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Schutz gegen Internetrisiken: Mit Netz und doppeltem Boden
Wirtschaft 4 Min. 21.05.2015

Schutz gegen Internetrisiken: Mit Netz und doppeltem Boden

Jan Guth, Aktivist und Präsident des Chaos Computer Club (CCC) Luxemburg, sprach über die Problematik der Metadaten.

Schutz gegen Internetrisiken: Mit Netz und doppeltem Boden

Jan Guth, Aktivist und Präsident des Chaos Computer Club (CCC) Luxemburg, sprach über die Problematik der Metadaten.
Foto: Guy Jallay
Wirtschaft 4 Min. 21.05.2015

Schutz gegen Internetrisiken: Mit Netz und doppeltem Boden

Wie können sich Bürger im weltweiten Datennetz gegen Gefahren schützen und was kann eine Versicherung dazu beitragen? Auf einer Konferenz der Gesellschaft AXA sprach u. a. Jan Guth, Präsident des Chaos Computer Clubs Luxemburg.

(aa) - Bereits vor zwei Jahren verfügten fast alle luxemburgischen Haushalte über einen Internetzugang. Das geht aus der Publikation „Regards“ des Statistikamtes Statec vom Februar 2014 hervor. Demnach lag die Abdeckung im Jahr 2013 schon bei rund 95 Prozent. 87 Prozent der luxemburgischen Internetnutzer waren jeden Tag online. Knapp 60 Prozent der Internetnutzer gaben damals an, außerhalb ihrer Wohnung und Arbeitsstätte mit dem Handy zu surfen. Inzwischen dürfte diese Individualisierung des Zugangs durch den Erfolg der Smartphones noch weiter fortgeschritten sein. Sich dem zu verweigern, käme einer sozialen Marginalisierung gleich. Das Internet ist nicht mehr die vielzitierte Parallelwelt, es ist Teil der Gesellschaft.

Vertrauen und Leichtsinn liegen eng beieinander

Jeder hat heute sein Smartphone und damit das Internet ständig dabei und hinterlässt Unmengen von Datenspuren. Vertrauen und Leichtsinn liegen eng beieinander, wenn sorglos Informationen von dem vertrauten Gerät über das Netz gesendet werden, sei es um Einkäufe oder Bankgeschäfte zu tätigen, um Nachrichten über soziale Medien zu teilen oder um irgendwelche Webseiten aufzurufen.

Ärger kann es z. B. mit Bekannten oder Fremden geben, die sich im Internet duch eine achtlose Bemerkung oder ein Foto verunglimpft fühlen. Oder man geht Kriminellen auf den Leim, die eine seriöse Internetseite nachgebildet haben, um sich sensible Daten wie Passwörter zu erschleichen. Nicht zuletzt gibt es zahlreiche Unternehmen, die großes Interesse an bestimmten Daten der Internetnutzer haben, um sie gewinnbringend zu verwenden.

Konferenz zum Thema E-Reputation und Datenschutz

Die Versicherungsgesellschaft AXA hatte am Donnerstag zu einer Konferenz im Coworking Space Nyuko in Hollerich eingeladen um das Thema E-Reputation und Möglichkeiten zum Schutz persönlicher Daten zu erörtern. Teilnehmer waren neben Vertretern der Versicherungsgesellschaft auch Jan Guth, Aktivist und Präsident des Chaos Computer Club (CCC) Luxemburg, sowie die Juristin Emmanuelle Ragot (Wildgen Partners). 

