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Renovierung wird 258 Millionen Euro kosten
Wirtschaft 8 Min. 17.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Orientierungsdebatte zum Findel

Renovierung wird 258 Millionen Euro kosten

Auf dem Flughafen sind umfangreiche Arbeiten erforderlich.
Orientierungsdebatte zum Findel

Renovierung wird 258 Millionen Euro kosten

Auf dem Flughafen sind umfangreiche Arbeiten erforderlich.
Foto: Gerry Huberty
Wirtschaft 8 Min. 17.11.2016 Aus unserem online-Archiv
Orientierungsdebatte zum Findel

Renovierung wird 258 Millionen Euro kosten

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Im Parlament gab es am Donnerstag eine Debatte zur Entwicklung und Zukunft des Flughafens. Minister François Bausch stand den Abgeordneten Rede und Antwort und hatte die ein oder andere Neuigkeit parat, u. a. zum Terminal B.

(aa) - Im Parlament gab es am Donnerstag eine von der CSV beantragte Orientierungsdebatte zur Entwicklung und Zukunft des Flughafens. Nachhaltigkeits- und Infrastrukturminister François Bausch (Déi Gréng) stand den Abgeordneten Rede und Antwort.

Der Deputierte Serge Wilmes (CSV) hob zunächst die Bedeutung des nationalen Airports hervor und nannte die nahezu drei Millionen Passagiere, die voraussichtlich in diesem Jahre transportiert werden, sowie rund 10000 Arbeitsplätze, die vom Findel abhingen.

"Die anstehende Zertifizierung des Flughafens ist eine Herkulesaufgabe", so der Abgeordnete Serge Wilmes (CSV).
"Die anstehende Zertifizierung des Flughafens ist eine Herkulesaufgabe", so der Abgeordnete Serge Wilmes (CSV).
Screenshot: Chamber TV

"Die anstehende Zertifizierung des Flughafens ist eine Herkulesaufgabe", so Wilmes. Laut Minister Bausch solle die Betreibergesellschaft lux-Airport die Koordination übernehmen und nicht die Flughafenverwaltung ANA. Dies sorge für Unruhe beim ANA-Personal und bei den Gewerkschaften, die eine Kompetenzverlagerung befürchteten. Hier erwarte man sich Antworten vom Minister.

Weitere Punkte, die Wilmes ansprach, waren u. a. die inzwischen verworfene Auslagerung der Anflugkontrolle an die Deutsche Flugsicherung (DFS), die zunehmend teure Renovierung der Flughafeninfrastrukturen und deren Auswirkung auf den Betrieb, die künftige Finanzierung des Flughafens mit eng begrenzten staatlichen Beihilfemöglichkeiten, die geplante Umgestaltung des Vorplatzes zur Airport City sowie die Dimensionierung der Aérogare angesichts steigender Passagierzahlen.

Roger Negri (LSAP) sprach die explodierenden Renovierungskosten des Flughafens an, die mit über 200 Millionen Euro zu Buche schlagen sollen.
Roger Negri (LSAP) sprach die explodierenden Renovierungskosten des Flughafens an, die mit über 200 Millionen Euro zu Buche schlagen sollen.
Screenshot: Chamber TV

Als zweiter Redner trat Roger Negri (LSAP) ans Pult. Der Sozialist sprach u. a. die explodierenden Renovierungskosten des Flughafens an, die mit über 200 Millionen Euro zu Buche schlagen sollen. Bei bis zu drei Millionen Passagieren müsse die Betreibergesellschaft aufgrund von EU-Auflagen bereits 50 Prozent allein finanzieren. Bei über drei Millionen seien es bereits 75 Prozent. "Wie kann lux-Airport dies erreichen?", fragte Negri an die Adresse des Ressortministers.

Negri ging auch auf die Auseinandersetzung rund um die angebliche Kompetenzverlagerung von der Flughafenverwaltung ANA zur Flughafengesellschaft lux-Airport ein. Der Abgeordnete fragte Minister Bausch, warum dieser nicht bereit sei, darüber mit den Gewerkschaften, die harsche Kritik daran übten, zu diskutieren.

Auf dem Findel sei die kommerzielle und die technisch-sicherheitsrelevante Verantwortung aus gutem Grund getrennt. Dies solle seiner Aufassung auch in Zukunft beibehalten werden. Die Sicherheit gehe immer vor und kenne keine falschen Kompromisse, so Negri.

