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Spediteure tanken Biodiesel – und sind enttäuscht von der Politik
Wirtschaft 2 Min. 08.06.2021

Spediteure tanken Biodiesel – und sind enttäuscht von der Politik

Der erste Lastwagen in Luxemburg, der hundert Prozent mit Biodiesel betankt wird - und damit rund 90 Prozent weniger CO2 produziert.

Spediteure tanken Biodiesel – und sind enttäuscht von der Politik

Der erste Lastwagen in Luxemburg, der hundert Prozent mit Biodiesel betankt wird - und damit rund 90 Prozent weniger CO2 produziert.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 2 Min. 08.06.2021

Spediteure tanken Biodiesel – und sind enttäuscht von der Politik

Marco MENG
Marco MENG
Arthur Welter und Bolloré starten eine Initiative, um die CO2-Emissionen deutlich zu senken - mit nachwachsendem Kraftstoff. Besteuert wird der aber trotzdem wie konventioneller Diesel.

Die Transportbranche steht unter dem Zwang, Emissionen einzusparen. Nicht ganz einfach, denn Lastwagen, die emissionsfrei fahren können, gibt es nicht auf dem Markt, abgesehen vielleicht von Elektro-Lastwagen von Mercedes oder MAN – die aber das Sechsfache eines Lastwagens mit Dieselmotor kosten. 

Um Emissionen zu reduzieren, müssen die Spediteure Kreativität und Eigeninitiative zeigen – so wie Arthur Welter Transports und Bolloré Logistics das nun tun. Nach Anregung durch seinen Kunden Bolloré hat das Luxemburger Transportunternehmen Arthur Welter TotalEnergies in Luxemburg beauftragt, HVO100-Pumpen im Centre Routier Sécurisé (CRS) in Bettemburg am intermodalen Terminal und Logistikpark Eurohub Süd zu installieren: hier kann fortan erneuerbarer Biokraftstoff getankt werden. 


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Dieser Biodiesel kommt nicht von Pflanzen, die extra deswegen angepflanzt wurden, sondern stammt vor allem von Speiseölresten“, erklärt Ben Frin, Finanzchef von Arthur Welter Transports. „Nicht nur bei der Verbrennung wird bis zu 90 Prozent CO2 im Vergleich zu einem Referenzkraftstoff eingespart, sondern auch über die ganze Produktionskette hinweg“, erklärt er. In einem Pilotprojekt pendelt ein Fahrzeug dreimal wöchentlich zwischen dem Flughafen Luxemburg-Findel und dem Flughafen Paris-Roissy („Charles de Gaulle“). Andere Strecken wie nach Amsterdam sowie Frankfurt am Main sollen folgen.

Strategische Entscheidung

„Die Entscheidung, einen erneuerbaren Kraftstoff zu verwenden, stellt eine wichtige strategische Investition für Arthur Welter Transports und Bolloré Logistics Luxembourg dar“, so Frin. Bolloré Logistics ist im Rahmen des CSR-Programms „Powering Sustainable Logistics“ die Verpflichtung eingegangen, die CO2-Emissionen im Frachttransport bis 2030 um 30 Prozent gegenüber dem Jahr 2019 zu reduzieren. Die Anzahl der Fahrzeuge, die ausschließlich mit erneuerbarem Biokraftstoff betankt werden, kann je nach Kundennachfrage erhöht werden. Denn ein Manko hat der biologisch abbaubare Kraftstoff: er kostet pro Liter knapp einen Euro mehr als konventioneller Diesel.

Die beiden Transportfirmen Arthur Welter (Geschäftsführerin Marianne Welter 4. von links) und Bolloré Logistics schlossen mit TotalEnergie die Kooperation, um Biodiesel HV0100 tanken zu können.
Die beiden Transportfirmen Arthur Welter (Geschäftsführerin Marianne Welter 4. von links) und Bolloré Logistics schlossen mit TotalEnergie die Kooperation, um Biodiesel HV0100 tanken zu können.
Foto: Guy Jallay

Was die CO2-Einsparung betrifft, so schätzt Arthur Welter Transports, dass eine Fahrt mit einem Fahrzeug, das mit herkömmlichem Diesel betrieben wird, bei durchschnittlicher Beladung 340 Kilogramm CO2 ausstoßen würde. Der CO2-Ausstoß mit Total HVO100 reduziert sich bei gleicher Fahrt auf 85 Kilogramm CO2. Eine Einsparung von im Durchschnitt fast 40 Tonnen CO2 im Jahr – nur für einen LKW

Fehlende steuerliche Anreize

TotalEnergies weist darauf hin, dass der Biokraftstoff Hydrotreated Vegetable Oil (HVO) aus verschiedenen biobasierten Rohstoffen, Reststoffen und Abfällen stammt und für schwere Nutzfahrzeuge vorgesehen ist. Ohne jegliche Anpassung des Motors kann er als Alternative zu Diesel verwendet werden. 

TotalEnergies schätzt, dass im Jahr 2030 Biokraftstoffe etwa 15 Prozent und im Jahr 2050 dann 25 Prozent der von der Marke verkauften Kraftstoffe ausmachen werden. 

Enttäuscht sind die Unternehmen von der Tatsache, dass dieser Biodiesel trotz seiner fast 90-prozentigen CO2-Reduzierung dennoch genauso besteuert wird wie herkömmlicher Diesel aus Mineralöl. Da die Verbrauchssteuern für erneuerbare Kraftstoffe die gleichen sind wie für Standard-Diesel, der Preis des Biotreibstoffs aber höher ist, gebe die Politik keine finanzielle Anreize, den  neuen Kraftstoff zu tanken.

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