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Reisekonzern Thomas Cook ist pleite
Wirtschaft 4 Min. 23.09.2019

Reisekonzern Thomas Cook ist pleite

Ein Treffen mit Geldgebern am Sonntag brachte nicht die erhoffte Wende.

Reisekonzern Thomas Cook ist pleite

Ein Treffen mit Geldgebern am Sonntag brachte nicht die erhoffte Wende.
Foto: dpa
Wirtschaft 4 Min. 23.09.2019

Reisekonzern Thomas Cook ist pleite

Der Reiseanbieter Thomas Cook steht vor dem Aus. Letzte Bemühungen um Finanzierungen blieben erfolglos. Jetzt läuft eine riesige Rückholaktion für zehntausende gestrandete Urlauber an.

A flight takes off as another lands at Ronald Reagan Washington National Airport in Arlington, Virginia, on July 8, 2019, after a storm delayed flights. (Photo by Jim WATSON / AFP)
Was die Thomas Cook-Pleite für Reisende aus Luxemburg bedeutet
Fernand Heinisch, der Präsident der l'Union Luxembourgeoise des Agences de Voyages (ULAV) sagt, dass die Situation derzeit noch nicht ganz klar ist.

 dpa - Die Bemühungen um Rettung des angeschlagenen britischen Touristikkonzerns Thomas Cook sind gescheitert. Ein entsprechender Insolvenzantrag vor Gericht sei bereits gestellt worden, teilte der zweitgrößte Reisekonzern Europas am Montagmorgen auf seiner Website mit. Der Flugbetrieb wurde in Großbritannien mit sofortiger Wirkung eingestellt, teilte die britische Luftfahrtbehörde CAA am Morgen mit. Konzernchef Peter Fankhauser bedauerte das Scheitern der Gespräche und sprach in der Erklärung von einem „tief traurigen Tag“ für den Konzern. Noch bis Sonntagabend war mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund (226 Mio Euro) verhandelt worden. Der Konzern hat Knapp 21 000 Mitarbeiter weltweit.

 Ein Passagierflugzeug der zum angeschlagenen britischen Touristikkonzern Thomas Cook gehörenden Fluggesellschaft Condor vom Typ Airbus A320.
Ein Passagierflugzeug der zum angeschlagenen britischen Touristikkonzern Thomas Cook gehörenden Fluggesellschaft Condor vom Typ Airbus A320.
Patrick Pleul/zb/dpa

Der Ferienflieger Condor, ein Tochterunternehmen, versicherte kurz nach Bekanntwerden der Insolvenzpläne, dass der Flugbetrieb weitergehe. „Condor Flüge werden weiterhin durchgeführt, obwohl die Muttergesellschaft Thomas Cook Group plc ‎Insolvenz eingereicht hat“, heißt es in einer Mitteilung vom frühen Montagmorgen. „‎Um Liquiditätsengpässe bei Condor zu verhindern, wurde ein staatlich verbürgter Überbrückungskredit ‎beantragt. Dieser wird derzeit von der deutschen Bundesregierung geprüft“, heißt es.

Condor stellte nach eigenen Angaben auf Notgeschäftsführung um. Reisen am 23. und 24. September könnten nicht gewährleistet werden, der Verkauf von Reisen sei gestoppt worden.

Der britische Außenminister Dominic Raab hatte bereits am Sonntag besorgten Urlaubern die Unterstützung der Regierung in London zugesagt. Die Regierung sei bereit, Urlauber nach Hause zu holen.

Rückholaktion

Die Luftfahrtbehörde CAA hatte für den Notfall bereits am Sonntag zahlreiche Flugzeuge bereitgestellt. Damit laufe die „größte Rückholaktion in Friedenszeiten“ an, um rund 150 000 Urlauber aus verschiedenen Ländern nach Hause zu holen. „ Wir werden jeden nach Hause bringen“, kündigte Verkehrsminister Grant Shapps auf Twitter an.

Die Rückholaktion trägt nach BBC-Angaben den Codenamen „Matterhorn“. In der Nacht seien bereits die ersten Flugzeuge zu verschiedenen Zielen gestartet, um britische Urlauber nach Hause zu holen, hieß es bei CAA. Für Urlauber im Ausland wurde die Website thomascook.caa.co.uk geschaltet.


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Am Wochenende hatte Thomas Cook noch via Twitter mehrfach Kunden zu beschwichtigen versucht, die sich wegen Medienberichten über die Finanzierungsprobleme des Konzerns Sorgen um ihre Buchungen machen. „Alle unsere Urlaube finden normal statt“, schrieb das Unternehmen via Twitter.

