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So können Jugendliche ihren Weg ins Berufsleben finden
Wirtschaft 4 Min. 22.09.2021
Projekt Future Generation

So können Jugendliche ihren Weg ins Berufsleben finden

Ariane Toepfer (links) und Kristina Nincevic unterstützen Jugendliche auf dem Weg in die Arbeitswelt.
Projekt Future Generation

So können Jugendliche ihren Weg ins Berufsleben finden

Ariane Toepfer (links) und Kristina Nincevic unterstützen Jugendliche auf dem Weg in die Arbeitswelt.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 4 Min. 22.09.2021
Projekt Future Generation

So können Jugendliche ihren Weg ins Berufsleben finden

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Das Projekt „Future Generation“ von Youth & Work bietet arbeitssuchenden Jugendlichen eine Brücke ins Arbeitsleben.

Noch steht der Raum leer, aber in den kommenden Wochen wird in Luxemburg-Stadt im ehemaligen „Josy Welter“-Geschäft in der Rue Genistre ein „außergewöhnliches“ Projekt entstehen: die Entwicklung und Gründung des weltweit ersten Abfallmuseums „Mud – Musée du déchet“, in Zusammenarbeit mit dem Luxembourg Center for Circular Economy (LCCE). Hier soll das Thema Abfall – von der Entstehung über die Vermeidung bis hin zur Verwertung – für die Öffentlichkeit erlebbar gemacht und eine Sensibilisierung für Abfallvermeidung erzielt werden. Die Eröffnung findet am 7. November statt.

Das Projekt ist auch deshalb so außergewöhnlich, da in den kommenden Wochen vor allem auch Jugendliche hier alle Hände voll zu tun haben werden. Denn: Das Team vom LCCE ist eine Kooperation mit Youth & Work eingegangen, das Jugendlichen ein Sprungbrett in die Arbeitswelt bietet. 

Die Teilnehmer am Projekt.
Die Teilnehmer am Projekt.
Foto: Anouk Antony

Youth & Work ist eine private, gemeinnützige Gesellschaft, die als Ziel hat, junge arbeitssuchende Menschen im Alter zwischen 16 und 29 Jahren auf dem Weg zu einem Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu begleiten. „Wichtig bei unserer Arbeit ist, dass die Jugendlichen freiwillig zu uns kommen und dass wir ein tiefes Vertrauensverhältnis zu den Teilnehmern haben“, sagt Ariane Toepfer, Geschäftsführerin und Coach.

„Wichtig ist auch, dass die Jugendlichen in der Zeit eine persönliche Entwicklung anstoßen, dass sie mit einem höheren Selbstbewusstsein aus dem Programm gehen, im besten Fall mit einem Vertrag oder einer Einschreibung an einer Schule oder Universität.“ Seit mittlerweile zehn Jahren hilft Youth & Work Jugendlichen. Büros gibt es an 13 Orten des Landes. Bis dato haben rund 2.500 Jugendliche an einem Coaching teilgenommen – die Erfolgsquote liegt bei 81 Prozent. 

„Wir drehen den Spieß um“

„In der jahrelangen Arbeit mit den Jugendlichen ist uns aufgefallen, wie viel Potenzial, Talent und Ambition sie eigentlich haben“, sagt Ariane Toepfer. Sie musste allerdings auch feststellen, dass Schulabbrecher, Langzeitarbeitslose und Jugendliche in schwierigen Lebenssituationen heute kaum mehr eine Chance bekommen, sich in den Arbeitsmarkt zu integrieren. „Viele Jugendliche haben Angst. Sie sehnen sich danach, selbst etwas zu schaffen. Viele haben in ihrem Leben niemanden, der an sie glaubt.“ 

Aus dieser Erkenntnis heraus sei bei Youth & Work „ein Traum“ entstanden und die Idee: „Was würde passieren, wenn wir gemeinsam mit Unternehmen, einen Rahmen schaffen, in dem Jugendliche sich ihre Aufgaben aussuchen können, und diese dann konkret umsetzen?“ 

Daraus ist nun das Projekt „Future Generation“ entstanden. „Wir schlagen Unternehmen vor, sich um das Engagement, die Kreativität und das Können der Jugendlichen zu bewerben, um gemeinsam mit ihnen ein nachhaltiges Projekt zu entwerfen und umzusetzen.“ Es müssen nachhaltige Projekte sein, die für das Unternehmen oder die Gesellschaft wichtig sind, betont Ariane Toepfer.


