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Staat greift Geschäftstourismus unter die Arme
Jährlich zählt Luxemburg ungefähr 160 000 Aufenthalte, die auf den Geschäftstourismus zurückzuführen sind.

Staat greift Geschäftstourismus unter die Arme

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Jährlich zählt Luxemburg ungefähr 160 000 Aufenthalte, die auf den Geschäftstourismus zurückzuführen sind.
Wirtschaft 3 Min. 17.02.2015

Staat greift Geschäftstourismus unter die Arme

60 Prozent aller Hotelübernachtungen sind in Luxemburg auf den Geschäftstourismus zurückzuführen. Um den wirtschaftlichen Impakt weiter zu fördern, baut der Staat nun seine finanziellen Unterstützungen aus.

250.000 Euro pro Jahr

(lb) - "Der Tourismus gehört mittlerweile zu den Eckpfeilen der luxemburgischen Wirtschaft", erklärte am Dienstag Staatssekretärin Francine Closener auf einer Pressekonferenz zur Entwicklung der Tourismusbranche im Land. Nicht zu unterschätzen ist hierbei der Geschäftstourismus, der 60 Prozent aller Hotelübernachtungen im Land ausmacht und jährlich Einkommen in Höhe von 182 Millionen Euro generiert.

Um die positiven Auswirkungen für die luxemburgische Wirtschaft zu fördern, sieht das Wirtschaftsministerium nun eine finanzielle Unterstützung der Veranstalter von Kongressen, Konferenzen oder Symposien vor. Eine staatliche Hilfe von bis zu 18 000 Euro kann den Veranstaltern demnach zur Verfügung gestellt werden. Das Konzept ist keineswegs neu: solche Zuschüsse gab es bereits, doch waren sie bislang vom Staatsministerium abhängig und mussten vom Regierungsrat bewilligt werden. Staatssekretärin Francine Closener unterstrich demnach, dass es sich keineswegs um eine zusätzliche Ausgabe vom Staat handle, das vorgesehene Budget zur Unterstützung bleibe bei 250 000 Euro im Jahr.

"A la tête du client"

Eine Umstrukturierung der Hilfsgelder sei dennoch nötig, weil sich herausgestellt habe, dass ihre Verteilung in den letzten Jahren ohne System und ohne festgelegte Kriterien erfolgte. "Es ist in der Vergangenheit vorgekommen, dass einem einzigen Veranstalter mit 150.000 oder 200.000 Euro fast das gesamte Budget zugesprochen wurde", erklärte Francine Closener. "Die Verteilung erfolgte manchmal 'à la tête du client' ", so die Staatssekretärin. Dieses Problem will das Wirtschaftsministerium nun beheben.

Die Organisationskosten der privaten und öffentlichen Veranstalter sollen ab jetzt in der Regel bis zu 18.000 Euro vom Staat zurückgezahlt werden und bei Kongressen von mehr als 100 Teilnehmern und mehr als 100 Übernachtungen in Luxemburgs Hotels zur Verfügung gestellt werden. Außerdem müssen mindestens die Hälfte der Geschäftsleute aus dem Ausland angereist kommen. Die Zuschüsse belaufen sich beispielsweise auf bis zu 25 Euro pro Hotelübernachtung. Bei mehr als 3.000 Übernachtungen steigt die finanzielle Unterstützung um weitere 10.000 Euro. Begrenzt ist sie insgesamt auf 30.000 Euro. Demnach werden beispielsweise auch Transportkosten in Luxemburg und touristische Besichtigungen teilweise rückvergütet. Für die Kosten der Mietung der Kongressräumlichkeiten oder der technischen Ausrüstung müssen Organisatoren dennoch selbst aufkommen.

Geschäftsleute geben pro Tag 190 Euro aus

Jährlich zählt Luxemburg ungefähr 180.000 Aufenthalte, die auf den Kongresstourismus zurückzuführen sind. Im Durchschnitt liegt der Aufenthalt der Geschäftsleute bei drei Nächten. Demnach sind von den insgesamt 1,6 Millionen Hotelübernachtungen pro Jahr, fast zwei Drittel auf den Geschäftstourismus zurückzuführen. Laut dem World Travel Monitor, belaufen sich die Ausgaben eines ausländischen Geschäftstouristen auf 190 Euro pro Tag (gegen 110 Euro für andere Urlauber). Nach Angaben des Office National de Tourisme (ONT) ist der Geschäftstourismus letztes Jahr um ungefähr 3 Prozent gestiegen.

Ausländische Geschäftsleute reisen am häufigsten aus Deutschland, Belgien, Frankreich und den USA nach Luxemburg. Besonders locken Veranstaltungen vom Finanzsektor, dem Audit, dem Consulting und der Medezinbranche in Luxemburgs Konferenzzentren. Strategische Wachstumsbranchen wie ICT dürften in den nächsten Jahren laut ONT an Bedeutung gewinnen.


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