Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Sony überrascht mit Elektroauto - Toyota baut Stadt der Zukunft
Wirtschaft 4 4 Min. 07.01.2020

Sony überrascht mit Elektroauto - Toyota baut Stadt der Zukunft

Sony-CEO Kenichiro Yoshida mit dem Sony Vision-S Konzeptfahrzeug.

Sony überrascht mit Elektroauto - Toyota baut Stadt der Zukunft

Sony-CEO Kenichiro Yoshida mit dem Sony Vision-S Konzeptfahrzeug.
AFP
Wirtschaft 4 4 Min. 07.01.2020

Sony überrascht mit Elektroauto - Toyota baut Stadt der Zukunft

Experten rechnen schon lange damit, dass ein Elektronik-Konzern ein eigenes Auto vorstellt. Meist wurde Apple als Kandidat gehandelt - doch nun gibt es stattdessen ein Elektroauto von Sony. Wie ernst meinen es die Japaner?

(dpa) - Der Elektronik-Riese Sony geht überraschend unter die Autobauer. Der japanische Konzern stellte auf der Technikmesse CES in Las Vegas den Prototypen eines Elektroautos vor, schwieg allerdings zu Produktionsplänen. Der japanische Autobauer Toyota kündigte den Bau einer eigenen kleinen Retortenstadt zum Testen von Zukunftstechnik wie Roboterwagen an, sein koreanischer Konkurrent Hyundai präsentierte den Prototypen eines Lufttaxis - während Daimler mit einem neuen Konzeptfahrzeug einen Ausblick gab, wie die Mobilität einer noch weit entfernten Zukunft aussehen könnte.

Sonys Konzeptauto blieb aber die größte Überraschung zum CES-Auftakt. Der Prototyp namens Vision-S solle demonstrieren, welche Möglichkeiten in den technischen Entwicklungen aus dem Hause Sony steckten, sagte Konzernchef Kenichiro Yoshida am Montag (Ortszeit). Dazu zählen Software, Sensoren und Sicherheitstechnik ebenso wie ein komplettes Entertainmentsystem. „Dieser Prototyp verkörpert unseren Beitrag zur Zukunft der Mobilität“, sagte Yoshida.

Seinen Angaben zufolge hat Sony den Wagen zusammen mit einer ganzen Reihe von Partnern entwickelt - allen voran Magna Steyr aus Österreich, aber auch den drei großen deutschen Zulieferern Bosch, Continental und ZF. Die eigens neu entwickelte Elektro-Plattform sei geeignet, auch andere Fahrzeugtypen wie etwa SUVs anzutreiben. Sony selbst ist unter anderem stark bei Kamerasensoren, die zum Beispiel in vielen Smartphones zum Einsatz kommen. Im Innenraum des Vision-S fällt ein langes Display auf, das fast von Tür zu Tür reicht.

Experten hatten schon lange damit gerechnet, dass mit dem Vormarsch von Elektrofahrzeugen auch Elektronik-Konzerne in das Autogeschäft einsteigen. Das wurde aber allem von Apple erwartet - der iPhone-Konzern stutzte aber sein jahrelanges Entwicklungsprogramm und konzentriert sich aktuell auf Roboterwagen-Technologie.

Trotz des Sony-Paukenschlags blieb die ambitionierteste Ankündigung des CES-Starts der Plan von Toyota, eine experimentelle Stadt der Zukunft zu bauen, um Technologien wie das autonome Fahren verstärkt in realen Umgebungen zu testen. Dafür soll das Gelände einer stillgelegten Fabrik des Autobauers in der Nähe des Bergs Fuji umgebaut werden, wie Firmenchef Akio Toyoda ankündigte. In der kompakten „Woven City“ („Verflochtene Stadt“) sollten zunächst rund 2000 Menschen leben - unter anderem Toyota-Mitarbeiter mit ihren Familien, Ruheständler und Forscher. Die Grundsteinlegung sei für kommendes Jahr geplant.

Das Gelände hat den Angaben zufolge eine Fläche von gut 70 Hektar. Als Stadtplaner wurde der dänische Star-Architekt Bjarke Ingels engagiert. Ein großer Teil der Infrastruktur - zum Beispiel Brennstoffzellen-Anlagen für die Energiegewinnung - werde unter die Erde verlegt.

