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Schmerzhafte Zwangspause für Luxemburger Wirte
Wirtschaft 2 Min. 18.03.2020

Schmerzhafte Zwangspause für Luxemburger Wirte

Luxemburg im März 2020: leere Tische bei schönem Wetter. Bei manchem Restaurant- und Gaststättenbetreiber sitzt der Schock über die verordnete Zwangsschließung tief.

Schmerzhafte Zwangspause für Luxemburger Wirte

Luxemburg im März 2020: leere Tische bei schönem Wetter. Bei manchem Restaurant- und Gaststättenbetreiber sitzt der Schock über die verordnete Zwangsschließung tief.
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 2 Min. 18.03.2020

Schmerzhafte Zwangspause für Luxemburger Wirte

Marco MENG
Marco MENG
Der Schock über die verordnete Schließung von Restaurants und Gaststätten sitzt bei manchem tief. Hält die Krise an, wird das wohl nicht jeder Betrieb überleben.

Gut für den, der eh für eine Renovierung schließen wollte. Alle anderen müssen versuchen, das Beste aus der Situation zu machen. Beim Hotellerie- und Gaststättenverband Horesca stehen jedenfalls seit Montag die Telefone nicht mehr still: Existenzängste gehen um

Denn als Premierminister Xavier Bettel am Sonntagabend bekanntgab, dass Restaurants und Gaststätten in Luxemburg bis inklusive 22. März zu schließen sind, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen, war das für die Branche ein schwerer Schlag. 

François Koepp, Horesca-Generalsekretär, berichtet davon, dass die Unsicherheit groß ist. Er geht sogar davon aus, dass die Schließung über zwei Wochen hinaus bestehen bleiben wird. Sollte es tatsächlich länger dauern, wird es manch ein Gastronomiebetrieb nicht überleben. 

 Wir müssen jetzt zusammenstehen und solidarisch sein.

Die Branche müsse nun zusammenstehen und solidarisch sein, um die Krise zu meistern, sagt Koepp. So könnten beispielsweise Betriebe, die Auslieferungen anbieten, mit solchen, die das nicht können, kooperieren. 

Verstärkt Menus ausliefern

Das Restaurant von Léa Linster, das ihr Sohn Louis übernommen hat, hat inzwischen die meisten der 18 Mitarbeiter in Urlaub geschickt. Schon vorher bot das Restaurant Großabnehmern die Möglichkeit, Lieferungen nach Hause zu bestellen. 

Wegen der stark zugenommenen Nachfrage ist das Restaurant jetzt dazu übergegangen, auch Privatabnehmer zu beliefern und ihnen unter Umständen auch die Abholung von Gerichten anzubieten, wie Restaurantmanagerin Njomza Linster erklärt. 

Louis Linster (li.) kocht weiter: Kann der Gast nicht zu mir kommen, bringe ich das Essen zum Gast, so das Motto.
Louis Linster (li.) kocht weiter: Kann der Gast nicht zu mir kommen, bringe ich das Essen zum Gast, so das Motto.
Foto: Guy Wolff

Ein bisschen hängen die Betriebe dennoch in der Luft, sagt sie. Denn man wisse nicht genau, wie lange die Krise dauere und wie groß die finanziellen Belastungen am Ende tatsächlich sein werden. Auch Linster geht davon aus, dass die Restaurants länger geschlossen bleiben als zwei Wochen. Das wäre aber wahrscheinlich trotz der Kosten sogar gut, meint sie, denn die Epidemie müsse schließlich abklingen. 


Der Päsident der Handelskammer, Luc Frieden, bietet den Betrieben eine "pragmatische, schnelle und wirksame" Hilfe an.
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Lucien Houdremont, Inhaber des Hotels Saint-Nicolas & Spa und dem Restaurant Lohengrin in Remich, hat sein Personal ebenfalls freigestellt. Er begrüßt, dass die Regierung eine Reihe von Maßnahmen ergriffen hat, die finanziellen Einbußen für Unternehmen so weit es geht abzufedern. 

Die Unternehmen müssten sich nun so organisieren, dass sie die Durststrecke durchstehen, sagt er. Sollte diese Durststrecke aber länger dauern, werden das einige Betriebe nicht überleben, ist auch Houdremont sicher. Er selbst bietet keinen Liefer- oder Abholservice an, denn darauf hat er sein Unternehmen nicht ausgerichtet. Nun hängt alles davon ab, wie lange der Betrieb geschlossen bleiben muss. 

Alain Bousson, Geschäftsführer der Pissinger Hütte und anderer Lokale in Luxemburg, hätte sich gewünscht, wenn man die Betriebe früher informiert hätte: so gab es von der Ankündigung bis zur Schließung nur sechs Stunden Zeit – und das mit einem vollen Lager an frischen Waren. „Ich hoffe, der Staat hilft“, sagt der Gastronom, denn dass man Steuern oder Versicherungsbeiträge später zahlen könne, schiebe nur das Problem auf ohne es zu lösen.

Hotelzimmer für Pendler 

Das Wirtschaftsministerium hat kürzlich die Hotelbetreiber angeschrieben: Damit Grenzgänger, die im Gesundheitswesen arbeiten, auf dem Weg zur Arbeit nicht an der Grenze aufgehalten werden, könnte ihnen und ihren Familien angeboten werden, in Hotels in Luxemburg unterzukommen

Ein kleiner Ausgleich für die Hotelbetreiber denn für die Kosten kommt der Staat auf. Mittlerweile sollen 2.000 Zimmer zur Verfügung stehen. Rund 70 Prozent der Beschäftigten im Gesundheitswesen kommen aus den Nachbarländern. 


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