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Risiko für Rückversicherungsgesellschaft: Wenn das Wetter zum Feind wird
Wirtschaft 3 Min. 17.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Risiko für Rückversicherungsgesellschaft: Wenn das Wetter zum Feind wird

Die Überschwemmungen, die Luxemburg dieses Jahr getroffen haben, sind schon das dritte katastrophale Flutereignis innerhalb von zwei Jahren.

Risiko für Rückversicherungsgesellschaft: Wenn das Wetter zum Feind wird

Die Überschwemmungen, die Luxemburg dieses Jahr getroffen haben, sind schon das dritte katastrophale Flutereignis innerhalb von zwei Jahren.
Foto: Pierre Matgé
Wirtschaft 3 Min. 17.06.2018 Aus unserem online-Archiv

Risiko für Rückversicherungsgesellschaft: Wenn das Wetter zum Feind wird

Mara BILO
Mara BILO
Der Keller steht unter Wasser, das Auto ist beschädigt: Bei einer Überschwemmung kann die Rechnung schnell in die Tausenden gehen. Ein Fall für die Versicherung? Die Luxemburger Versicherungsgesellschaften stehen durch die zunehmenden Naturunbillen unter Druck.

Ist es der Klimawandel? Tatsache ist, dass das Wetter immer extremer wird. Zwischen 1981 und 2010 stieg die durchschnittliche Temperatur hierzulande um ein Grad Celsius. Und: Die jüngsten Überschwemmungen zeigen, dass zunehmend mit Extremwetter zu rechnen ist.


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Der Anteil von Ökoenergie soll in der Europäischen Union bis 2030 auf 32 Prozent steigen. Darauf haben sich Unterhändler der EU-Länder, des Europaparlaments und der EU-Kommission in der Nacht zum Donnerstag geeinigt.

Das macht den Versicherungsgesellschaften zu schaffen: Der enorme Materialschaden, der durch die Überschwemmungen 2016 entstand, hat Versicherer in Luxemburg dazu gebracht, ihr Angebot für Privathaushalte anzupassen. „Seit 2017 bieten die Firmen eine Versicherung für Überschwemmungen an“, erklärt Marc Hengen vom Dachverband der Versicherungsgesellschaften (ACA). „Die Kunden wurden darauf hingewiesen, dass es sich um eine freiwillige Police handelt.“ Ingesamt haben sich ungefähr 25 Prozent dafür entschieden, eine solche Versicherung abzuschließen, so Hengen. „Das war allerdings vor den Überschwemmungen dieses Jahres.“

Für Menschen, die nicht in Überschwemmungsgebieten leben, beträgt die Mindestversicherungssumme 200 000 Euro. „Das entspricht dem Betrag, der durch Versicherungsgesellschaften im Höchstfall abgedeckt ist“, erklärt Hengen. „Natürlich können Versicherer mehr anbieten aber das reicht eigentlich aus.“ Prinzipiell ist es so, dass die Reinigungsarbeiten zuerst bezahlt werden; dann kommt die Versicherungsgesellschaft auch für die Materialschäden auf.

Eine ähnliche Reaktion der Versicher hat es schon einmal gegeben: Auch in den 1990er-Jahren als erhebliche materielle Schäden durch Stürme entstanden, brachten sie ein neues Produkt auf den Markt. „Heute gehört eine Versicherung gegen Hagel und Stürme zum typischen Angebot einer Gesellschaft“, erklärt Hengen. Eine vergleichbare Entwicklung wird sich wahrscheinlich auch bei den Versicherungen gegen Überschwemmungen zeigen, denn: „Meiner Meinung nach sollte man nicht davon ausgehen, dass man, weil man auf einem kleinen Hügel wohnt, von Überschwemmungen verschont bleibt“, sagt Marc Hengen. „Es kann jedem passieren.“

Eine weltweite Deckungslücke von 166 Milliarden Euro

„Der Klimawandel bereitet besonders Rückversicherungsgesellschaften Sorgen“, darauf weist Hengen hin. Rückversicherer, also Unternehmen, die Versicherungsgesellschaften finanziell abdecken (siehe Kasten rechts), kommen für größere Schäden auf. Und die Zunahme der Zahl schwerer Naturkatastrophen hat für ein Rekordjahr 2017 gesorgt.

Eine Studie der Rückversicherungsgesellschaft Swiss Re belegt, dass der Gesamtversicherungsschaden, der durch Natur- und menschengemachte Katastrophen verursacht wurde, im Jahr 2017 weltweit 144 Milliarden US-Dollar beträgt, umgerechnet 124 Milliarden Euro. „Eine aktive Hurrikansaison im Nordatlantik sowie Waldbrände, Gewitter und heftige Regenfälle in diversen Regionen sorgten weltweit für die höchsten Schadensforderungen infolge von Katastrophen, die je innerhalb eines Jahres verzeichnet wurden“, erklärt Swiss Re in der Studie. Der wirtschaftliche Gesamtschaden belief sich 2017 sogar auf 337 Milliarden US-Dollar (290 Milliarden Euro). Somit herrschte eine weltweite Deckungslücke von 193 Milliarden US-Dollar (166 Milliarden Euro).

Zum Thema Überschwemmungen erklärt die Swiss-Re-Studie, dass „die schweren Regenfälle im Jahr 2017 abermals verdeutlichten, wie anfällig unsere zunehmend urbanisierte Welt für massive Überschwemmungen ist. Die Stärke der Niederschlage liegt außerhalb menschlicher Kontrolle, jedoch konnten zusätzliche Investitionen in den Hochwasserschutz und eine geeignete Stadtplanung dieses Risiko zumindest verringern.“

Rückversicherungsgesellschaften müssen also zunehmend mit Naturkatastrophen rechnen, die ihre Profitmargen kürzen. „Die Verträge zwischen Versicherungsgesellschaften und Rückversicherern werden jährlich neu verhandelt“, erklärt ACA-Experte Hengen. Und so funktioniert es: Die Versicherungsgesellschaften legen pro Schadensfall einen Betrag fest, für den sie aufkommen. Der darüber hinausgehende Betrag fällt auf den Rückversicherer zurück. „Bei jeder Versicherungsgesellschaft ist dieser Betrag unterschiedlich hoch.“

Hengen erklärt auch, dass „das Preisniveau der Versicherungsprämien, das Risikoniveau der einzelnen Gegenden in der Welt widerspiegelt.“ Der Preis der Versicherungsprämie, der durch eine Versicherungsgesellschaft festgelegt wird und den der Privatkunde letztendlich bezahlt, beinhaltet bereits die Kosten der Rückversicherung.


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