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Schwache Daten: Chinas Außenhandel sorgt für zusätzlichen Kummer
Wirtschaft 3 Min. 09.08.2016 Aus unserem online-Archiv

Schwache Daten: Chinas Außenhandel sorgt für zusätzlichen Kummer

Mit so schlechten Werten hatten selbst pessimistische Analysten nicht gerechnet.

Schwache Daten: Chinas Außenhandel sorgt für zusätzlichen Kummer

Mit so schlechten Werten hatten selbst pessimistische Analysten nicht gerechnet.
REUTERS
Wirtschaft 3 Min. 09.08.2016 Aus unserem online-Archiv

Schwache Daten: Chinas Außenhandel sorgt für zusätzlichen Kummer

Linda CORTEY
Linda CORTEY
Trotz massiver Konjunkturhilfen und einer lockeren Geldpolitik kommt Chinas Wirtschaft nicht so recht auf die Beine. Nun bricht auch der Außenhandel ein.

Von Felix Lee

Noch vor einem Monat sahen chinesische Ökonomen Licht am Ende des Tunnels. Nach fast zwei eher wirtschaftsschwachen Jahren hatten sie gehofft, dass Chinas Wirtschaft wieder kräftiger wachsen würde. Doch weit gefehlt: Nach Bekanntgabe der aktuellen Außenhandelszahlen macht sich nun wieder Katerstimmung breit.

Die Zollverwaltung in Peking gab am Montag bekannt, dass Chinas Exporte im Juli in US-Dollar gerechnet um 4,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat gefallen sind. Noch dramatischer sieht es bei den Einfuhren aus: Sie gingen um 12 Prozent zurück. Mit so schlechten Werten hatten selbst pessimistische Analysten nicht gerechnet.

"Wirklich nicht gut"

„Die Zahlen sind wirklich nicht gut", urteilte die in Shanghai ansässige unabhängige Ökonomin Ye Tan. Und sie warnt: Hätte die chinesische Zentralbank nicht gegengesteuert, sähen die Werte noch dramatischer aus. Dass die Exporte nicht noch schwächer ausgefallen seien, liege vor allem am schwachen Yuan.“ In der Tat hat die der chinesischen Regierung unmittelbar unterstehende Notenbank in den vergangenen Monaten die chinesische Landeswährung stetig abgewertet. In Yuan gerechnet sehen die Zahlen denn auch nicht ganz so dramatisch aus: Die Exporte legten demzufolge um 2,9 Prozent zu, die Importe sanken lediglich um 5,7 Prozent.

Doch auch diese statistisch aufgehübschten Zahlen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Stimmung in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt schlecht ist. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen verzeichneten einer Umfrage zufolge schrumpfende Geschäfte. Der vor einer Woche offizielle Einkaufsmanagerindex sank auf 49,9 Punkte. Erst bei 50 Zählern rechnen die Unternehmer mit Wachstum.

Dabei hatten im Juni viele Ökonomen noch mit einer Aufhellung der chinesischen Konjunktur gerechnet. Nach einem heftigen Börsenkrach zu Beginn des Jahres war die chinesische Regierung mit neuen Konjunkturprogrammen eingesprungen. Sie hatte angekündigt, in den nächsten drei Jahren vor allem den von alten Industrien geprägten „Rostgürtel“ im Nordosten des Riesenreichs wirtschaftlich beleben zu wollen.

Die Kreditvergabe wurde massiv ausgeweitet

Ausgaben von umgerechnet rund 220 Milliarden Euro seien geplant, hatte ein hochrangiger Regierungsbeamter versprochen. Zudem wurde die Kreditvergabe massiv ausgeweitet. Allein im Juni verliehen chinesische Banken umgerechnet rund 14 Milliarden Euro. Das Wirtschaftswachstum lag im ersten Halbjahr denn auch bei 6,7 Prozent, immerhin 0,1 Prozentpunkte mehr als zu Jahresbeginn noch erwartet wurde.

Dass nun trotz dieser massiven Hilfen insbesondere der Außenhandel, aber auch die chinesische Wirtschaft insgesamt dennoch schwächelt, führt Chinas Nationales Statistikbüro unter anderem auf das Votum der Briten zurück, die mit der Brexit-Entscheidung die Europäische Union verlassen wollen. Das belaste die Stimmung, sagte ein Regierungsvertreter. Und die EU sei immerhin Chinas größter Handelspartner.

Die Stahlindustrie kämpft mit massiven Überkapazitäten

Doch auch ohne den schwachen Europa-Handel wachsen in China die Zweifel, ob das mehr als zwei Jahrzehnte wachstumsverwöhnte Land den Umbau seiner in vielen Teilen nicht mehr effizienten Wirtschaft hinbekommt. Vor allem die rapide Ausweitung von Krediten macht vielen Ökonomen Sorge. Sie fürchten, dass die Schuldenlast vor allem der unproduktiven Staatsbetriebe vielen Geldinstituten faule Kredite bescheren könnte und die gesamte Bankenbranche in den Abgrund zerren könnte. Vor allem die chinesische Stahlindutrie kämpft mit massiven Überkapazitäten. „Der Abwärtsdruck ist groß“, gab ein Regierungsvertreter vergangene Woche zu.

Ebenfalls abwärts geht es mit Chinas Währungsreserven, die das Land in den vergangenen Jahren vor allem aus seinen Exportüberschüssen angehäuft hat. Sie schmolzen innerhalb von einem Jahr um mehr als eine halbe Million US-Dollar. Es handelte sich um den ersten Rückgang, seitdem das Land Anfang der 80er Jahre seine Märkte öffnete. Mit rund 3,2 Billionen Dollar verfügt China aber auch weiterhin mit Abstand über den größten Devisenschatz der Welt. 


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