Verzweifelte Verhandlungen

Thomas Cook verhandelte zuletzt mit Investoren über weiteres Kapital in Höhe von rund 200 Millionen Pfund für seine Sanierungspläne. Diese kämen zu einem bereits ausgehandelten 900 Millionen Euro schweren Rettungspaket hinzu. Thomas Cook verhandelte zum einen mit dem chinesischen Mischkonzern Fosun, der den Tui-Konkurrenten übernehmen wollte, aber auch mit Banken und Anleihegläubigern.

Auch Unterredungen mit dem chinesischen Mischkonzern Fosun hatten nichts ergeben.
Auch Unterredungen mit dem chinesischen Mischkonzern Fosun hatten nichts ergeben.
AFP

Thomas Cook war in den vergangenen Jahren immer wieder in Schieflage geraten. Bereits im Jahr 2012 retteten mehrere Banken den Konzern nach immensen Abschreibungen auf das britische Geschäft und IT-Systeme mit frischem Geld vor dem Untergang. Auch dadurch sitzt Thomas Cook auf einem Schuldenberg in Milliardenhöhe und ächzt unter der hohen Zinslast. Der jüngste Preiskampf im Reise- und Fluggeschäft kam erschwerend hinzu, ebenso anhaltende Unsicherheit rund um den Brexit, die die Urlaubsfreude der britischen Kundschaft dämpft.

Um dringend benötigtes Geld zu bekommen, hatte der Konzern im Februar sogar seine Fluggesellschaften samt Condor zum Verkauf gestellt. Im Juli blies er das Vorhaben wieder ab und präsentierte stattdessen einen umfangreichen Rettungsplan mit Investoren - der nun scheiterte.

Die britische Regierung lehnte eine Finanzierungsbitte über 150 Millionen Pfund (knapp 170 Mio Euro) ab. „ Das ist natürlich eine Menge Steuergeld und stellt, wie die Menschen anerkennen werden, eine moralische Gefahr für den Fall dar, dass Unternehmen künftig mit solchen wirtschaftlichen Schwierigkeiten konfrontiert werden“, sagte der britische Premierminister Boris Johnson noch vor der Betriebseinstellung.  

Die Transportgewerkschaft TSSA machte die Regierung dafür verantwortlich, dass die weltweit 21.000 Mitarbeiter, davon 9000 in Großbritannien, ihre Jobs verlieren. „Dass sie (die Regierung) unsere Mitglieder lieber hängen lassen als Thomas Cook zu retten, ist beschämend und falsch“, sagte Gewerkschaftschef Manuel Cortes einer Mitteilung zufolge.

Das Sommerhalbjahr bis Ende September werde deutlich schwächer als 2018, hatte Konzernchef Fankhauser Mitte Juli erklärt - und die Vorlage der Quartalszahlen abgeblasen. Dass es noch immer keine Klarheit über den Brexit gibt, dürfte die Lage noch verschärft haben. 

 Condor: Führen Flugbetrieb regulär fort  

Unmittelbar nach der Pleite des britischen Touristikkonzerns Thomas Cook hält die deutsche Tochter Condor ihren Flugbetrieb aufrecht. „Wir führen den Flugbetrieb ganz regulär fort“, sagte eine Sprecherin am Montagmorgen der Deutschen Presse-Agentur. Natürlich gebe es besorgte Kunden, die sich bei dem Ferienflieger telefonisch meldeten. „Es ist toll, unseren Kunden sagen zu können, dass wir weiter fliegen und dass der Flug normal geht“, sagte sie.  

50.000 Menschen allein in Griechenland gestrandet

Allein in Griechenland sind nach der Pleite des Reisekonzerns Thomas Cook etwa 50.000 Touristen gestrandet. Das sagte Tourismusminister Charis Theocharis am Montag dem griechischen Fernsehsender Skai. Es liefen bereits Maßnahmen, um die Menschen zurück in die Heimat zu bringen. Dies geschehe unter anderem in Abstimmung mit der britischen Regierung, die eine gewaltige Rückholaktion angekündigt hatte. „In den nächsten Tagen werden voraussichtlich 22 000 Thomas-Cook-Kunden abreisen“, sagte Theocharis.

Auf Kreta, wo sich fast die Hälfte der betroffenen Touristen aufhält, wurden derweil Hoteliers informiert, dass die Kunden zu den geplanten Zeiten abfliegen würden. Es sei nicht nötig, dass sich die Menschen panisch zu den Flughäfen aufmachten, berichtete Skai. Stattdessen sollen die Rückflüge zu den gleichen Zeitpunkten stattfinden wie ursprünglich geplant.    


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