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Schaufenster für den Onlinehandel: Letzshop.lu geht an den Start
Wirtschaft 4 Min. 14.09.2018

Schaufenster für den Onlinehandel: Letzshop.lu geht an den Start

Produkte von regionalen Händlern aus Luxemburg jetzt auch im Internet zu kaufen: Die Handelsplattform
Letzshop.lu ist seit Freitag online.

Schaufenster für den Onlinehandel: Letzshop.lu geht an den Start

Produkte von regionalen Händlern aus Luxemburg jetzt auch im Internet zu kaufen: Die Handelsplattform
Letzshop.lu ist seit Freitag online.
Foto: Christian Aschman
Wirtschaft 4 Min. 14.09.2018

Schaufenster für den Onlinehandel: Letzshop.lu geht an den Start

Mara BILO
Mara BILO
Um sich gegen Online-Riesen wie Amazon zur Wehr zu setzen, suchen auch immer mehr Einzelhändler im Internet den Kontakt zu den Kunden. Die Plattform Letzshop.lu soll es möglich machen.

Roter Teppich, Podium, Konfetti und ausgewählte Gäste – die Atmosphäre war ausgelassen auf der sonnigen Place d'Armes, als Freitag die Online-Plattform Letzshop.lu mit dem Druck eines roten Buzzers freigeschaltet wurde. Francine Closener, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, spielte die Hauptrolle; immerhin ist die Plattform „ihr Baby“, wie gescherzt wurde.

Die Handelsplattform Letzshop.lu kündigt sich vielversprechend an: Ihre Nutzer können von nun an Produkte von regionalen Händlern aus Luxemburg auch online kaufen. „Das wird den Einzelhandel im ganzen Land fördern“, so die Staatssekretärin. Der Internetauftritt ist in deutscher und französischer Sprache verfügbar. Und die interessierte Kundschaft wählt zwischen den Hauptkategorien „Neue Produkte“, „Angebote“, „Fashion & Accessoires“, „Bücher & Medien“, „Spielzeuge & Spiele“, „Essen, Trinken & Genuss“, „Heim & Garten“ und „Kunst & Unterhaltung“. Derzeit sind 100 Shops auf der Plattform unterwegs, die insgesamt mehr als 350 000 Produkte zum Verkauf anbieten. Und: Mehr als 100 weitere kleine Betriebe haben ebenfalls Interesse an der Plattform angekündigt.


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Der Vorteil für Geschäfte – besonders für kleine Läden, die sich einen Online-Auftritt nicht unbedingt leisten können – ist klar: Im Internet an Sichtbarkeit gewinnen, was sich im besten Fall positiv auf die Geschäftszahlen auswirken sollte. Denn viele Luxemburger Geschäfte verfügen immer noch nicht über eine eigene Internetseite: Francine Closener hatte im vergangenen Jahr geschätzt, dass nur neun Prozent aller kleinen Betriebe hierzulande ihre Produkte im Internet verkaufen.

Eine Million Euro Entwicklungskosten

Das Projekt einer Onlinehandelsplattform für Luxemburg ist schon längere Zeit in Arbeit – die Fertigstellung war bereits für das erste Quartal 2018 angekündigt. Die Entwicklungskosten in Höhe von ungefähr einer Million Euro wurden vom Wirtschaftsministerium übernommen; die künftigen Betriebskosten werden vom Wirtschaftsministerium, aber auch von der Handelskammer, der Confédération luxembourgeoise de commerce (CLC) und den beteiligten Gemeinden getragen.

Momentan beteiligen sich 16 von den insgesamt 102 Luxemburger Gemeinden am Projekt (Clerf, Diekirch, Differdingen, Düdelingen, Echternach, Esch/Alzette, Ettelbrück, Grevenmacher, Junglinster, Luxemburg, Mersch, Mertert, Petingen, Redingen, Remich und Wiltz). Jede teilnehmende Gemeinde zahlt einen Anteil, der sich prozentual aus der Einwohnerzahl sowie der Zahl der dort jeweils angesiedelten Geschäfte errechnet. „Die Stadt Luxemburg ist daher ein größerer Geldgeber“, sagte die Bürgermeisterin der Stadt, Lydie Polfer, bei der Einweihung der Plattform.

Die Akquise weiterer Geschäfte ist den Gemeinden überlassen

Die Zukunft der Plattform ist für die nächsten drei Jahre gesichert: „Das Budget steht für diese Zeitspanne fest“, so Francine Closener. „Danach muss neu verhandelt werden.“

Letzshop.lu wird von Jerry Klein und zwei weiteren Mitarbeitern verwaltet. Ihre Rolle ist es aber nicht, Geschäftsleute von der Plattform zu überzeugen – darauf weist die Staatssekretärin hin: „Das wäre zu viel Arbeit. Sie werden sich um die technische Assistenz kümmern und den Geschäftsleuten zeigen, wie sich auf der Website Produkte verkaufen lassen.“

Deshalb hofft sie auch auf die aktive Beteiligung der Gemeinden. Denn sie tragen dafür Sorge, dass weitere kleine Betriebe der Plattform beitreten. „Viele Gemeinden sind sich nicht der Probleme von Einzelhändlern bewusst“, so Francine Closener. Durch die neue Plattform will sie also in den Rathäusern und Gemeinderäten das Bewusstsein dafür wecken.

Aber auch, wenn eine Gemeinde noch nicht beim Projekt Letzshop.lu mitmacht: Jeder kleine Laden kann sich trotzdem daran beteiligen. Es gibt keine Zugangsbedingungen – das Geschäft muss nur im Land ansässig sein und 500 Euro Jahresbeitrag zahlen. Eigentlich eine „symbolische Summe“, so Closener. Denn die Plattform ist nicht wirtschaftlich orientiert; die Betriebe müssen auch keinen Prozentsatz des Kaufpreises an die Plattform abgeben, wie es der Fall bei vielen ausländischen Online-Handelsportalen ist.

Der niedrige Jahresbeitrag soll die Geschäfte dazu ermutigen, sich am Projekt zu beteiligen. „Es besteht immer noch eine gewisse Zurückhaltung bei solchen Projekten, weil manche Geschäfte nicht im Internet unterwegs sein möchten.“ Aber mit mehr als 100 teilnehmenden Geschäften, glaubt die Staatssekretärin, die „kritische Masse“ jetzt schon erreicht zu haben, um andere von der Onlineplattform überzeugen zu können.


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