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Reisen: Wie ich mein Geld zurückbekomme
Wirtschaft 3 Min. 18.05.2020

Reisen: Wie ich mein Geld zurückbekomme

Neben geplatzten Urlaubsplänen geht es vor allem um viel Geld.

Reisen: Wie ich mein Geld zurückbekomme

Neben geplatzten Urlaubsplänen geht es vor allem um viel Geld.
Foto: AFP
Wirtschaft 3 Min. 18.05.2020

Reisen: Wie ich mein Geld zurückbekomme

Nadia DI PILLO
Nadia DI PILLO
Reisegutscheine als Ersatz für ausgefallene Leistungen müssen nicht akzeptiert werden.

Viele Urlaubsträume sind durch die Corona-Krise geplatzt. Seit im März die Covid-19-Infektionen Europa erfassten, wurden ganze Länder abgeriegelt, Pauschalreisen abgesagt, Flüge annulliert, Urlauber vorzeitig nach Hause gebracht. Neben geplatzten Urlaubsplänen geht es vor allem um viel Geld. Welche Rechte haben Kunden, deren Reise oder Flug storniert wurde? Bekommen sie ihr Geld zurück oder müssen sie einen Gutschein akzeptieren? Das Europäische Verbraucherzentrum Luxemburg (ECC) ist derzeit mit vielen Fragen rund um das Thema Fluggastrechte beschäftigt. 

Wenn mein Flug abgesagt wird 

Dabei stellt sich meistens die Frage, was bei Flugannullierungen geschieht. Laut EU-Fluggastrechteverordnung 261/2004 ist die Rechtslage klar: Wenn der Flug nicht wie geplant durchgeführt werden kann und abgesagt wird, bekommt der Kunde sein Geld zurück. Dabei hat die Fluggesellschaft nicht das Recht, einen Gutschein aufzuerlegen, obwohl sie ihn dem Passagier anbieten kann. Dies ist unabhängig von der Herkunft des Unternehmens der Fall, solange der Flug zu einem europäischen Flughafen geht. Laut Cédric Arnasalon, Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum können Verzögerungen derzeit bis zu 90 Tage betragen; er rät daher den Verbrauchern, Beweise für ihre Ansprüche aufzubewahren. 


Kunden können ihre Gutscheine nach der Krise einlösen.
Horesca: Neue Plattform für Gutscheine
Konsumenten in Luxemburg können jetzt Gutscheine für Restaurants oder Cafés kaufen, die sie nach dem Ende der Corona-Krise einlösen können.

Gutschein soll attraktiver werden

Für ausgefallene Flüge bieten viele Airlines derzeit erst einmal Gutscheine an. In dieser Frage bleibt die EU-Kommission hart. Verbraucher sollten im Falle abgesagter Reisen weiterhin die Wahl haben. 

Die EU-Kommission empfiehlt nun daher den EU-Staaten, die Gutscheine möglichst attraktiv zu machen. Sie sollten gegen eine Insolvenz des Anbieters abgesichert werden und bis zu ihrem Ablauf gegen Geld eingetauscht werden können. Außerdem sollten sie auch für andere Produkte des Unternehmens genutzt werden können. „Es sollte auch möglich sein, das Ticket einem Familienmitglied oder Freund anzubieten“, sagt Olivier Waldner, stellvertretender Referatsleiter bei der Generaldirektion Mobilität und Verkehr der Europäischen Kommission. 

Laut Olivier Waldner ist „der Flugverkehr einer der Wirtschaftsbereiche, der mit am stärksten von der Corona-Virus-Pandemie betroffen ist“. Und: „Während Annullierungen in Normalzeiten nur 1,6 Prozent der Passagiere betrifft, sind jetzt mehr als 98 Prozent davon betroffen.“ Die Ausbreitung des Corona-Virus trifft auch die Tourismusbranche mit voller Wucht. Dabei muss man bedenken, dass der Tourismus zwischen 10 und 11 Prozent der Wirtschaftsleistung der Europäischen Union ausmacht. Sein Anteil an der Beschäftigung beträgt 12 Prozent, er sichert 27 Millionen direkte und indirekte Arbeitsplätze, sagt der Europa-Abgeordnete Marc Angel (LSAP). Es gibt im Tourismus in der EU fast drei Millionen Unternehmen, 90 Prozent von ihnen sind kleine und mittlere Unternehmen. 


Von einer Hand in die andere: Kreditkarten ersetzen zunehmend Scheine und Münzen.
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Einkaufsketten wie Cactus, Auchan oder Lidl bevorzugen in Corona-Zeiten bargeldlose Zahlungen.

Was bei Pauschalreisen gilt 

Auch hier sind die EU-Regeln was die Rechte für Reisende betrifft klar: „Im Falle von annullierten Pauschalreisen haben Reisende das Recht auf Rückerstattung“, sagt Jean-Loup Stradella, Jurist beim Europäischen Verbraucherschutzzentrum. Das gilt auch im Falle „unvermeidbarer und außergewöhnlicher“ Umstände, wie sie beispielsweise durch eine Pandemie verursacht werden. 

Jean-Loup Stradella erinnert jedoch daran, dass einige Länder während der Corona-Krise Ausnahmeregelungen eingeführt haben. In Frankreich haben die Reiseveranstalter bis zum 15. September das Recht, einen 18 Monate gültigen Gutschein zu verlangen. 

Dasselbe gilt für Belgien: Verbraucher, die wegen der Corona-Virus-Krise ihre Pauschalreise haben nicht antreten können, bekommen statt einer Erstattung des gezahlten Betrags einen Gutschein. Dieser hat eine Gültigkeit von mindestens einem Jahr. Außerdem sieht der Ministerielle Erlass vom 19. März 2020 vor, dass der Verbraucher diesen Gutschein nicht ablehnen kann. „Diese Regelung gilt allerdings nur vom 20. März bis zum 21. Juni 2020“, erklärt Jean-Loup Stradella.


In die belgischen Geschäftsstraßen wird wieder mehr Leben einkehren: Am Montag dürfen alle Geschäfte wieder öffnen.
Trend zur Lockerung: Änderungen zu Corona-Regeln in Europa
Geschäfte, die ihre Türen wieder öffnen, Schulen, die wieder Kinder und Jugendliche empfangen, oder Bewegung im Freien. Am Montag werden in vielen Ländern die strikten Maßnahmen etwas gelockert.

Was Luxemburg betrifft, so hat die Regierung lediglich die Aussetzung der Rückerstattungen „bis auf weiteres“ genehmigt. 

Hotel wegen Corona stornieren

Was die Stornierung von Hotelreservierungen durch Reisende betrifft, so hängen die Stornierungsbedingungen und mögliche Gebühren ausschließlich von den allgemeinen Bedingungen der jeweiligen Unterkünften ab, erklärt Kelly Mulombe, Juristin beim Europäischen Verbraucherzentrum Luxemburg. „Wenn das Hotel geschlossen ist, bieten sie normalerweise eine Rückerstattung oder einen Gutschein an, je nach den Vertragsbedingungen und den im Land geltenden Bestimmungen.“ Es bestehe jedoch keine Verpflichtung dazu, wenn das Hotel während der Corona-Krise geöffnet bleibt, und der Reisende sich durch geschlossene Grenzen nicht ins Hotel begeben kann. 

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