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Schienen für die Tram von ArcelorMittal
Wirtschaft 12 5 Min. 30.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Schienen für die Tram von ArcelorMittal

Roland Bastian, Chef von ArcelorMittal Luxembourg: Die Luxemburger Werke laufen

Schienen für die Tram von ArcelorMittal

Roland Bastian, Chef von ArcelorMittal Luxembourg: Die Luxemburger Werke laufen
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 12 5 Min. 30.01.2019 Aus unserem online-Archiv

Schienen für die Tram von ArcelorMittal

Marco MENG
Marco MENG
Dass der Stahlhersteller zum Neujahrsempfang ausgerechnet nach Bissen lädt, hat fast etwas Symbolhaftes

Das ArcelorMittal-Werk in Rodingen produziert bekanntermaßen Schienen und baute damit unter anderem an der Straßenbahn von Tunis oder der von Kaohsiung in Taiwan mit. Dass es auch welche für die Luxtram lieferte, war bislang nicht bekannt. 

Ursprünglich waren die Stahlspuren der Tram von British Steel (ehemals Tata Steel) geliefert worden, doch für den Abschnitt zwischen Place de l'Étoile und Hauptstadtbahnhof musste Rodingen einspringen, so dass dort auch Schienen „made in Luxembourg“ verlegt werden.

Das wurde gestern anlässlich des Neujahrsempfangs von ArcelorMittal Luxembourg bekannt. Nun warte man für weitere künftige Tram-Strecken auf die Ausschreibung, wie Roland Bastian, Chef der Arcelor-Mittal-Werke im Großherzogtum, gestern sagte.

Traditionell informierte das Stahlunternehmen beim Neujahrsempfang über die Aktivitäten und Perspektiven seiner Standorte in Luxemburg. Ort der Veranstaltung war diesmal das Drahtwerk in Bissen. 2016 hatte der Konzern diese Fabrik noch verkaufen wollen.

ArcelorMittal wollte damals Bissen nicht loswerden, weil etwa das Geschäft mit Drähten nicht profitabel wäre, sondern weil es nicht passend in die Gesamtstrategie des Konzerns schien Nun zählt die Fabrik in Bissen bald 390 Mitarbeiter, von denen dann etwa 40 bis März neu hinzugekommen sind.

Warten auf EU-Genehmigung zum Verkauf von Düdelingen

Angesprochen auf das Werk Düdelingen, das der Konzern an Liberty House verkauft hat – eine Genehmigung durch die EU-Kommission steht noch aus -, erklärt Länderchef Bastian, dass das keine Initiative des Konzerns gewesen sei, sondern von der EU-Kommission verlangt wurde.

Mit Liberty House habe man aber einen Käufer gefunden, der das Werk fortführen werde. Weil ArcelorMittal Ilva in Italien übernehmen will, musste sich der Stahlhersteller von anderen Werken trennen, darunter Düdelingen. Eine Entscheidung Brüssels wird bis Ende März erwartet.

Investitionen sollen sich bezahlt machen

Bastian betont, dass 2019 für die fünf Luxemburger Werke ein Jahr der Umsetzung sein werde. In den letzten beiden Jahren investierte der Konzern signifikant in seine Luxemburger Fabriken, unter anderem fast 40 Millionen Euro in Differdingen. Diese Investments müssen sich nun auszahlen.

In Luxemburg zählt ArcelorMittal mehr als 4 000 Mitarbeiter, die letztes Jahr 2,2 Millionen Tonnen Stahl herstellten. Den Beitrag, den der Stahlkonzern zur lokalen Wirtschaft leiste, beziffert ArcelorMittal auf knapp 489 Millionen Euro.

Besonders stolz ist Bastian darauf, dass es gelang, die Zahl der Arbeitsunfälle drastisch zu senken. Gab es 2007 noch 48 Arbeitsunfälle, also rund einen pro Woche, hat sich die Sicherheit erheblich verbessert auf zuletzt drei Unfälle im Jahr. Im vergangenen Jahr verlief allerdings einer besonders tragisch, und ein Arbeiter verstarb.

Die großen Sorgen der europäischen Branche

Was dem Konzern und der gesamten europäischen Branche nach wie vor Sorge bereitet, so Michel Wurth, Präsident des Verwaltungsrats von ArcelorMittal Luxembourg, sind die weltweiten Überkapazitäten an Stahl, und die Tatsache, dass die USA ihren Markt durch Zölle abschotten. Das trifft zum einen den europäischen Stahlexport – etwa zehn Prozent des in Luxemburg produzierten Stahls wird bislang in den Vereinigten Staaten abgesetzt – zum anderen strömt Stahl aus China, der nicht mehr in die USA importiert wird, auf den europäischen Markt. Das zweite, was die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Stahlindustrie angreift, sind die hohen europäischen Umweltstandards und das Regime der CO2-Zertifikate. Die Standards seien gut, so Wurth, es müsse aber ein global einheitliches „level playing field“ geschaffen werden.

Die CO2-Zertifikate verursachen für die europäischen Betriebe hohe Kosten“, begründet Wurth, wobei die Stahlbranche ganz besonders betroffen sei, weil in der Stahlbranche die frei zugeteilten Emissions-Zertifikate schneller auslaufen, also weniger werden, als in anderen Branchen wie Chemie- oder Zementindustrie. ArcelorMittal-Landeschef Bastian verweist in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen Projekte, die der Stahlhersteller gestartet hat, um in seinen Werken die Emissionen zu mindern, unter anderem durch Umwandlung in Bioethanol. „Wir in Luxemburg sind an der Wurzel dieser Entwicklung“, so Bastian.

Ein weiteres großes Projekt ist aktuell die neue Konzernzentrale. Mit der Stadt Luxemburg und dem Fonds Kirchberg wird derzeit die Fassade des künftigen Gebäudes diskutiert, das dort 2021 entstehen und sich harmonisch ins Stadtbild einfügen soll.

Seine Bilanzzahlen für 2018 wird der Stahlkonzern in der Woche vom 4. Februar veröffentlichen.


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Wi , PK ArcelorMittal , Site de Differdange , Stahl , Stahlindustrie , anc Arbed , Roland Bastian , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
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