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Restaurantbetreiber: "Die Lage ist katastrophal"
Wirtschaft 4 Min. 13.05.2020

Restaurantbetreiber: "Die Lage ist katastrophal"

Liefer- oder Abholservice können nicht alle anbieten - es ersetzt auch nicht die Ausfälle des normalen Geschäftsbetriebs.

Restaurantbetreiber: "Die Lage ist katastrophal"

Liefer- oder Abholservice können nicht alle anbieten - es ersetzt auch nicht die Ausfälle des normalen Geschäftsbetriebs.
Foto: Lex Kleren
Wirtschaft 4 Min. 13.05.2020

Restaurantbetreiber: "Die Lage ist katastrophal"

Marlene BREY
Marlene BREY
Die Restaurants bleiben geschlossen – Restaurantbesitzer Erik de Toffol fordert, wie die ganze Branche, Planungssicherheit.

Wenn die Rue de Strasbourg an den Tagen des Lockdown wie leer gefegt war, bildete sich an zwei Stellen doch stets eine kleine Menschenansammlung: vor dem Supermarkt, klar, und vor dem Restaurant Partigiano.

Von einem Tag auf den anderen hatte im umliegenden Bahnhofsviertel in Luxemburg-Stadt alles geschlossen. Die Polizisten, die hier auf Streife gingen, wussten nicht, wo sie jetzt essen sollten. „Auch wenn wir nur für die geöffnet bleiben, die noch arbeiten müssen“, hatten sich die Inhaber Erik und Alexandre De Toffol gesagt, „dann ist das eben unser Beitrag“. Die ersten zwei Wochen machte das Restaurant Verluste. „Dann hat das Geschäft richtig angezogen.“

„Place to be“ im Lockdown

Das Partigiano ist eine Ausnahmeerscheinung. Es hatte sich schon vor der Krise zum Place to be gemausert. Wer jedoch glaubt, Liefer- und Abholservice seien die Lösung für Restaurants, irrt gewaltig. „Es sieht vielleicht okay aus, wenn zehn Leute vor der Tür stehen – aber normalerweise haben wir 70 bis 80 Leute drinnen. Bei uns ist die Lage katastrophal", sagt Erik De Toffol.

In der Gastronomie sind seit dem 16. März nur Takeout und Lieferdienste erlaubt. Viele Restaurants sind komplett geschlossen. Fehlende Einnahmen sind das eine. Miete und Abgaben laufen weiter. „Hätten wir keinen Lieferservice, würden wir Schulden machen“, sagt De Toffol. So kommt der Betrieb unterm Strich auf „plus/minus null“.

Wenn sich Leute zu sechst treffen können, warum dürfen sie sich dann nicht unter den gleichen Voraussetzungen auch in einem Café treffen? 

François Koepp

Seit Montag ist wieder mehr Leben auf der Straße. Die Geschäfte in der Nachbarschaft sind wieder geöffnet. Restaurants bleiben geschlossen.

„Ich finde das total unfair und ich kann es auch nicht verstehen“, sagt François Koepp. „Wenn sich Leute zu sechst treffen können, warum dürfen sie sich dann nicht unter den gleichen Voraussetzungen auch in einem Café treffen?“ Der Generalsekretär der Horesca vertritt rund 1.500 Betriebe, die im Dachverband organisiert sind. Er würde die geltenden Beschränkungen – Anzahl der Menschen, Mindestabstand – gerne auf die Gastronomie übertragen. Aber die Regierung sieht das anders. Cafés sind aus dem Öffnungsplan ausgeschlossen. Und wann die Restaurants öffnen dürfen, bleibt ungewiss.

„Wenn die Zahlen es erlauben“, hatte Premierminister Xavier Bettel (DP) in Aussicht gestellt, könnte die Gastronomie ab dem 1. Juni wieder anlaufen. Das wären elf Wochen nach der Schließung. „Wenn, wenn, wenn, dann, dann, dann“, beschwert sich Koepp. Man brauche Planungssicherheit. „Wenn die Maßnahmen nicht rechtzeitig bekannt gemacht werden, sehe ich eine Katastrophe kommen – für das Überleben der Betriebe und für die Arbeitsplätze.“ 

Ob die Gastronomie ab dem 1. Juni wieder anläuft - elf Wochen nach der Schließung - ist noch immer nicht sicher.
Ob die Gastronomie ab dem 1. Juni wieder anläuft - elf Wochen nach der Schließung - ist noch immer nicht sicher.
Foto: Lex Kleren

Durch die Nachbarländer weiß der Sektor: „Wir werden mit 20, 30 Prozent des Umsatzes anfangen und lange bei 40 Prozent bleiben. Da können Betriebe nicht 100 Prozent der Belegschaft halten“, sagt Koepp. 

