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Schausteller auf dem Mäertchen setzen auf neue Ideen
 Ein Besuch bei vier „Forains“ auf dem Oktav- Mäertchen.

Schausteller auf dem Mäertchen setzen auf neue Ideen

Foto: Lex Kleren
Ein Besuch bei vier „Forains“ auf dem Oktav- Mäertchen.
Wirtschaft 3 Min. 06.05.2018

Schausteller auf dem Mäertchen setzen auf neue Ideen

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Um konkurrenzfähig zu bleiben, müssen Schausteller mit frischen Ideen punkten. Ein Besuch bei vier „Forains“ auf dem Oktav- Mäertchen.

20 Jahre alt ist Gino Nielsen, er ist der Sohn einer bekannten deutschen Schausteller-Familie. Die Nielsens sind auf dem Oktav-Mäertchen gleich mit mehreren Ständen vertreten. „Mein Opa hat vor 30 Jahren mit Früchten angefangen, vorher hatte er einen Fischladen. Unsere Familie hat sich immer wieder neuen Anforderungen und Ansprüchen angepasst“, sagt er. Vor sieben Jahren sorgte die Familie mit „Flammlachs“ für eine kulinarische Neuheit auf dem Weihnachtsmarkt in Luxemburg-Stadt; seit vier Jahren ist sie auch auf dem „Mäertchen“ vertreten.

Die Spezialität kommt eigentlich aus Finnland, ist aber mittlerweile weithin auf Märkten verbreitet. Frische, ganze Lachsseiten werden am offenen Feuer gegrillt. Die Flammlachsbretter werden senkrecht montiert und auf den Hölzern garen die mit Meersalz gewürzten Lachshälften. Die Fische werden in mehreren Varianten zubereitet. Mit Rosmarin-Kartoffeln beispielsweise. Oder mit Brot und Salat. Honig-Senf- oder Knoblauch-Sauce ist auch dabei. „Ein Finne, der letzte Woche an unserem Stand vorbeikam, hat uns bestätigt, dass wir die Fischspezialität genau nach alter finnischer Tradition zubereiten“.

Von der Sportbranche in den Gastronomiebereich: Mick Loguercio, Inhaber der Restaurant-Friture „Joslet“, hat vor vier Jahren den Weg in die Selbstständigkeit gewagt.
Von der Sportbranche in den Gastronomiebereich: Mick Loguercio, Inhaber der Restaurant-Friture „Joslet“, hat vor vier Jahren den Weg in die Selbstständigkeit gewagt.
Foto: Lex Kleren

Mit dem bisherigen Verlauf des Geschäfts ist der junge Schausteller zufrieden. „Das Wetter hat leider nicht immer mitgespielt, trotzdem ist unterm Strich alles gut gelaufen“, meint Gino Nielsen.

„Iesse mat Stëmmung“

„Iesse mat Stëmmung“, so lautet das Motto des Restaurants „Kessel“, das nun seit drei Jahren auf dem Mäertchen präsent ist. „Während wir auf der Schobermesse inzwischen als Partylocation gelten, sind wir natürlich hier etwas weniger laut, da die Oktav ein religiöses Fest ist“, sagt Restaurantbetreiber Ramon Salvatore.

Die Idee des Luxemburger Schaustellers bestand darin, mit einem neuen Konzept besonders die junge Generation anzulocken. Auf dem Oktav-Mäertchen ist die Umsetzung aber alles andere als einfach. „Man sieht dass die Oktave nicht mehr so attraktiv ist wie früher. Es kommen weniger junge Besucher. Die Kinder kennen die Oktav nicht mehr so, wie wir sie früher erlebt haben. Wenn die Entwicklung so rasant weitergeht, könnte es den Mäertchen bald nicht mehr geben.“

Vincent Holtzheimer und seine Frau Virginie wollen künftig einen selbstgemachten Nougat anbieten.
Vincent Holtzheimer und seine Frau Virginie wollen künftig einen selbstgemachten Nougat anbieten.
Foto: Lex Kleren

