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So will Cargolux künftig sparen
Wirtschaft 3 Min. 20.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Cargolux Italia

So will Cargolux künftig sparen

Der Transfer von Fliegern nach Italien ermögliche es, die Bilanz der italienischen Airline aufzupolieren, so Dirk Becker der ALPL.
Cargolux Italia

So will Cargolux künftig sparen

Der Transfer von Fliegern nach Italien ermögliche es, die Bilanz der italienischen Airline aufzupolieren, so Dirk Becker der ALPL.
Guy Jallay
Wirtschaft 3 Min. 20.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Cargolux Italia

So will Cargolux künftig sparen

Drei weitere Flugzeuge der Cargolux könnten bald von Luxemburg nach Italien ausgelagert werden, und dies obwohl die Produktivität in Luxemburg nicht ausgeschöpft und die Kosteneinsparung gering sei, beteuert die luxemburgische Pilotenvereigung.

(lb) - Um die Auslagerung eines zweiten Flugzeuges von Luxemburg zur Cargolux Italia im Oktober 2014 zu rechtfertigen, hatte Cargolux-CEO Dirk Reich hervorgehoben, dass die Arbeitsbedingungen der italienischen Piloten es ihnen erlauben, 25 Prozent kostengünstiger zu arbeiten und 20 Prozent mehr zu fliegen. Aus Dokumenten, die dem „Luxemburger Wort“ vorliegen, geht jedoch hervor, dass beide Besatzungen pro Jahr exakt dieselbe Anzahl an Blockstunden, maximal 900, absolvieren dürfen. Als Blockstunden wird die Zeit zwischen dem erstmaligen Abrollen eines Luftfahrzeugs bis zum Abstellen aller Triebwerke bezeichnet.

Diese Tatsache wirft ein neues Licht auf die Managementstrategie der Luftfrachtgesellschaft. Gewerkschaften befürchten bereits seit Monaten, dass der Ausbau der italienischen Tochtergesellschaft langfristig eine Bedrohung für den Findel und seine Mitarbeiter darstellen könnte. Bereits dieses Jahr könnten drei weitere Maschinen aus Luxemburg von italienischen Besatzungen bedient werden und nach Luxemburg zurückgeleast werden. Das Management rechtfertigt dies mit dringend nötigen Kosteneinsparungen.

Piloten könnten mehr fliegen

„Das Vorhaben ist wirtschaftlich nicht besonders sinnvoll. Wenn Cargolux-Italia-Piloten die maximalen Blockstunden wie wir fliegen würden, wären sie genauso teuer wie wir, demnach gibt es von dem Standpunkt kaum eine Kostensenkung“, erklärt Dirk Becker, Generalsekretär der Association luxembourgeoise des pilotes de ligne (ALPL) und bezieht sich dabei auf eine Studie, die vor kurzem von der ALPL durchgeführt wurde. Seiner Ansicht nach ist der Ausbau der italienischen Tochtergesellschaft überflüssig: Eine wachsende Anzahl von Fliegern könne mit derselben Anzahl von Piloten aus Luxemburg betätigt werden.

In der Hinsicht sei Luxemburg eigentlich produktiver und zähle 23 Piloten pro Maschine, gegen 29 Piloten pro Flieger in Mailand, so der Pilot. Die Luftfrachtgesellschaft argumentiert ihrerseits, dass pro italienische Crew (ungefähr 25 Piloten) insgesamt zwei Millionen Dollar eingespart werden können. „Rechnet man jedoch die administrativen Kosten der italienischen Airline mit ein, lohnt sich der Mehraufwand kaum. Allein das nötige Aircraft operating certificate (AOC) kostet jedes Jahr mehrere Millionen Dollar“, kontert Dirk Becker.

Außerdem hebt er hervor, dass die kollektivvertraglich vereinbarten maximal möglichen 900 Blockstunden der hiesigen Piloten derzeit noch nicht einmal vollständig ausgeschöpft sind. Zurzeit fliegen luxemburgische Piloten im Durchschnitt zwischen 500 und 600 Blockstunden pro Jahr, genauso viel wie ein Pilot bei Cargolux Italia.

"Es liegt am Kollektivvertrag"

Dem „Chief Financial Officer“ von Cargolux zufolge ist die ganze Sache jedoch nicht so einfach. „Der aktuelle Kollektivvertrag in Luxemburg enthält gewisse Einschränkungen, die dazu führen, dass wir unsere maximale potenzielle Produktivität als reine Frachtgesellschaft nicht erreichen“, bedauert Richard Forson. „Die Arbeitsbedingungen der Cargolux Italia geben uns mehr Flexibilität, um eine höhere Anzahl von Blockstunden zu erreichen“, betont der CFO. Dies bestreiten die luxemburgischen Piloten, die beteuern, dass eine Optimierung ihrer Dienstpläne zu einer Erhöhung der Flugstunden und demnach ihrer Produktivität beitragen könnte.

„Unter dem aktuellen Kollektivvertrag ist es sehr schwer, die Produktivität in Luxemburg zu steigern, ohne dass dadurch bedeutende zusätzliche Kosten, unter anderem durch Überstunden, entstehen. Die Kosten, die mit einem italienischen Piloten verbunden sind, sind fast um ein Drittel geringer als die in Luxemburg“, beteuert Forson. Für eine Airline, die sich auf das Frachtgeschäft beschränke, sei es außerdem unmöglich, die 900 Blockstunden pro Pilot zu erreichen.

Für Dirk Becker steht dennoch fest: „Der Transfer von Flugzeugen nach Italien lohnt sich eigentlich nur deshalb, weil er es ermöglicht, die Bilanz der italienischen Airline zu verbessern, indem die luxemburgische Firma die italienische für das Ausleihen ihrer eigenen Flugzeuge bezahlt und so deren Einnahmen aufpoliert.“ Richard Forson streicht seinerseits hervor, dass die Vergrößerung der italienischen Flotte es ermöglicht, das aktuelle „Aircraft operating certificate“ effizient zu nutzen und Cargolux wettbewerbsfähiger und nachhaltiger aufzustellen.

Ob und wie viele weitere Flugzeuge nach Italien ausgelagert werden, soll nächste Woche entschieden werden. Genau wie die Gewerkschaften und die Pilotenvereinigung, sind auch die Personalvertreter skeptisch. Sie haben sich diese Woche gegen die Ausbaupläne der Cargolux Italia sowie die Gründung einer Joint Venture in China ausgesprochen.


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