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Sanierung der Startbahn auf dem Findel: Eine anspruchsvolle Landung
Roland Fox ist beigeordneter Direktor der Straßenbauverwaltung und wurde vom Infrastrukturminister zum 
Projektleiter für die Sanierung berufen.

Sanierung der Startbahn auf dem Findel: Eine anspruchsvolle Landung

Foto: Chris Karaba
Roland Fox ist beigeordneter Direktor der Straßenbauverwaltung und wurde vom Infrastrukturminister zum 
Projektleiter für die Sanierung berufen.
Wirtschaft 5 Min. 09.04.2016

Sanierung der Startbahn auf dem Findel: Eine anspruchsvolle Landung

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Die Startbahn des Flughafens muss von Grund auf erneuert werden. Wir sprachen mit dem zuständigen Projektleiter der Straßenbauverwaltung, Roland Fox, über den aktuellen Zustand der Piste, den geplanten Umfang der Sanierung, das Thema Nachtflüge und die Organisation der Bauarbeiten.

Von Andreas Adam

Die Startbahn des Flughafens muss von Grund auf erneuert werden. Bald soll es so weit sein. Mit dem detaillierten Vorprojekt wird zum Sommer gerechnet. Im Herbst sollen sich Regierungs- und Staatsrat damit befassen, heißt es im Infrastrukturministerium. Die Arbeiten könnten dann von 2017 bis 2019 dauern. Wir sprachen mit dem zuständigen Projektleiter der Straßenbauverwaltung, Roland Fox, über den aktuellen Zustand der Piste, den geplanten Umfang der Sanierung, das Thema Nachtflüge und die Organisation der Bauarbeiten.

Herr Fox, die Startbahn des Luxemburger Flughafens ist offenbar sicher genug, um in Betrieb zu bleiben. Warum muss sie erneuert werden, und wo liegt die Diskrepanz zwischen dem Ist-Zustand und der europäischen „Aerodrome“-Zertifizierung 139/2014?

Natürlich ist die Startbahn betriebssicher, nicht zuletzt, weil wir von Ponts et Chaussées mit unseren Wartungsarbeiten dafür sorgen. Der Runway wird jeden Tag von der Luftfahrtbehörde ANA und uns abgefahren und auf erforderliche Arbeiten hin kontrolliert. Aber die Piste des Flughafens ist nun einmal alt und hat gewisse Defizite, insbesondere was den Unterbau, die Struktur anbelangt.

Diese täglichen Kontrollen werden doch aber auch bei neuen Pisten durchgeführt ...

Es werden immer solche Kontrolltouren gefahren, aber bei neuen Runways ist meistens alles in Ordnung. Hier auf dem Findel müssen wir hingegen zunehmend und verstärkt Wartungsarbeiten erledigen. Man darf nicht vergessen, dass die Startbahn sukzessive in der Zeit zwischen dem Zweiten Weltkrieg und den achtziger Jahren gebaut wurde und somit 30 Jahre und älter ist.

Saniert werden die gesamte Start- bzw. Landebahn (Runway) und von dort aus gesehen noch ein Teil der Rollbahn (Taxiway) bis zu den Haltesignalen (Stop Bars) sowie auch die Seitenstreifen (Shoulders).
Saniert werden die gesamte Start- bzw. Landebahn (Runway) und von dort aus gesehen noch ein Teil der Rollbahn (Taxiway) bis zu den Haltesignalen (Stop Bars) sowie auch die Seitenstreifen (Shoulders).
Foto: Chris Karaba

Die Piste ist seitdem nie vollständig erneuert worden?

Nein. Der neuere, nordöstliche Teil ist noch in einem etwas besseren Zustand, während die älteren, südwestlichen Abschnitte eigentlich nicht mehr modernen Ansprüchen gerecht werden. Und wir merken, dass der Unterbau dort nicht mehr die Dauerbelastungen des Flugbetriebs aufnehmen kann. Auch wenn die oberste Asphaltschicht regelmäßig erneuert wird, kommen die Risse von unten herauf dennoch mit der Zeit immer wieder durch. Daher muss die Startbahn von Grund auf saniert werden. Auch die Entwässerung und die Befeuerung samt Technik werden bei dieser Gelegenheit mitgemacht.

Kommen wir auf die „Aerodrome“-Zertifizierung zu sprechen, die bis Ende 2017 erfolgen muss. Welche Rolle spielt sie bei alledem?

Die Zertifizierung trägt letztlich mit dazu bei, dass die genannten, erforderlichen Arbeiten endlich angegangen werden. Ganz konkret geht es bei der Zertifizierung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit um bestimmte Normen, denen ein Flughafen entsprechen muss, um eine bestimmte Klassifizierung von A bis F zu erhalten. Diese Klassifizierung ist wichtig für die Dimension der Flugzeuge, die auf einem Airport frei verkehren darf.

Welche Kategorie soll der Findel künftig haben?

