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Showdown für Cargolux Italia
Wirtschaft 4 Min. 23.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Gewerkschaften sind besorgt

Showdown für Cargolux Italia

Richard Forson, CFO von Cargolux, zeigte sich bei der Pressekonferenz am Freitag besorgt. Nur ein Ausbau der Tochtergesellschaft könne die Wettbewerbsfähigkeit der Frachtgesellschaft steigern.
Gewerkschaften sind besorgt

Showdown für Cargolux Italia

Richard Forson, CFO von Cargolux, zeigte sich bei der Pressekonferenz am Freitag besorgt. Nur ein Ausbau der Tochtergesellschaft könne die Wettbewerbsfähigkeit der Frachtgesellschaft steigern.
Gerry Huberty
Wirtschaft 4 Min. 23.02.2015 Aus unserem online-Archiv
Gewerkschaften sind besorgt

Showdown für Cargolux Italia

Nach monatelanger Ungewissheit dürfte heute die Entscheidung über den Ausbau der italienischen Tochtergesellschaft im Verwaltungsrat der Cargolux fallen.

(lb) - Eigentlich hätte die Entscheidung über den Transfer von drei weiteren Flugzeugen zur Cargolux Italia bereits in der letzten Verwaltungsratssitzung der Frachtgesellschaft fallen sollen, die Ende Januar stattfand. Doch hatten sich seine Mitglieder nicht auf den Haushalt für 2015 festlegen und erst die Meinung des gemischten Gesellschaftsausschusses abwarten wollen. Ohne Überraschung haben sich die Personalvertreter letzte Woche gegen das Vorhaben ausgesprochen, vor dem Gewerkschaften schon seit Monaten warnen. Eine solche Outsourcing-Politik könnte ihrer Ansicht nach den Standort Luxemburg langfristig bedrohen.

Nun liegt der Ball bei den Verwaltungsratsmitgliedern, die sich heute treffen und eine Entscheidung fällen dürften. Im Haushalt sind demnach die Kosten eines solchen Transfers sowie die nötige Einstellung von italienischen Piloten, die die Flieger dann von Luxemburg aus bedienen sollen, festgehalten.

Cargolux Italia als "einzige Lösung"

Dass der Ausgang sowohl das Cargolux-Management als auch die Gewerkschaften beunruhigt, zeigt die Tatsache, dass beide Parteien am Freitag in letzter Minute Pressekonferenzen einberiefen, um noch einmal ihre Position darzulegen und zu verhindern, dass die Darstellung in den Medien gegen ihre eigenen Interessen verstößt und möglicherweise vom Verwaltungsrat selbst als kritisch betrachtet werden könnte.

Cargolux-CEO Dirk Reich und CFO Richard Forson unterstrichen erneut, dass der Ausbau der Cargolux Italia die einzige Möglichkeit sei, defizitäre Flugstrecken nach Afrika und Lateinamerika beizubehalten und so Arbeitsplätze in Luxemburg zu sichern. Auch seien Kosteneinsparungen unumgänglich, wenn man gegen die internationale Konkurrenz ankommen wolle. Die Abwesenheit eines Kollektivvertrags in Italien ermögliche es, die Kosten einer geflogenen Blockstunde um ein Drittel zu verringern. Pro Flugzeug mit italienischer Crew spare man so jährlich zwei Millionen Dollar. Dies erklärt demnach, wieso man die Flotte in Mailand von zwei auf fünf Maschinen anheben will. Flugrouten aus Luxemburg seien dennoch nicht bedroht, da diese weiterhin, unter italienischem Zertifikat, geflogen werden. Außerdem erwarte Cargolux dieses Jahr die Lieferung zwei neuer Maschinen, welche den Transfer nach Italien begrenzen solle.

Doch überzeugen diese Argumente die Gewerkschaften nicht. „Fakt ist, dass mit dem Abgang von drei Maschinen und der Ankunft zwei neuer dennoch ein Flieger weniger als bisher von luxemburgischen Piloten geflogen werden wird“, bemängelt Aloyse Kapweiler vom LCGB.

