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Rennen um die Europäische Bankenaufsicht: Entscheidung am Montagabend
Wirtschaft 2 Min. 20.11.2017

Rennen um die Europäische Bankenaufsicht: Entscheidung am Montagabend

Die EBA hat ihren Sitz in London und muss nach dem Brexit umziehen.

Rennen um die Europäische Bankenaufsicht: Entscheidung am Montagabend

Die EBA hat ihren Sitz in London und muss nach dem Brexit umziehen.
AFP
Wirtschaft 2 Min. 20.11.2017

Rennen um die Europäische Bankenaufsicht: Entscheidung am Montagabend

Diego VELAZQUEZ
Diego VELAZQUEZ
Zwei EU-Behörden verlassen London nach dem Brexit, über die neuen Standorte stimmen am Montag die Mitgliedstaaten ab. Luxemburg hofft auf den Zuschlag, doch die Konkurrenz ist groß.

(pley/dv) Der Brexit hat ein Rennen zwischen den EU-Mitgliedsstaaten ausgelöst: 23 von ihnen bewerben sich darum, London als Sitz der EU-Arzneimittelbehörde (EMA) und der EU-Bankenaufsicht (EBA) zu beerben. 19 Städte haben eine Bewerbung für die EMA mit knapp 900 Mitarbeitern abgegeben. Acht Standorte wollen künftig die EBA mit knapp 200 Beschäftigten beherbergen, darunter auch Luxemburg. Am Montag werden die Europaminister der Mitgliedstaaten in einem „Schönheitswettbewerb“ über den künftigen Sitz der beiden EU-Agenturen abstimmen. Arbeitsminister Nicolas Schmit wird für Luxemburg am Montag in Brüssel anwesend sein.

Glaubt man den Buchmachern, so ist das Rennen schon gelaufen. Bei dem britischen Wettanbieter Ladbrokes landet Luxemburg auf der Liste der acht möglichen „Host Cities“ für die EU-Bankenaufsicht auf dem letzten Platz. Für einen Euro Einsatz könnte ein Tipper zwanzig Euro einstreichen, sollte Luxemburg den Zuschlag erhalten. Das Gewinnverhältnis ist hoch, die Gewinnaussichten aber gering. Ein schwacher Trost bleibt. Brüssel werden genauso wenig Chancen eingeräumt. Favorit ist Frankfurt, wo bei einem Einsatz von vier Euro ein Wettgewinn von sechs Euro lockt. Auf Platz zwei kommt Wien, gefolgt von Dublin, Paris, Prag und Warschau.

Auch in der deutschen Wirtschaftspresse ist der Ausgang des Wettbewerbs eine klare Sache. Frankfurt ist haushoher Favorit, sagen die Kommentatoren. Ähnliche Töne in Österreich: Dort ist Wien vom Außenseiter zum „Geheimtipp mit Siegeschancen“ avanciert.

Geheime Abstimmung

Tatsache aber ist, dass niemand genau weiß, welcher Standort sich durchsetzen wird. Das liegt vor allem daran, dass die Vergabe nicht wie so oft ein abgemachtes Spiel hinter verschlossenen Türen ist, sondern wie der Liederwettbewerb der Eurovision funktionieren soll. Wenn die EU-Europaminister am Montag in Brüssel zu ihrem „Allgemeinen Rat“ antreten, hat jeder von ihnen sechs Punkte in seinem Gepäck. Davon verteilt er im ersten Wahlgang drei auf den Favoriten, zwei auf die zweite Wahl, und einen Punkt auf Platz drei. Im zweiten Wahlgang hat dann jedes Land einen Punkt, den es an einem der drei Finalisten vergeben kann. Erhält ein Bewerber vierzehn oder mehr Stimmen, ist die Wahl entschieden. Ist dies nicht der Fall, wird es zum dritten Wahlgang bei den beiden bestplatzierten Angeboten kommen.

Nicht unwichtig für den Ausgang der Entscheidung über den Sitz der EBA wird der Zuschlag für die EU-Arzneimittelbehörde EMA sein. Diese Abstimmung steht als erste auf der Tagesordnung. Der Ausgang dieser Wahl könnte Luxemburgs Anspruch auf die EBA stärken. Denn ein EU-Staat kann höchstens für eine der beiden Agenturen den Zuschlag bekommen. Gewänne wider Erwarten Bonn bei der EMA, so wäre Frankfurt automatisch aus dem Rennen für die EBA, was Luxemburgs Chancen deutlich erhöhen würde.

In den letzten Tagen wurde viel taktiert und wild verhandelt. Da in den nächsten Monaten viele EU-Posten zu vergeben sind, ist es schwer einzuschätzen, welche Staaten wie viel diplomatisches Gewicht in Spiel um die EU-Agenturen gelegt haben. Luxemburg strebt auch die Präsidentschaft der Eurogruppe an. Den EBA-Sitz und den Chefposten in der Eurogruppe wird  das kleine Land wohl nicht kriegen können. Das gilt auch für andere Kandidaten. Berlin will - neben der EBA - auch den Chefposten in der Europäischen Zentralbank, der 2019 zu vergeben sein wird. Auch dabei gilt: Alles kann ein Land nicht kriegen.


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