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„Damit drehen wir den Spieß um. Wir wollen nicht mehr, dass die Jugendlichen als Bittsteller bei Unternehmen auftreten – nach dem Motto: Bitte, bitte, haben sie einen Job? Sondern, dass die Unternehmen sich bewerben. Dies gibt den Jugendlichen das Gefühl, dass sie wichtig sind und gebraucht werden, denn sie entscheiden, welche Aufgaben sie für wichtig erachten.“ 

Von A bis Z

Zwischen September 2021 bis Ende 2023 werden 18 Kooperationen mit Unternehmen oder Organisationen umgesetzt, jeweils mit einer Gruppe von 15 Teilnehmern von Youth & Work. Jede Kooperation dauert sechs Wochen und hat zum Ziel, ein nachhaltiges Projekt zu realisieren. „Die Jugendlichen sollen das Projekt planen, konzipieren, umsetzen und zum Schluss erfolgreich an ein Unternehmen übergeben“, erklärt Coach Kristina Nincevic. 

„Die Teilnehmer erhalten den Auftrag, klären die Erwartungen, stellen das Budget auf, übernehmen Verantwortung – sie durchleben sozusagen den gesamten Prozess einer Projektumsetzung, von A bis Z.“ Das Unternehmen begleitet die Jugendlichen während dieser Phase mit ihrer fachlichen Expertise. Und Youth & Work stellt die persönliche Begleitung der Jugendlichen sicher, in Form eines Einzel- oder Gruppencoachings. 


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Das Motto heißt „Learning by doing“. „Future Generation baut so eine Brücke in die Wirtschaft. Auf diese Weise bekommen die Jugendlichen positives und konstruktives Feedback, Anerkennung und werden selbstwirksam. Zum Schluss hat jeder einzelne Teilnehmer im besten Fall einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz. Wenn nicht, bleibt er bei uns, bis er seinen Vertrag unterschreibt“, sagt Kristina Nincevic und richtet sich an die Jugendliche: „Wer sich davon angesprochen fühlt, soll sich bei uns melden“. 

In den nächsten Tagen geht es mit dem ersten Projekt los: Das Konzept des Abfallmuseums soll bereits in sechs Wochen Gestalt annehmen – mit der Unterstützung von Jugendlichen.

„Es passte perfekt“

Für das Projekt konnte Youth & Work die Fondation André Losch und die Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte begeistern, die sich bereit erklärten, „Future Generation“ während der Laufzeit bis Ende 2023 zu finanzieren. „Die André-Losch-Stiftung unterstützt Projekte, die sich für junge Menschen einsetzen, damit diese ihr Potenzial voll entfalten können. Das Projekt Future Generation passt perfekt in diesen Rahmen“, sagt Daniela Ragni, die Direktorin der Stiftung. 

Auch Emile Lutgen, Direktor der Oeuvre nationale de secours Grande-Duchesse Charlotte, musste nicht lange überlegen, als er gefragt wurde. „Die Oeuvre hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Menschen, die arbeitslos sind, die die Schule abgebrochen haben oder sich in einer prekären Situation befinden, zu helfen, ihren Weg in die Ausbildung oder ins Berufsleben zu finden. Die Initiative von Youth & Work erfüllt diesen Bedarf perfekt, sowohl dank des Einzel- und Gruppencoachings als auch durch die aktive Einbeziehung potenzieller künftiger Arbeitgeber“, sagt er. Als Kooperationspartner stehen dem Team von Work & Youth die Chambre des métiers, die Chambre des salariés und die Chambre de commerce zur Seite.

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