Produktivität in Luxemburg steigern

Die Pilotenvereinigung unterstreicht ihrerseits, dass luxemburgische Piloten ohne zusätzliche Kosten für die Firma 20 Prozent mehr fliegen könnten, wenn ihre Dienstpläne effizienter aufgestellt wären. „Dies würde bedeuten, dass jeder Pilot, ohne Überstunden, pro Monat 8 Stunden mehr fliegen müsste, ohne dadurch länger zu arbeiten“, so Dirk Becker von der Association des pilotes de ligne (ALPL). So könnten die luxemburgischen Piloten mehr Flugzeuge betätigen und mehr Fracht transportieren. Auch könnte man sich so die Neueinstellungen in Italien sparen. „Ob ihre Piloten billiger sind als unsere oder nicht, ändert an sich nichts, denn das Personal in Luxemburg zahlt man ohnehin, neues Personal in Italien bedeutet aber Zusatzausgaben“, betont Dirk Becker.

Keine Einigung über Einsparungen

„Das Vorhaben lohnt sich nicht, wenn man betrachtet, dass Cargolux Italia seit ihrem Bestehen Verluste von ungefähr 20 Millionen Dollar eingefahren hat und durch die zunehmende Konkurrenz in Mailand wird es immer unwahrscheinlicher in den nächsten Jahren dort Profit zu erzeugen“, so Dirk Becker. Außerdem verliert auch der luxemburgische Staat bei dem Vorhaben. „Dadurch dass italienische Piloten anstatt von luxemburgischen eingestellt werden, verliert der Staat hier pro Jahr etwa 5 Millionen Dollar an Einkünften“, rechnet Aloyse Kapweiler vor.

LCGB und ALPL haben dem Management Alternativvorschläge unterbreitet, die Ersparnisse in Höhe von 12 Millionen Dollar in drei Jahren ermöglichen sollten. Doch kontert Cargolux: „Diese Ersparnisse sind weiter unter denen, die wir mit Cargolux Italia erwirtschaften wollen. Ab nächstem Jahr wären dies 10 Millionen Dollar pro Jahr.“

Erhalt der Arbeitsplätze

Die Notwendigkeit Cargolux Italia auszubauen sei umso dringender, nachdem Verhandlungen mit den Gewerkschaften gescheitert sind und der LCGB die Vorschläge des Managements zur Kosteneinsparung stets verneint habe. Zu den Forderungen von Cargolux gehören ein niedrigeres Startgehalt für zukünftige Piloten, ein geringeres Gehalt bei einer Beförderung zum Kapitän und eine Ausdehnung jener Tage, an denen die Piloten für die Frachtgesellschaft zur Verfügung stehen (Duty days).

Das Management betont, dass der Erhalt der Arbeitsplätze in Luxemburg weiterhin zu seinen Prioritäten zählt. Mit der Ankunft zwei neuer Maschinen würde die Frachtgesellschaft hier 100 neue Jobs schaffen. Auch ihre Partnerunternehmen wie Luxair Cargo und die Unterlieferanten würden dadurch insgesamt 200 neue Arbeitsplätze schaffen, rechnet die Gesellschaft vor.

Cargolux betont außerdem, den Standort in Italien nicht unendlich ausbauen zu wollen. CEO Dirk Reich wollte sich dennoch nicht auf eine maximale Anzahl von dort stationierten Flugzeugen festlegen.

Hintergrund: Was ist Cargolux Italia?

Die Tochtergesellschaft wurde 2008 von Cargolux gegründet um von Mailand aus Strecken nach Hongkong und Osaka zu bedienen. Begründet wurde dies damit, dass nur so die nötigen Flugrechte erteilt werden könnten. Im Herbst 2014 wurde dann eine zweite Maschine von Luxemburg nach Italien verlagert, die erstmals dieselben Strecken wie die Mutterfirma flog, weil dies Kosteneinsparungen ermögliche, so die Airline. Die Gesellschaft betreibt zur Zeit in Italien zwei Flugzeuge und zählt insgesamt 62 Piloten.


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