen dagegen keinen Handlungsbedarf. Sie versicherten den Arbeitnehmern am Donnerstag , dass die  Personallage derzeit stabil sei. Deshalb gebe es keinen triefenden Grund nach "Lux 2016" ein neues Abkommen auszuhandeln.

Diese Zuversicht teilen die Gewerkschaften jedoch nicht. Die Standorte Belval und Differdingen seien zwar relativ gut aufgestellt, räumt Jean-Claude Bernardini (OGBL) ein. In anderen Standorten wie z.B. in Bissen sehe die Lage nicht so rosig aus. Das Werk in Rodange, wo rund 200 Beschäftigte vorwiegend Schienen herstellen, sei nicht ganz ausgelastet, heißt es aus dem Gewerkschaftslager.

Verwaltung stellt die Hälfte der Belegschaft dar

In Schwierigkeiten stecke auch Düdelingen. Hier produzieren 65 Mitarbeiter Flachstahl für die Automobilindustrie.  Angespannt sei die Lage auch in  Dommeldingen, wo zurzeit 120 Beschäftigte Wartungsarbeiten verrichten. Seitdem das Werk von Paul Wurth abgekoppelt wurde, habe sich die Lage dort verschlechtert, so Bernardini. Sorgen bereitet ihm auch die Verwaltung, die nahezu die Hälfte der Gesamtbelegschaft darstellt. Falls der Stahlgigant beschließen würde, sich  international zu restrukturieren, könnte das auch bittere Folgen für die Verwaltung haben.

Aussagen von Robert Fornieri zufolge befinden sich zudem rund 200 Personen in der "Cellule de reclassement" (CDR). Die Gewerkschaften schließen nicht aus, dass ArcelorMittal künftig die CDR infrage stellen könnte. Falls es den Sozialpartnern nicht gelingen sollte, sich in diesem Jahr auf ein neues Abkommen zu einigen, würde dies bedeuten, dass die Elemente, die Bestandteil des "Lux2016" sind, nicht mehr gültig wären, unterstreicht Bernardini. Demnach müssten z.B. die die Investitionen und  Arbeitsorganisation auf jedem einzelnen Standort neu verhandelt werden, was eine "gewisse Unruhe" stiften könnte.



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