In den Jahren 2010 bis 2012 wurden auf dem Findel bereits geometrische Anpassungen für die dicken Boeing 747-800 vorgenommen, wie sie die Cargolux verwendet. Diese Flugzeuge gehören zur Kategorie F. Nun muss man sehen, ob Luxemburg schließlich als „open E“ oder „restricted F“ betrieben wird. Da stehen noch Entscheidungen offen. Andere Flugzeuge der Kategorie F wie der Airbus A380 dürften bei der genannten Kategorisierung nur nach vorheriger Rücksprache und Klärung den Findel anfliegen.

Wo genau ist nun der Zusammenhang zwischen Sanierung und Zertifizierung?

Aktuell können wir zum Beispiel nicht sagen, ob die Tragfähigkeit unserer Piste einer bestimmten Kategorie auf die nächsten 30 Jahre hinweg gerecht wird. Und genau das muss für die Zertifizierung nachgewiesen werden. Wir könnten es derzeit vielleicht auf fünf bis zehn Jahre nachweisen. Auch die bereits angesprochene Entwässerung und die Befeuerung der Piste sind für die Zertifizierung relevant.

Welche Bereiche sind von der Sanierung der Piste eigentlich genau betroffen? Bislang wurde in der Öffentlichkeit immer von der Sanierung des Runway gesprochen.

Das ist die gesamte Start- bzw. Landebahn (Runway) und von dort aus gesehen noch ein Teil der Rollbahn (Taxiway) bis zu den Haltesignalen (Stop Bars) sowie auch die Seitenstreifen (Shoulders). Insgesamt sind das rund 360 000 Quadratmeter Fläche.

Die Sanierung soll in Luxemburg nachts erfolgen, damit tagsüber weiter geflogen werden kann. Anders als in Metz-Nancy, wo der Flughafen für einige Wochen während der Sanierung geschlossen wurde. Warum das?

Technisch gesehen hätten wir als Straßenbauverwaltung kein Problem damit, alles an einem Stück zu machen. Es würde wohl auch finanziell günstiger. Allerdings müsste man den Flughafen während der hier bei uns erforderlichen Arbeiten nicht für einige Wochen, sondern für mindestens ein halbes Jahr schließen. Dann kann die ganze Wirtschaft im Umfeld des Flughafens nicht mehr funktionieren. Daher wurde eine Schließung schnell verworfen. Das war eine politische Entscheidung.

Die Pistensanierung ließe sich technisch betrachtet auch am Stück realisieren, so Roland Fox. Allerdings müsste man den Flughafen dann für mindestens ein halbes Jahr schließen.
Die Pistensanierung ließe sich technisch betrachtet auch am Stück realisieren, so Roland Fox. Allerdings müsste man den Flughafen dann für mindestens ein halbes Jahr schließen.
Foto: Chris Karaba

Wenn die Piste, wie berichtet wurde, stückweise Nacht für Nacht zwischen 23 und sechs Uhr saniert wird, sind dann Nachtflüge in dieser Zeit völlig ausgeschlossen?

Wenn 200 Arbeiter und über 100 Baumaschinen auf der Piste tätig sind, kann definitiv nicht geflogen werden, und wir gehen von einem Modell mit fünf Nachtschichten pro Woche aus. Wenn die Arbeiter einmal nicht auf der Piste tätig sind, sondern andere Arbeiten erledigen, könnten möglicherweise Flugzeuge nachts landen. Das wird dann im Voraus geplant, d. h. in Abhängigkeit von den Bauarbeiten und keinesfalls auf kurzfristigen Wunsch von Fluggesellschaften.

Benötigen die Flugzeuge denn unbedingt die ganze Länge des Runway?

Wir haben diese Analyse gemacht, die Piste für die Sanierung zu verkürzen. Technisch wäre das möglich, aber stellen sie sich die Arbeiter auf der Baustelle vor, während gerade eine Riesen-Boeing hereinkommt oder startet. Das wollten wir vermeiden, außerdem wären sehr aufwändige Vorarbeiten erforderlich gewesen. Man muss auch bedenken, dass die Verkürzung bedeutet hätte, dass die Flugzeuge nicht so stark beladen werden können, es ruppigere Landungen geben würde und die Turbinen stärker belastet würden. Daher wurde das verworfen.

Kann ein in der Nacht erneuertes Teilstück sofort nach Schichtende um sechs Uhr benutzt werden?

Ja, das ist möglich. Der Asphalt wird in heißem Zustand aufgebracht und kann benutzt werden, sobald er auf 70 bis 80 Grad Celsius abgekühlt ist.

Das klingt immer noch nach hohen Temperaturen.

Das ist auch so. Die Anforderungen an die Materialien, aber auch an die Produktion, die Qualitätssicherung sind enorm. Deswegen können wir auch nicht einfach nur von ein Uhr bis sechs Uhr arbeiten, wie einige meinen, sondern benötigen tatsächlich die Piste bereits ab 23 Uhr, weil es sonst nicht zu schaffen ist.


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