Auch Gastronom Erik De Toffol warnt: „Wenn wir keine Hilfen mehr bekommen und nur mit Beschränkungen wieder öffnen dürfen, dann garantiere ich, dass nicht nur wir eine Menge Leute entlassen werden, sondern die Gastronomie allgemein. Es geht gar nicht anders."

In Luxemburg sind derzeit rund 890 Cafés geschlossen, etwa 1.400 Restaurants dürfen keine Gäste an ihren Tischen bewirten. Die Zahl der Erwerbstätigen in diesem Wirtschaftszweig ist in den letzten Jahren in Luxemburg kontinuierlich gestiegen. Von 12.900 im Jahr 2000 auf 21.700 im Jahr 2018.

Laut dem Beratungsunternehmen McKinsey befindet sich europaweit die Hälfte aller gefährdeten Arbeitsplätze im Bereich Gastronomie, Kundenservice, Vertrieb und Baugewerbe. 

„Bis jetzt sind mir keine Fälle bekannt, in denen Leute entlassen wurden“, sagt Koepp von der Horesca. Auch aus den Zahlen der ADEM geht nichts dergleichen hervor. Sie erfassen aber nur jene, die in Luxemburg wohnen. Viele Betriebe nehmen außerdem die Kurzarbeitsregel in Anspruch und warten – auch auf Antworten.

Es herrscht nicht nur Unsicherheit, was das Datum der Wiedereröffnung angeht, sondern auch, was die staatliche Unterstützung anbelangt. Die Horesca fordert eine Ausweitung der Kurzarbeit über die nächsten Monate. „Das Wichtigste wäre, wenn wir wüssten, dass wir die Kurzarbeit verlängern können, solange die Beschränkungen gelten“, sagt De Toffol.


Der Horesca-Bereich ist durch die Corona-Krise besonders hart betroffen: Alle Restaurants im Land mussten ihre Türen schließen.
Luxemburg: Wirtschaftsakteure reagieren auf Hilfspaket
Die Regierung hat am Mittwochabend ein Hilfspaket angekündigt, um die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus abzufedern. Die Wirtschaftsakteure nehmen die Maßnahmen positiv auf. Für einige besteht aber noch Handlungsbedarf.

Die nicht rückzahlbaren Beihilfen sind auf kleine Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern beschränkt. Die Inhaber des Partigiano gehören zu jenen, die mehrere gastronomische Betriebe besitzen. Sie haben mehr als 20 Mitarbeiter, bekommen also keine Direkthilfen. 

„Die wirtschaftlichen Konsequenzen für kleine, mittlere und große Betriebe sind absolut die gleichen“, kritisiert Koepp. „Einer, der fünf Restaurants mit 30 Mitarbeitern hat, ist doch kein Riesenkonzern.“ Neben dem Eröffnungstag und den staatlichen Hilfen gibt es eine dritte Unbekannte: Wie wird der Restaurantbetrieb der Zukunft aussehen?

Guide „Safe to Serve“

Vorgaben für die Betriebe fehlen. „Es kann doch nicht sein, dass es im Ministerium nicht einen Spezialisten für die Gastronomie gibt, der mal bei anderen europäischen Ländern nachfragt, wie sie das machen und dann eine Richtlinie herausgibt“, sagt Koepp. 

Darum ist die Horesca vorgeprescht und hat selbst den Guide „Safe to Serve“ herausgegeben. Er soll Betriebe darauf vorbereiten, wie sie ihren Service anpassen müssen. „Mit einem Mindestabstand können wir 30 Prozent der Gäste bewirten. Das heißt aber nicht, dass wir 30 Prozent der Einnahmen haben“, sagt De Toffol. 

Wo jetzt eine Pizza abgeholt wird, wurde vorher geplaudert. Dabei gingen ein Aperitif, eine Pizza und ein Espresso über den Tisch. De Toffol fragt sich, wann die Gastronomie das wieder sein kann: ein sozialer Ort. 

„Die Restaurants in Luxemburg, die gut laufen, haben gelernt, mehr zu sein als ein Restaurant. Wenn man das nicht mehr ist, funktioniert Gastronomie für mich nicht mehr.“ Wenn De Toffol wüsste, dieser Zustand dauert jetzt ein Jahr an, dann würde er sagen: Ok, wir denken ganz um. „Aber niemand gibt uns Planungssicherheit.“ 

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