Sozialkonflikt bei der Flughafengesellschaft

Lux-Airport spricht von haltlosen Vorwürfen

Foto: Chris Karaba

(aa) - Mehr als 24 Stunden nach der Ankündigung der Gewerkschaft OGBL, den Schlichter mit dem Sozialkonflikt bei lux-Airport befassen zu wollen, erfolgte eine erste Reaktion der Flughafengesellschaft.

Demnach ist lux-Airport überrascht darüber, dass der OGBL ein Schlichtungsverfahren beantragt hat, da es sich bei den von Gewerkschaftsseite vorgebrachten vier Argumenten lediglich um haltlose Vorwürfe handele.

Genug Personal vorhanden, weitere Einstellungen geplant

So könne von einem chronischen Mangel an Arbeitskräften keine Rede sein. Man verfüge über ausreichend Personal, auch im Sicherheitsbereich. Seit Januar 2016 seien 60 Mitarbeiter neu eingestellt worden, davon 42 neue Sicherheitskräfte, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme von lux-Airport. Auch werde weiterhin eingestellt.

Was das gestiegene Passagiervolumen des luxemburgischen Flughafens angehe, so erfordere dies nicht zwangsläufig einen Personalzuwachs im gleichen Verhältnis, da es lux-Airport gelungen sei z.B. die Effizienz der Sicherheitskontrollen zu steigern.

Zeitarbeiter für saisonalen und punktuellen Bedarf

Zutreffend sei hingegen, dass lux-Airport auch Mitarbeiter über Subunternehmer beschäftige, was aber z.B. mit saisonbedingten Spitzen sowie mit zeitweise abzusichernden Bauarbeiten erklärt werden könne. Der OGBL sei darüber voll im Bilde.

Einen willkürlichen Lohnstop habe es nicht gegeben, so lux-Airport weiter. Man habe lediglich die automatische jährliche Lohnerhöhung einiger vor dem Kollektivvertrag eingestellter Mitarbeiter abgeschafft, damit es nicht zu extremen Gehaltsungleichheiten bei Arbeitskollegen komme, die im Grunde die gleichen Aufgaben erledigen. 

Qualitätssicherung, keine Spionagesoftware

Lux-Airport sei aufgrund europäischer Auflagen verpflichtet im Rahmen der Sicherheitskontrollen am Flughafen eine Qualitätskontrolle durchzuführen. In diesem Zusammenhang komme spezielle Software an den Röntgengeräten der Sicherheitskontrolle zum Einsatz, was dem gemeinsamen Ausschuss sowie auch dem OGBL bekannt sei. Es handele sich nicht um Spionagesoftware.

Stellenbeschreibungen gebe es sehr wohl bei lux-Airport, und zwar für jede Stelle. Die Beschreibungen seien zusammen mit der Personaldelegation ausgearbeitet und schon mehrfach dem gemeinsamen Auschuss zwecks Genehmigung vorgelegt worden. Während der letzten Sitzung sei es ausgerechnet der OGBL-Vertreter gewesen, der die Zustimmung verweigert habe.

Minister Bausch: "habe keine Verhandlungen geführt"

In der OGBL-Mitteilung vom Donnerstag hatte die Gewerkschaft erklärt, Unterredungen mit der lux-Airport-Direktion, dem Verwaltungsrat sowie dem Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister seien erfolglos geblieben, womit der seit September letzten Jahres schwelende Sozialkonflikt nicht beigelegt werden konnte.

François Bausch, Minister für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur erklärte am Freitag aus eigenem Antrieb gegenüber dem "Luxemburger Wort", er habe diesbezüglich keine Verhandlungen geführt.

Gewerkschaftssekretär irritiert über lux-Airport-Aussagen

Die Gewerkschaft OGBL blieb am Freitag dabei, dass die erhobenen Vorwürfe fundiert seien, da man sonst nicht den Weg zum Schlichter angetreten hätte. Gewerkschaftssekretär Hubert Hollerich zeigte sich gegenüber dem „Luxemburger Wort“ irritiert darüber, dass die lux-Airport-Direktion öffentlich anderslautende Aussagen treffe.

Im dem „Luxemburger Wort“ inzwischen vorliegenden Schreiben des OGBL an das Schlichtungsamt, ist von gescheiterten Gesprächen zwischen Gewerkschaft und Personalvertretung einerseits sowie Direktion und Vertretern des Verwaltungsrats andererseits die Rede. Dennoch habe es im September und Dezember 2016 Unterredungen mit dem Minister gegeben, so Hollerich. Auch säßen bekanntlich hohe Beamte des Ministeriums an der Spitze des Verwaltungsrates.

RPAA und Guilde kritisieren ministerielle Entscheidung

Kürzlich war erst ein Schlichtungsverfahren zwischen Personalvertretern der  Flughafenverwaltung "Administration de la navigation aérienne" (ANA) und dem Ministerium für nachhaltige Entwicklung und Struktur gescheitert.

Den Schlichtungsantrag für den Sozialkonflikt bei lux-Airport nahmen die Personalvertreter "Représentations du personnel de l'Administration de la navigation aérienne" (RPAA) und "Guilde Luxembourgeoise des Contrôleurs de la Circulation Aérienne" (GLCCA) am Freitag zum Anlass, erneut die Entscheidung von Minister Bausch, der Flughafengesellschaft lux-Airport und nicht der ANA die Zertifizierung des Flughafens anzuvertrauen, in Frage zu stellen.

Lux-Airport SA ist die Betreibergesellschaft des luxemburgischen Flughafens Findel und befindet sich zu 100% in Staatsbesitz. Präsident des Verwaltungsrates und Vizepräsidentin sind mit Tom Weisgerber bzw. Félicie Weycker zwei hohe Beamte des Ministeriums für nachhaltige Entwicklung und Infrastruktur.