Josée Lorsché (Déi Gréng) sprach die aus ihrer Sicht längst nicht immer erforderlichen Luftfrachttransporte an - besonders für Blumen und Nahrungsmittel.
Josée Lorsché (Déi Gréng) sprach die aus ihrer Sicht längst nicht immer erforderlichen Luftfrachttransporte an - besonders für Blumen und Nahrungsmittel.
Screenshot: Chamber TV

Die Abgeordnete und Präsidentin der Nachhaltigkeitskommission Josée Lorsché (Déi Gréng)  hob kurz die Bedeutung des Flughafens hervor sowie die jährlich über 700000 Tonnen Fracht auf dem Findel, sprach dann jedoch die aus ihrer Sicht längst nicht immer erforderlichen Luftfrachttransporte an.

Blumen und Nahrungsmittel würden aus aller Welt über Tausende Kilometer herangeschafft, obschon man oft ebenso auf Produkte aus nähergelegenen Regionen zurückgreifen oder umweltfreundlichere Transportmittel zurückgreifen könnte.

Lorsché thematisierte ebenfalls das Thema Airport City, wobei im unterirdischen "Geisterbahnhof" möglicherweise ein Datacenter installiert werden soll. Die Abgeordnete kritisierte in diesem Zusammenhang noch einmal die "teure Fehlplanung", die überhaupt erst zu dieser Fragestellung geführt habe.

Die Abgeordnete lobte ansonsten die Initiative von Ressortminister Bausch, der im Dossier um die Modernisierung des Flughafens die Entwicklung vorangetrieben habe, ohne das es letztlich zu einer Auslagerung der Anflugkontrolle komme.

Gusty Graas (DP) ist dafür, auch in Zukunft weitere neue Airlines anzuziehen, selbst im Low-Cost-Bereich.
Gusty Graas (DP) ist dafür, auch in Zukunft weitere neue Airlines anzuziehen, selbst im Low-Cost-Bereich.
Screenshot: Chamber TV

Der Abgeordnete Gusty Graas (DP) sprach sich - nach einem längeren Exkurs über die Entwicklung des Flughafens und dessen enorme Bedeutung - dafür aus, auch in Zukunft weitere neue Airlines anzuziehen, selbst im Low-Cost-Bereich. Er kenne durchaus die immer wieder geäußerten Bedenken, wonach Billigflieger den Wettbewerb nicht zuletzt auf dem Rücken ihrer Angestellten austrügen.

Die Nachfrage nach Flugreisen steige jedoch, und wenn man selbst immer nach dem günstigsten Preis schaue, sei übertriebene Hypokrisie nicht angezeigt. Graas führte das Beispiel der britischen Easyjet an, die inzwischen am Findel im Passagierbereich die Nummer zwei sei.

Graas ging angesichts des Wachstums auf dem Findel auch auf diverse Probleme ein, wie den Umstände, dass keine zweite Piste gebaut werden könne oder die Themen Nachtflüge und Abwasser. Trotz der geplanten Tramanbindung des Flughafens und des in Aussicht gestellten Datacenters unter dem Flughafen stellte Graas weiter die Frage, ob es nicht doch möglich sei, irgendwann den unterirdischen Bahnhof für den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen.

Roy Reding (ADR) sprach sich strikt gegen die Auslagerung von Kompetenzen aus.
Roy Reding (ADR) sprach sich strikt gegen die Auslagerung von Kompetenzen aus.
Screenshot: Chamber TV

Roy Reding (ADR) äußerte sich gleich mehrfach kritisch zur Rolle der EU. So seien deren Auflagen mit dafür verantwortlich, dass die Cargolux ihrem größten Konkurrenten Qatar im Frachtbereich nicht genug entgegensetzen könne und von echter Wettbewerbsfähigkeit keine Rede sei.

Des Weiteren würden die möglichen Staatsbeihilfen für den Betrieb des Flughafens durch die EU extrem begrenzt. Reding sprach sich strikt gegen die Auslagerung von Kompetenzen wie beispielsweise der Anflugkontrolle ins Ausland aus. Das Datacenter im unterirdischen "Geisterbahnhof" hielt er - wegen einer dadurch "erhöhten Gefahr eines möglichen Anschlags" - für keine gute Idee.

David Wagner (Déi Lénk) ging auf die Konkurrenz der Qatar Airlines für die Cargolux ein.
David Wagner (Déi Lénk) ging auf die Konkurrenz der Qatar Airlines für die Cargolux ein.
Screenshot: Chamber TV

Auch David Wagner (Déi Lénk) ging auf die Konkurrenz der Qatar Airlines für die Cargolux ein. Während die luxemburgische Frachtairline die Auflagen der EU erfüllen müsse, seien staatliche Beihilfen am persischen Golf kein Problem. Hinzu komme, dass Qatar noch aus der Zeit als Cargolux-Aktionär besondere Flugrechte für Luxemburg besitze, was sich negativ auf die Cargolux auswirke. Nicht zu vergessen sei, dass der einstige Cargolux-Chef Ulrich Ogiermann inzwischen für Qatar arbeite.