Eine zentrale Rolle in dem Konzept spielen Toyotas autonome Mehrzweckfahrzeuge, die zum Transport von Menschen, aber auch als mobile Geschäfte oder Büros eingesetzt werden können. Die kastenförmigen Wagen mit dem Namen e-Palette hatte der Konzern vor zwei Jahren in Las Vegas vorgestellt. Am Montag präsentierte der südkoreanische Konkurrent Hyundai ein ähnliches Konzept.


The BYTON M-Byte electric car is presented during the CES Unveiled event at the 2020 Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, Nevada, on January 5, 2020. - CES is one of the largest tech shows on the planet,  showcasing more than 4,500 exhibiting companies representing the entire consumer technology ecosystem. (Photo by DAVID MCNEW / AFP)
Elektro-SUV-Showdown zum CES-Start
Mit Anbruch der Elektroauto-Ära suchen Hersteller neue Argumente, um den Käufern einen Neuwagen schmackhaft zu machen.

Für ihn sei der Aufbau einer Zukunftsstadt ein Lebenstraum, sagte der 63 Jahre alte Konzernchef Toyoda. Er sehe ein, dass es Skeptiker geben werde: „Hat dieser Mann den Verstand verloren? Hält er sich für eine Art japanischen Willy Wonka?“, scherzte Toyoda in Anspielung auf die Figur aus „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Er sei aber überzeugt, dass alle von dem Plan profitieren würden, weil man das Zusammenspiel verschiedener Technologien an einem Ort erforschen könne.

Toyota ist nicht der erste Technologie-Konzern, der den Aufbau einer Stadt-Infrastruktur versucht. Google kündigte bereits 2017 ein ähnliches Projekt in der kanadischen Metropole Toronto an, allerdings nur auf einer Fläche von knapp fünf Hektar.

Daimler hingegen rückte bei der Präsentation seines „Vision AVTR“ mehr die Natur als die Stadt in den Fokus. Das Konzeptfahrzeug wurde in Zusammenarbeit mit den Machern des Science-Fiction-Films „Avatar“ von Regisseur James Cameron konzipiert. Es solle Möglichkeiten der Interaktion zwischen Mensch, Maschine und Umwelt aufzeigen - ein Motiv, das auch in dem 2009 erschienenen Film eine wichtige Rolle spielt.

Daimler hat das Thema Nachhaltigkeit zu einem zentralen Punkt seiner Zukunftsstrategie erhoben. Bis 2039 soll die gesamte Neuwagenflotte von Mercedes-Benz CO2-neutral sein. Der aus nachhaltigen Materialien gebaute „Vision AVTR“ wird mit einer sogenannten organischen, also metallfreien Batterie auf der Basis von Wasser betrieben - in der Vorstellung seiner Entwickler jedenfalls. Bis ein solches System in der Praxis als Autoantrieb zum Einsatz kommen kann, dürfte es laut Daimler wohl noch um die 15 Jahre dauern.

Zum Auftakt der CES wurde auch deutlich, wie Pläne für die Roboterwagen-Zukunft immer konkretere Gestalt annehmen. Das zeigt sich auch daran, dass neue Player in die Branche drängen. So kündigte der Chip-Konzern Qualcomm den Einstieg ins Geschäft mit Computern für automatisiertes Fahren und Robotaxis an. Erste Fahrzeuge mit Qualcomm-Systemen sollen zum Jahr 2023 auf die Straße kommen. Der chinesische Drohnen-Spezialist DJI will den Markt für Laserradare, mit denen Roboterwagen ihre Umgebung abtasten, mit deutlich günstigeren Geräten als bisher aufmischen.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Frau stirbt nach Unfall mit selbstfahrendem Auto von Uber
Selbstfahrende Autos sollen den Verkehr sicher machen, doch in der Branche wurde - meist hinter vorgehaltener Hand - auch darüber gesprochen, dass irgendwann ein Mensch bei einem Unfall mit einem Roboterwagen sterben würde. Das ist jetzt passiert.
Uber ist eines von mehreren Dutzend Unternehmen, die eigene Systeme für autonom fahrende Autos entwickeln und auf öffentlichen Straßen in den USA testen.
Lust auf noch mehr Wort?
Lust auf noch mehr Wort?
7 Tage gratis testen
E-Mail-Adresse eingeben und alle Inhalte auf wort.lu lesen.
Fast fertig...
Um die Anmeldung abzuschließen, klicken Sie bitte auf den Link in der E-Mail, die wir Ihnen gerade gesendet haben.