Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Regierung weitet Corona-Hilfen aus
Wirtschaft 4 Min. 15.02.2021

Regierung weitet Corona-Hilfen aus

Minister Lex Delles verkündete am Montag erweiterte Corona-Hilfen.

Regierung weitet Corona-Hilfen aus

Minister Lex Delles verkündete am Montag erweiterte Corona-Hilfen.
Foto: Anouk Antony
Wirtschaft 4 Min. 15.02.2021

Regierung weitet Corona-Hilfen aus

Thomas KLEIN
Thomas KLEIN
Der Staat hat bisher schon über 300 Millionen Euros an die Betriebe überwiesen.

In den letzten Wochen haben die Hilferufe aus der Wirtschaft und insbesondere aus der Gastronomie zugenommen. Auf mehreren Demonstrationen machten die Wirte deutlich, dass ihnen infolge der Zwangsschließungen das Wasser bis zum Hals steht

Die Regierung hat nun auf den Druck der Interessenverbände reagiert und bei den Hilfsmaßnahmen nachgebessert. „Die Folgen der Corona-Pandemie treffen wichtige Teile unserer Wirtschaft noch immer ganz stark, besonders den Horeca-Sektor aber auch den Events-Bereich“, sagte Mittelstandsminister Lex Delles am Montag auf der Pressekonferenz, auf der er die neuen Hilfspakete vorstellte. „Es sind schwere Zeiten und in den kommenden Wochen wird es auch nicht viel leichter werden.“ 

So habe man in den letzten Wochen viele Gespräche mit verschiedenen Berufsverbänden geführt, um einen besseren Einblick in die Situation der Betriebe zu bekommen und zu sehen, „wo der Schuh drückt“, so der Mittelstandsminister. Durch die Lockerung der Vorgaben für die Staatshilfe, die die Europäische Kommission vor etwa zwei Wochen beschlossen hat, habe man mehr Flexibilität erhalten, um die eigenen Maßnahmen anzupassen, betonte Delles. 

Verlängerte Fristen 

Die Unternehmenshilfen fußen im wesentlichen auf zwei Säulen. Die eine ist die „Aide de relance“, die andere die „Aide coûts non-couverts“. Mit den neuesten Änderungen wurden die Laufzeiten der beiden Hilfsprogramme nun bis einschließlich Juni diesen Jahres verlängert. Ebenso erhalten die Unternehmen mehr Zeit, um die Hilfen zu beantragen. Wer das bisher noch nicht gemacht hat, hat nun noch bis zum 15. September Zeit, die entsprechenden Papiere einzureichen. Die Hilfsgelder vom „Fonds de relance“ können noch bis zum 15. Mai beantragt werden. 


Horesca: Zehn Demonstranten erklären, warum sie auf die Straße gehen
Restaurantbetreiber und Wirte, Kellner und Köche – sie protestieren gegen die Beschränkungen durch den Corona-Lockdown. Doch wer sind diese Menschen? Und welche Forderungen stellen sie? Ein Überblick.

 Wesentliche Änderungen wurden im Rahmen der „Aide coûts non-couverts“ vorgenommen: Betriebe, die im Zuge der Schutzmaßnahmen gegen das Virus schließen beziehungsweise Umsatzeinbußen von mindestens 75 Prozent hinnehmen mussten, erhalten ab Februar hundert Prozent ihrer nicht abgedeckten Kosten erstattet. Bisher konnten mittlere und große Betriebe lediglich 70 Prozent und kleine Firmen 90 Prozent der Unkosten geltend machen. Daneben erhöht sich der Maximalbetrag der Hilfen im Rahmen dieses Programms, den die Betriebe erhalten dürfen, um 50 Prozent. Firmen mit bis zu neun Mitarbeitern können demnach ab sofort Hilfen von höchstens 30 000 Euro monatlich erhalten. Bei Unternehmen zwischen 10 und 49 Mitarbeiter sind die Hilfszahlungen auf 150 000 Euro pro Monat gedeckelt, bei größeren Betrieben liegt ab Februar die Grenze bei monatlich 300 000 Euro. 

