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Schneider: Verkauf war nicht absehbar
ArcelorMittal bietet Werk Dudelange, Düdelingen zum Verkauf, Foto Lex Kleren

Schneider: Verkauf war nicht absehbar

Lex Kleren
ArcelorMittal bietet Werk Dudelange, Düdelingen zum Verkauf, Foto Lex Kleren
Wirtschaft 12.06.2018

Schneider: Verkauf war nicht absehbar

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Wirtschaftsminister Etienne Schneider hat sich gut einen Monat nach der Entscheidung der EU-Wettbewerbshüter noch einmal zu den Fusionsplänen des Stahlkonzerns ArcelorMittal geäußert, die einen Verkauf des Werkes in Düdelingen nach sich ziehen.

Der Kauf des italienischen Werkes Ilva durch ArcelorMittal sei im Zuge des Tripartite-Abkommens „Lux2019“ im vergangenen Herbst nicht berücksichtigt worden. Das teilte Wirtschaftsminister Etienne Schneider am Montag auf eine parlamentarische Dringlichkeitsanfrage des CSV-Abgeordneten Marc Spautz vom 7. Mai mit.


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Marc Spautz hatte sich erkundigt, ob die Regierung zum Zeitpunkt der Unterzeichnung des besagten Tripartite-Abkommens über die Übernahmepläne informiert war und ob dies eine Rolle bei der Stahltripartite gespielt habe. Der Wirtschaftsminister teilte noch mit, dass es, obschon in Vorbereitung, damals in keinster Weise absehbar gewesen sei, dass der Kauf von Ilva zum Verkauf eines luxemburgischen Stahlwerks führen würde.

Zum Hintergrund: Die EU-Kommission hatte am 7. Mai unter Auflagen grünes Licht für die Übernahme von Ilva durch ArcelorMittal signalisiert. Die Entscheidung ist an ein Veräußerungspaket geknüpft, das ArcelorMittal den Wettbewerbshütern zuvor selbst geschnürt hatte. Dazu gehört unter anderem das Galvanisierungswerk in Düdelingen.

In seiner Antwort an Marc Spautz vom 11. Juni – der Charakter der Dringlichkeit der parlamentarischen Anfrage wurde nicht anerkannt - schreibt Wirtschaftsminister Etienne Schneider weiter, EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager habe ihm erst kürzlich in einem Brief versichert, dass die Kommission den Verkaufsprozess des Düdelinger Werkes genau verfolgen werde.

Der Verkauf des Werkes im Süden Luxemburgs könne dabei nur unter der Voraussetzung erfolgen, dass der Käufer über die erforderlichen Kompetenzen und Kapazitäten verfüge und sich zum Ziel setze, den Betrieb in Düdelingen aufrechtzuerhalten. Mit der Transaktion sei bis zum Jahresende zu rechnen.


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Der Wirtschaftsminister selbst will auch selbst ein Auge auf die Veräußerung von ArcelorMittal Düdelingen haben und dass die im Zuge des Tripartite-Abkommens „Lux2019“ gemachten Zugeständnisse eingehalten werden. Für wenig realistisch erachtet Etienne Schneider in seiner Antwort an Marc Spautz hingegen die Möglichkeit, dass der luxemburgische Staat Gesellschafter jenes Unternehmens würde, das das Düdelinger Werk übernimmt.


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