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Sozialstreit: Rothschild vollzieht überraschende Kehrtwende
Wirtschaft 10.03.2017

Sozialstreit: Rothschild vollzieht überraschende Kehrtwende

 Die Schweizer Privatbank Edmond de Rothschild in Limpertsberg.

Sozialstreit: Rothschild vollzieht überraschende Kehrtwende

Die Schweizer Privatbank Edmond de Rothschild in Limpertsberg.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 10.03.2017

Sozialstreit: Rothschild vollzieht überraschende Kehrtwende

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Wegen der Zusammenführung ihrer EDV-Abteilung in der Schweiz, wollte das Bankhaus Edmond de Rothschild sich in Luxemburg eigentlich von rund 15 IT-Beschäftigten trennen. Nun sollen sie doch bleiben dürfen.

(aa) - Wegen der Zusammenführung ihrer EDV-Abteilung in der Schweiz, wollte das Bankhaus Edmond de Rothschild sich in Luxemburg eigentlich von rund 15 IT-Beschäftigten trennen. Die Gewerkschaften protestierten, da Rothschild es offenbar nicht für erforderlich hielt, den Stellenabbau über einen Plan zur Aufrechterhaltung der Beschäftigung bzw. einen Sozialplan durchzuführen.

Nun wurde der Inhalt eines betriebsinternen Schreibens bekannt, worin die Privatbank ihre Mitarbeiter sowie den Betriebsrat informiert, dass die 15 Beschäftigten das Unternehmen doch nicht bis 2018 verlassen müssen (siehe auch Luxemburger Wort vom 10. März 2017: „Rothschild garde ses informaticiens“).

Individuelle Entwicklungspläne und Weiterbildung

Auf Nachfrage dieser Zeitung, wie der Sinneswandel zu erklären sei und ob möglicherweise gewerkschaftlicher Druck und die Protestkundgebung vom Januar mit dazu beigetragen haben könnten, bestätigte eine Rothschild-Sprecherin am Freitag, dass die Mitarbeiter bleiben könnten: „Wachstumsperspektiven und die Schlüsselposition Luxembourgs innerhalb der Rothschild-Gruppe bieten vielfältige berufliche Entwicklungsmöglichkeiten. […] Die Beschäftigten werden anhand individueller Entwicklungspläne und passender Weiterbildungsmöglichkeiten in ihrer weiteren Laufbahn begleitet.“ Dazu, wie es zu dieser Kehrtwende kam, äußerte sich die Sprecherin zunächst nicht.

Gewerkschafter überrascht und skeptisch

Bei der Gewerkschaft OGBL, die den Betriebsrat stellt, ist man überrascht über das Vorgehen der Rothschild-Bank und zeigt sich skeptisch. „So einfach geht das nicht“, sagte Véronique Eischen vom OGBL am Freitag.

„Die EDV-Abteilung wird ja nach wie vor in die Schweiz verlagert, also reduziert sich zwangsläufig auch die Zahl der in Luxemburg benötigten Arbeitsplätze. Sollten die Beschäftigten dennoch bleiben können, freut uns das natürlich. Wir möchten aber genau erklärt bekommen, wie und womit die Leute künftig beschäftigt werden sollen, um sicherzustellen, dass die Bank nicht einfach darauf spekuliert, dass die Beschäftigten das Unternehmen irgendwie schon von selbst verlassen werden“, so Véronique Eischen. Um Klarheit darüber zu erlangen, habe man eine Dringlichkeitssitzung des gemischten Ausschusses beantragt.

Rothschild: eigentlich hat sich nichts geändert

Auf nochmalige Nachfrage bei Rothschild, warum die Mitarbeiter nun plötzlich bleiben dürften, hieß es am Freitag, dass sich eigentlich nichts geändert habe. Rothschild habe im April 2016 dem Betriebsrat das Projekt zur Reorganisation der EDV vorgestellt. Man habe stets die Beschäftigungsfähigkeit der Mitarbeiter gefördert und versucht diesen „interne wie externe Möglichkeiten“ anzubieten.


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