In Gastronomiebetrieben, die durch Lieferdienste oder „Take Away“ trotz der Schließung Einnahmen erzielen, werden bis zu 25 Prozent dieser Umsätze „immunisiert“. Das heißt, dass diese Beträge dann nicht mehr wie bisher von den Hilfszahlungen rausgerechnet werden. „Damit wollen wir die Arbeit von Restaurants und Cafés honorieren, die trotz der schwierigen Situation weiterhin einen Service anbieten“, sagte Delles. „Es ist uns wichtig, dass diese Unternehmen diesen zusätzlichen Einsatz auch im Geldbeutel spüren.“ 

Hilfen nicht rückwirkend 

Außerdem greifen die Änderungen einen Kritikpunkt auf, der in den vergangenen Monaten vermehrt geäußert wurde. Nämlich, dass neu gegründete Unternehmen, die kaum Umsätze aus der Vorkrisenzeit nachweisen können, häufig durch das Raster der Hilfen fallen. Wenn die Betriebe vor dem 1. Januar 2021 gegründet wurden, sollen sie zukünftig auch für die „Aide coûts non-couverts“ infrage kommen. Schließlich sollen bei der Berechnung der Verluste von Firmen, die zu größeren Unternehmensgruppen gehören, nicht die Situation des Gesamtverbandes herangezogen werden, sondern die Zahlen der einzelnen Betriebe.


Tired businessmen trying to get out. This is entirely 3D generated image.
Die Zombies sind unter uns
Jeder zehnte Betrieb in Luxemburg ist eigentlich nicht lebensfähig, schätzen Experten. Die Corona-Krise könnte die Situation noch verschlimmern.

 „Damit werden dann Gruppen nicht mehr benachteiligt, wenn sie Aktivitäten haben, die nicht von der Krise betroffen sind“, sagte der Mittelstandsminister. Dabei habe man bewusst die Verlängerung der Maßnahmen zunächst nur auf drei Monate beschlossen. „Das gibt uns die Möglichkeit, die Hilfen regelmäßig zu evaluieren und anzupassen“, sagt Delles. Der Minister erinnerte daran, dass die Anträge auf die Hilfen vollständig eingereicht werden müssen, um die Auszahlung zu beschleunigen. Das „House of Entrepreneurship“ biete den Betrieben Hilfe beim korrekten Ausfüllen der Unterlagen an. In der Vergangenheit hatte es häufiger Kritik daran gegeben, dass die Anträge zu kompliziert seien und die Hilfen zu spät in den Unternehmen ankommen. 

Den Forderungen, die Hilfen für ungedeckte Kosten auch rückwirkend zu erhöhen, erteilte der Minister hingegen eine Absage. Dies wurde postwendend vom Horesca-Verband kritisiert, der die Änderungen aber insgesamt begrüßte. In einer Pressemitteilung forderte die Interessensvertretung der Gastronomie und Hotellerie die Verlängerung  aller Beihilfen bis Ende 2021 sowie die Senkung der Mehrwertsteuer für den Sektor auf drei Prozent und eine Verlängerung der Unterkunftsgutscheine. 

Folgen Sie uns auf Facebook, Twitter und Instagram und abonnieren Sie unseren Newsletter.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Diese neuen Hilfen gibt es für Unternehmen
Die Regierung hat am Freitag neue Unterstützungsmaßnahmen für krisengeschüttelte Unternehmen vorgestellt - erstmals wird auch auf Basis von ungedeckten Kosten eine Hilfe berechnet.
(v.l.n.r.) Wirtschaftsminister Franz Fayot (LSAP), Kulturministerin Sam Tanson (déi Gréng) und Minister für Mittelstand Lex Delles (DP).
Regierung will weniger Kurzarbeit
Die Krise hat das Geschäftsklima in Luxemburg verschlechtert. Neue Corona-Hilfsmaßnahmen für Betriebe sollen nun für mehr Beschäftigung sorgen.
24.02.10 illustration chomage krise arbeitslos photomontage : Marc Wilwert
Luxemburg: Wirtschaftsakteure reagieren auf Hilfspaket
Die Regierung hat am Mittwochabend ein Hilfspaket angekündigt, um die wirtschaftlichen Folgen des Corona-Virus abzufedern. Die Wirtschaftsakteure nehmen die Maßnahmen positiv auf. Für einige besteht aber noch Handlungsbedarf.
Der Horesca-Bereich ist durch die Corona-Krise besonders hart betroffen: Alle Restaurants im Land mussten ihre Türen schließen.