Nyuko ist aus der Fusion von Business Initiative und The Impactory hervorgegangen. Seit April hat das Coworking Space in der Rue de Hollerich geöffnet.
Nyuko ist aus der Fusion von Business Initiative und The Impactory hervorgegangen. Seit April hat das Coworking Space in der Rue de Hollerich geöffnet.
Foto: Guy Jallay

Jan Guth griff das Thema der Metadaten auf. Metadaten sind Informationen über Merkmale anderer Daten. Sie werden von Nutzern automatisch generiert, z. B. wenn Texte oder Bilder neuangelegt oder verändert werden oder wenn Nachrichten versendet und Telefonanrufe getätigt werden. Metadaten umfassen z. B. den Dateinamen, die Zugriffsrechte, das Datum der letzten Änderung, Positionsdaten, wer wen wann angerufen hat u.v.m. Mit diesen Daten können Spezialisten Profile der Nutzer erstellen, sei es zu kommerziellen oder kriminellen Zwecken.

Der CCC-Präsident nannte das Beispiel eines Hackers, der anhand eines leichfertig geposteten Fotos identifiziert und festgenommen wurde, weil in den Metadaten des Fotos auch Längen und Breitengrad des Ortes gespeichert waren, wo das Bild aufgenommen worden war. Außerdem zeigte Guth, dass man aus hochauflösenden Bildern oder Plakaten Irisdaten und Fingerabdrücke auslesen kann, um damit Zugangskontrollen zu überlisten. Um Metadaten zu entfernen bzw. weniger Spuren zu hinterlassen, empfahl Guth das „Metadata Anonymisation Toolkit“ sowie den Tor Browser zu nutzen und verwies auf die Arbeit der „Frënn vun der Ënn asbl“

Neuregelung des Datenschutzes noch in diesem Jahr?

Unabhängig von der Frage, ob es mit den aufgezeigten Mittel tatsächlich möglich ist, sämtliche Datenspuren zu verwischen, besteht ein legitimes Interesse bestimmte Nutzerdaten zum Vorteil von Unternehmen und Kunden zu verwenden, wenn beide damit einverstanden sind. Das ist ein Thema, mit dem sich insbesondere die Versicherungsbranche schon länger beschäftigt, um beispielsweise günstige Tarife an ein vorsichtiges Fahrverhalten zu koppeln.

Die Juristin Emmanuelle Ragot sprach die geplante EU-Datenschutzreform an und hob die Notwendigkeit hervor, die europäischen Gesetzesrahmen abzuändern.
Die Juristin Emmanuelle Ragot sprach die geplante EU-Datenschutzreform an und hob die Notwendigkeit hervor, die europäischen Gesetzesrahmen abzuändern.
Foto: Guy Jallay

Die Juristin Emmanuelle Ragot sprach die geplante EU-Datenschutzreform an und hob die Notwendigkeit hervor, die europäischen Gesetzesrahmen abzuändern. Wichtige Punkte der Novellierung wären z. B. das Recht auf Vergessenwerden oder die Nutzung von Metadaten zu kommerziellen Zwecken. Die geltende Datenschutzrichtlinie stammt noch aus dem Jahr 1995, also aus einer Zeit, als das Internet langsam den Weg in die Privathaushalte fand. Möglicherweise kann der Datenschutz noch in diesem Jahr unter luxemburgischen Ratsvorsitz neu reglementiert werden. Allerdings wird um die Ausgestaltung heftig gefochten, und mächtige Lobbyisten haben ein Auge darauf, da ihre Interessen auf dem Spiel stehen. 

Eine Versicherung gegen Internetrisiken

Olivier Vansteelandt, CIO von AXA Luxemburg, vertrat die Ansicht, dass der juristische Rahmen niemals ausreichen werde, die Internetnutzter vollständig vor allen Gefahren zu schützen, nicht zuletzt durch das Tempo mit dem die technische Entwicklung voranschreite. Sensibilisierung spiele eine wichtige Rolle und man könne zusätzlich auf technische Vorsichtsmaßnahmen zurückgreifen. Letztlich bleibe aber immer ein gewisses Restrisiko, so dass sich kürzlich AXA entschlossen habe, ein Versicherungsprodukt auf den Markt zu bringen, dass gegen Risiken wie Rufschädigung, Identitätsdiebstahl, Missbrauch von Zahlungsmitteln und Streitigkeiten beim Onlinekauf schützen soll.


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