Wagner kritisierte den Umstand, dass Ressortminister François Bausch nicht mit Gewerkschaftern über die angebliche Kompetenzverlagerung von der ANA zu lux-Airport sprechen wolle, obschon lux-Airport bereits statt der ANA als Koordinator für die Zertifizierung bestimmt worden sei.

Von einer Privatisierung der ANA könne aber absolut keine Rede sein, sagte Ressortminister François Bausch.
Von einer Privatisierung der ANA könne aber absolut keine Rede sein, sagte Ressortminister François Bausch.
Screenshot: Chamber TV

Minister François Bausch betonte nach der Fragerunde der Abgeordneten, dass die Flughafenverwaltung ANA ihre Funktionalität auch in Zukunft behalten und keine Kompetenzen an die Betreibergesellschaft lux-Airport abgeben würden.

Was die Koordination der anstehenden EASA-Zertifizierung des Flughafens angehe, sei es in der Tat so, dass die ANA anfangs als Koordinatorin vorgesehen war und dass nun die lux-Airport dazu bestimmt wurde. Der Grund dafür sei praktischer Natur, auf Anraten eines Experten. Von einer Privatisierung der ANA könne aber absolut keine Rede sein.

"Es stimmt auch nicht, dass ich nicht mit den Gewerkschaften spreche", so Bausch. Es habe bereits unzählige Treffen gegeben, ohne dass man auf einen grünen Zweig gekommen sei. Ich muss aber derweil im allgemeinen Interesse das Beste aus diesem Flughafen machen.

"Was mich persönlich besonders ärgert ist, dass hier eine bestimmte Gewerkschaft eine angebliche Privatisierung anprangert, zuvor aber ausdrücklich kein Problem damit gehabt hätte, wenn wir die Anflugkontrolle an die Deutsche Flugsicherung ausgelagert und privatisiert hätten", so Bausch.

Minister nennt Preis für die Renovierung

Für die teurere Renovierung und Modernisierung des Flughafens konnte der Minister am Donnerstag den genauen Preis nennen. Das erweiterte Vorhaben werde insgesamt 258 Millionen Euro kosten. Dass der Staat maximal 50 Prozent zuschießen dürfe sei korrekt. Selbst wenn die Passagierzahlen schneller stiegen als erwartet, werde sich dies 2017 noch nicht auf maximal 25 Prozent reduzieren, so Bausch.

Derzeit gebe es intensive Diskussionen darüber, wie lux-Airport ihren Kostenanteil von ebenfalls 50 Prozent schultern solle. Dabei gehe es auch um Steuererhöhungen und mögliche neue Taxen. Ganz sicher werde aber die ANA nicht ihre Terminalgebühren an die lux-Airport abtreten müssen.

Für die teurere Renovierung und Modernisierung des Flughafens konnte der Minister am Donnerstag den genauen Preis nennen.
Für die teurere Renovierung und Modernisierung des Flughafens konnte der Minister am Donnerstag den genauen Preis nennen.
Screenshot: Chamber TV

Zur Konkurrenz zwischen Qatar und Cargolux sagte François Bausch, es sei zutreffend, dass die Golf-Airline Flüge von Liège nach Luxemburg verlagert habe. "Sie haben sogar angeboten, alle ihre Flüge von Liège nach Luxemburg zu bringen, falls wir ihnen hier bei uns Nachtflüge gestatten. Das haben wir abgelehnt", so Bausch. Zu den sogenannten Flugrechten der fünften Freiheit sagte Bausch, diese  seien einst mit dem Emirat Katar und nicht mit Qatar Airlines ausgehandelt worden.

"Selbst wenn wir diesen Vertrag kündigen, so bringt uns dies nichts, denn Qatar macht der Cargolux auch von Liège aus Konkurrenz. Wenn sie zu uns nach Luxemburg kommen, verdienen wir wenigstens noch am Handling."  Zum ungleichen Wettbewerb zwischen europäischen Fluggesellschaften und jenen vom persischen Golf sagte der Minister, dass dies auf EU-Niveau zu lösen sei.

Terminal B soll im Frühjahr eröffnet werden

Bausch stellte ferner klar, dass nicht etwa lux-Airport ein Datacenter unter dem Flughafen bauen werde, sondern dass ein solches Rechenzentrum eine Idee sei, die man im Rahmen des Projektes Airport City geäußert habe. Es würden Gespräche mit Interessenten geführt.

Zum Terminal B, erklärte der Minister, dass dieses voraussichtlich im kommenden April oder Mai wieder eröffnet werde. Zuletzt war immer von Sommer 2017 die Rede gewesen.


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