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Schicke E-Autos und dicke SUVs: Der „schöne Schein“ der IAA
Wirtschaft 16 3 Min. 10.09.2019

Schicke E-Autos und dicke SUVs: Der „schöne Schein“ der IAA

Die Zukunft der Automobilbranche ist weitgehend ungewiss.

Schicke E-Autos und dicke SUVs: Der „schöne Schein“ der IAA

Die Zukunft der Automobilbranche ist weitgehend ungewiss.
Andreas Arnold/dpa
Wirtschaft 16 3 Min. 10.09.2019

Schicke E-Autos und dicke SUVs: Der „schöne Schein“ der IAA

Für die Umweltschützer werden auf der Frankfurter Messe „Klimakiller“ gefeiert. Drinnen versuchen sich die Hersteller an einem Spagat.

(dpa) - Sind die Autohersteller Teil des weltweiten Klimaproblems oder vielleicht auch ein Teil der Lösung? Auf der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt werden die drängenden Fragen der künftigen Mobilität verhandelt - aber gleichzeitig müssen die Hersteller gegen den ungünstigen Markttrend auch möglichst viele Autos verkaufen. Umweltschützer wollen Mercedes, BMW und Co. wegen des stetig steigenden Absatzes schwerer Stadtgeländewagen an den Klima-Pranger stellen. Die Hersteller halten mit einer Vielzahl zumeist noch angekündigter Elektromodelle dagegen.

Der Land Rover Defender ist eines der Highlights in Frankfurt.
Der Land Rover Defender ist eines der Highlights in Frankfurt.
Foto: AFP

Die dicken SUV-Dinger sind auf der geschrumpften IAA immer noch an jeder Ecke präsent. Schließlich wächst das Segment weltweit und die Firmen verdienen mit größeren Autos mehr als bei den ausgereizten Kleinwagen. Stark umlagert von Fotografen und Kameras ist der neue „Defender“ von Land Rover - die britische Geländewagen-Ikone, die im 21. Jahrhundert auch mit einem „Urban Pack“ angeboten wird. Dazu dichtet die Marketing-Abteilung: „Erobern Sie den Großstadtdschungel. Mit dem Urban Pack zieht der Defender in der Stadt mit Stil, Selbstvertrauen und Gelassenheit alle Blicke auf sich.“

Mit dem Brabus G V12 900 wird auf der IAA der nach Herstellerangaben stärkste Zwölfzylinder Geländewagen der Welt präsentiert.
Mit dem Brabus G V12 900 wird auf der IAA der nach Herstellerangaben stärkste Zwölfzylinder Geländewagen der Welt präsentiert.
Foto: Roessler/dpa

Brachial geht es auch beim Tuner Brabus aus Bottrop zu, der ohnehin schon teure und schwere Luxuskarossen noch weiter aufrüstet. Die Mercedes-Benz-G-Klasse wird so mit einem 12-Zylinder-Motor auf 900 PS Leistung gebracht. Für 720 000 Euro erhält der geneigte Kunde ein 2,8 Tonnen schweres Auto, das kombiniert 18,9 Liter auf 100 Kilometern verbraucht und so 433 Gramm CO2 pro gefahrenen Kilometer ausstößt.


Wi , ACL , Automobile Club Luxembourg , Einweihung Loft , Mobility Center , u.a. ElektroFahrzeuge , Hybrid , Strom , Mobilität , Elektrautos , Ladestation , Foto:Guy Jallay/Luxemburger Wort
Der ACL erfindet sich neu
Der Automobilclub bereitet sich mit neuen Angeboten auf geänderte Mobilitätsgewohnheiten vor.

Dass die Konzerne sich Gedanken um die Klimadebatte gemacht haben, ist ihren Auftritten deutlich anzumerken. „Was die nächste Generation am meisten bewegt, ist der Klimawandel“, sagt der neue BMW-Chef Oliver Zipse. Bei den Münchnern durften Windräder als Bestandteil der Videoshow genauso wenig fehlen wie bei den Rivalen von Mercedes-Benz die grünen Stadtansichten Frankfurts. Genauso wie der Verweis, dass die Produktion von BMW in Europa schon CO2-neutral sei, und bei Mercedes die europäischen Werke 2022 so weit sein sollen.

Der ID3 ist der erste Großserienwagen mit Elektroantrieb aus dem Hause VW.
Der ID3 ist der erste Großserienwagen mit Elektroantrieb aus dem Hause VW.
Foto: dpa-tmn

Die größte Show zieht Volkswagen für seinen Kompaktwagen ID.3 ab, der dem Konzern in der Elektrowelt golf- und käferähnliche Verkaufszahlen bringen soll. VW-Chef Herbert Diess wird nicht müde, für seinen Elektrokurs politische Unterstützung einzufordern. Und ein bisschen schlechtes Gewissen mag im Rückblick auf den Dieselskandal eine Rolle spielen, wenn Chefdesigner Klaus Bischoff gleich zwei Kinder auf die Bühne bittet, um deren Vision von sauberer Mobilität zu erfahren.


François Bausch auf dem Gelände des ehemaligen Stahlwerks in Dommeldingen. Hier hat sein Vater gearbeitet. „Sein soziales Engagement hat mich stark geprägt“, sagt Bausch.
François Bausch: "Jetzt ist die härteste Phase"
François Bausch (Déi Gréng) ist Mobilitäts-, Infrastruktur- und Verteidigungsminister. Bis 2023 soll der Verkehr in Luxemburg wieder rollen, verspricht er. Dank einem besser organisierten öffentlichen Transport.

Opel-Chef Michael Lohscheller ist an seinem auf ein Drittel geschrumpften Messestand ganz zufrieden damit, dass sein Unternehmen nur kleine bis mittlere SUVs baut. Auf eine Zukunft der ganz großen Wagen würde er nicht wetten, gibt der Manager zu Protokoll. Doch im Segment der kompakten Geländewagen will auch die Marke mit dem Blitz mehr Geschäft machen, unter anderem auf dem neuen Markt Russland.


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Daimler-Chef Ola Källenius ist sich nicht sicher, ob sein Unternehmen die EU-Vorgaben für 2021 erfüllen kann. Letztlich komme es schlicht darauf an, was die Kunden kauften, sagt er. Die richtigen Modelle kämen jetzt auf die Straße - zunächst mit Hybrid-Antrieben, später auch vollelektrisch. Für die fernere Zukunft sieht Källenius weitere Alternativen. Brennstoffzellen für Wasserstoff will der Konzern zunächst in Bussen und Lastwagen einsetzen, das Potenzial synthetischer Kraftstoffe beobachte man ernsthaft.

Auch BMW will sich nicht festlegen, nicht beim Antrieb und nicht bei der Karosserieform. Auch wenn die SUVs einen immer größeren Anteil am Absatz ausmachen, will der Konzern das nicht als Fokussierung auf nur einen Fahrzeugtyp verstanden wissen. Finanzvorstand Nicolas Peter sagte, man sehe auch bei den flacheren Autos Wachstum und investiere „beidbeinig“ in Stadtgeländewagen und Limousinen. Zumindest mache es die hohe Bauform einfacher, die Autos zu elektrifizieren.    



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