Das Restaurant Kessel gehört zur „Concept+Partners“-Gruppe, die mehrere Gastronomiehäuser in Luxemburg betreibt wie etwa die „Schräinerei“ in Differdingen, das Brauhaus in Luxemburg-Stadt oder das „Meat Point“ in Mersch. Kessel ist inzwischen in sieben Kirmessen im ganzen Land vertreten, von Esch bis Ettelbrück – von Anfang März bis Ende Oktober. Dann gönnt sich Ramon Salvatore die verdiente Ruhezeit, auch wenn diese nicht allzu lange dauert. Denn für Schausteller hört der „Rummel“ nie auf: die Maschinen müssen repariert werden, das Restaurant muss gereinigt werden und „wir müssen den Weg freimachen für Ideen“, sagt er. „Es muss doch immer weitergehen. Wir sind eine neue Schausteller-Generation. Es ist wichtig, dass wir innovativ bleiben.“

„Eigene Produktion starten“

„Die Bilanz fällt durchaus positiv aus. Sogar das Wetter hat mitgespielt: Es hat nur an einem Tag geregnet“, freut sich Vincent Holtzheimer, der Betriebsinhaber von „Nougat Stany“. Der Belgier übernahm das Luxemburger Traditionshaus vor sieben Jahren und ist seitdem auf vielen Jahrmärkten in Luxemburg und Belgien unterwegs. Sein Hauptprodukt: Der „Nougat von Montélimar“ – ein Hauch von Honig und Mandel, weich, nussig und langsam schmelzend...

„Der Nougat wird in Montélimar hergestellt“, erklärt der Kaufmann. Seit 1996 gilt die Bezeichnung „Nougat von Montélimar“ nur für Produkte mit mindestens 30 Prozent Mandeln (oder 28 Prozent Mandeln und zwei Prozent Pistazien) und 25 Prozent Honig. Der Nougat kann traditionell oder maschinell hergestellt werden. Die Produzenten sind jedoch nicht verpflichtet, landwirtschaftliche Produkte aus der Region Montélimar zu verwenden; Mandeln, Honig oder Eier können somit von überall her importiert werden.

Ramon Salvatore: „Wir sind eine neue Schausteller-Generation. Es ist wichtig, dass wir innovativ bleiben.“
Ramon Salvatore: „Wir sind eine neue Schausteller-Generation. Es ist wichtig, dass wir innovativ bleiben.“
Foto: Lex Kleren

„In den nächsten Monaten werde ich in meiner Werkstatt in Arlon meinen eigenen Nougat herstellen – traditionell und handwerklich“, sagt der Belgier der auf Qualität und Exklusivität setzt. „Es zahlt sich aus. Die Luxemburger Kunden sind große Feinschmecker und schätzen hervorragende Qualität.“

„Die Gewohnheiten der Mäertchen-Besucher ändern sich, man muss sich immer durchschlagen“, sagt Mick Loguercio, Inhaber der Restaurant-Friture „Joslet“. Das Traditionshaus gibt es seit 1900 und wurde in der Vergangenheit von verschiedenen Familien betrieben. Vor vier Jahren hat Mick Loguercio den Betrieb zusammen mit seinem Bruder übernommen. „Die ersten Jahre sind immer etwas schwierig. Eine Bilanz wollen wir erst in zwei bis drei Jahren ziehen.“

Fünfzehn Jahre lang war der Luxemburger beim Fußballverband FLF angestellt, nun erlebt er hautnah die Herausforderungen seines neuen Berufs. „Da wir viel unterwegs sind, haben die Maschinen manchmal Pannen. Die Herausforderung besteht darin, diese schnellstens reparieren zu lassen. Die Organisation ist mit sehr viel Aufwand verbunden. Es ist natürlich anders als im Sport. Was aber bleibt, ist der Teamgeist. Beides, Sport und Restaurant, sind ohne Teamgeist nicht möglich!“

Der Mäertchen ist von Kindesbeinen an der Mittelpunkt im Leben von Gino Nielsen. Schließlich ist er in der dritten Generation Schausteller.
Der Mäertchen ist von Kindesbeinen an der Mittelpunkt im Leben von Gino Nielsen. Schließlich ist er in der dritten Generation Schausteller.
Foto: Lex Kleren