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Sorge vor ungeordnetem Brexit: Merck stockt Arzneilager auf
Wirtschaft 15.09.2019

Sorge vor ungeordnetem Brexit: Merck stockt Arzneilager auf

Die Vorbereitungen des deutschen Pharma-Riesen Merck auf den Brexit laufen seit drei Jahren.

Sorge vor ungeordnetem Brexit: Merck stockt Arzneilager auf

Die Vorbereitungen des deutschen Pharma-Riesen Merck auf den Brexit laufen seit drei Jahren.
Foto: Arne Dedert/dpa
Wirtschaft 15.09.2019

Sorge vor ungeordnetem Brexit: Merck stockt Arzneilager auf

Der Darmstädter Merck-Konzern stellt sich beim Brexit auf den Ernstfall ein: Er stockt vorsorglich die Arzneivorräte auf. Das Brexit-Schreckensszenario sei wahrscheinlicher geworden, meint Vorstandschef Stefan Oschmann. In den USA hat Merck derweil große Pläne.

(dpa) - Der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Merck rüstet sich für einen ungeordneten EU-Austritt Großbritanniens. „Wir haben unsere lokalen Arzneilager für den Fall eines ungeordneten Brexits aufgestockt“, sagte Merck-Chef Stefan Oschmann der Deutschen Presse-Agentur in Darmstadt. Im Tagesgeschäft zeigte er sich derweil trotz Handelskonflikten zuversichtlich - er setzt auf neuen Schwung bei Merck, auch durch Übernahmen in den USA.

Pro Monat würden 45 Millionen Packungen Medikamente aus Großbritannien in die EU gebracht, 35 Millionen gingen umgekehrt auf die Insel, erklärte Oschmann, der in den vergangenen beiden Jahren dem europäischen Pharmaverband EFPIA vorstand. „Es wäre nicht auszudenken, wenn es zu langwierigen Grenzkontrollen käme und Patienten wichtige Medikamente fehlten.“

Vorbereitung seit drei Jahren

Das Schreckensszenario eines ungeordneten Brexits ist aus Oschmanns Sicht wahrscheinlicher geworden. „Die Stimmen in Großbritannien, die nach einem Brexit um jeden Preis rufen, nehmen zu - selbst wenn das dem Land schaden würde“, sagte Oschmann wenige Wochen vor dem geplanten Austrittsdatum am 31. Oktober. Merck bereite sich aber schon seit drei Jahren auf den Brexit vor.


(FILES) In this file photo taken on March 19, 2018 Lorries queue up at the port of Dover on the south coast of England. - Preparedness in Britain for a no-deal Brexit remains "at a low level", with logjams at Channel ports threatening to impact drug and food supplies, according to government assessments released September 11, 2019. British MPs voted last week to force the government to publish the no-deal "Operation Yellowhammer" document, which also warns of "public disorder" in such a scenario. Britain's plan for no checks at the Irish border would likely "prove unsustainable due to significant economic, legal and biosecurity risks", it said, adding that it could lead to a black market developing in border communities, with dissident groups expected to capitalise. (Photo by Daniel LEAL-OLIVAS / AFP)
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Bei einem Brexit ohne Abkommen mit Brüssel ist die Versorgung mit Arzneien in Großbritannien eine der großen Sorgen. In Großbritannien gab es wiederholt Warnungen davor - zuletzt in internen „Yellowhammer“-Dokumenten der Regierung in London. Das Vereinigte Königreich ist einer der größten Abnehmer deutscher Arzneien. Der Pharmahandel mit der EU ist 2018 laut dem Verband der Chemischen Industrie (VCI) bereits eingebrochen.

Auch bei der europäischen Arzneikontrolle und -zulassung, die bisher in Großbritannien verankert war, sorgt der Brexit für Turbulenzen. „Die Briten werden bestehende Arzneimittelzulassungen für die EU nicht in Frage stellen“, glaubt Oschmann. Wie es bei künftigen Bewilligungen aussehe, hänge aber von der Art des Brexit ab.


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