Wählen Sie Ihre Nachrichten​

Reform der Luftfahrtverwaltung: Versöhnliche Töne zwischen Bausch und Radarlotsen
Minister François Bausch favorisiert bei der Reform der Luftfahrtverwaltung eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Flugsicherung, die quasi eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ bietet, das bis zu 40 Millionen Euro einsparen helfen soll.

Reform der Luftfahrtverwaltung: Versöhnliche Töne zwischen Bausch und Radarlotsen

Foto: Gerry Huberty
Minister François Bausch favorisiert bei der Reform der Luftfahrtverwaltung eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Flugsicherung, die quasi eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ bietet, das bis zu 40 Millionen Euro einsparen helfen soll.
Wirtschaft 3 Min. 14.07.2016

Reform der Luftfahrtverwaltung: Versöhnliche Töne zwischen Bausch und Radarlotsen

Andreas ADAM
Andreas ADAM
Bei der Reform der Luftfahrtverwaltung läuft derzeit alles auf eine Partnerschaft mit der DFS hinaus. Doch werden die Deutschen einen möglichen Kompromiss zwischen Minister und Radarlotsen mittragen?

(aa) - Am Donnerstagmorgen war die Reform der Luftfahrtverwaltung  abermals Thema in der parlamentarischen Nachhaltigkeitskommission. Am 9. Juni hatten Minister François Bausch (Gréng) und ANA-Direktor John Santurbano den Abgeordneten den Stand der Dinge sowie mögliche Synergien mit ausländischen Anbietern wie Belgocontrol und Deutsche Flugsicherung (DFS) präsentiert.

Bausch favorisiert derzeit eine Zusammenarbeit mit der Deutschen Flugsicherung, die quasi eine Art „Rundum-Sorglos-Paket“ bietet, das bis zu 40 Millionen Euro einsparen helfen soll. Das auf zehn Jahre ausgelegte Angebot der DFS beinhaltet neben einer Auslagerung der Anflugkontrolle auch Installationen technischer Systeme, Projektmanagement und Zertifizierung.

Chamber-Kommission fährt zur DFS nach Langen

Am Donnerstag war nun Klaus-Dieter Scheurle, Vorsitzender der DFS-Geschäftsleitung, zu Gast in der Nachhaltigkeitskommission, um das Angebot persönlich vorzustellen und auf Fragen zu antworten. Wie Präsidentin Josée Lorsché (Gréng) sagte, ging es dabei auch wieder um ein Gesamtpaket und somit auch um die viel diskutierte Auslagerung der Anflugkontrolle.

„Dass der Minister die Kommission in die Entscheidungsfindung einbezieht, ist dessen bewusste und freiwillige Entscheidung. Es handelt sich ja hier nicht um ein Gesetzgebungsverfahren“, so Lorsché. Am 14. September werde die Kommission zur DFS nach Langen bei Frankfurt fahren (mit dem Bus), um sich dort vor Ort zu informieren. Derzeit ist kein solcher Besuch bei einem anderen Anbieter geplant.

Minister Bausch: Nichtstun keine Option

Von einer Vorentscheidung will der Minister dennoch nichts wissen, allerdings sagt er auch: „Nichtstun ist für mich keine Option“. Die DFS habe bislang das beste Angebot abgegeben. Dieses beinhalte operationelle Aspekte wie die Anflugkontrolle. Darüber könne man diskutieren. Außerdem biete die DFS auch nichtoperationelle Dienste wie Personalgewinnung, Zertifizierung usw. „Und genau in diesem Bereich brauchen wir für die Zukunft einen Partner“, so Bausch.

Selbst wenn der Minister nicht auf die Auslagerung der Anflugkontrolle besteht, ist fraglich, ob die DFS überhaupt dazu bereit wäre, diesen Bestandteil aus ihrem Angebot herauszunehmen. Eben diese Frage stellte der Abgeordnete Serge Wilmes (CSV) am Donnerstag in der Nachhaltigkeitskommission und erhielt als Antwort, dies sei nicht Teil der angefragten Machbarkeitsstudie gewesen, die man erstellt habe.

CSV kritisiert mangelnde Nachvollziehbarkeit

„Herr Scheurle hat sich und die DFS während der Kommissionssitzung gut verkauft. Das ist normal. Als Problem sehe ich aber, dass uns der Einblick in die Machbarkeitsstudie mit dem Hinweis auf vertrauliche Inhalte verwehrt wurde. So bleibt das für uns schwer nachvollziehbar“, sagte Wilmes. Als er nach einem „Etat des lieux“ fragte, habe Bausch geantwortet, er solle doch seinen Parteikollegen Claude Wiseler, den früheren Ressortminister, fragen.

Kommissionsmitglied Roger Negri (LSAP) meinte, für ihn zählten bei der Reform der Luftfahrtverwaltung und zu findenden Synergien drei Aspekte: Bis Ende 2017 müsse der Flughafen zertifiziert werden, die Situation der Radarlotsen müsse geklärt und deren Sorgen ernst genommen werden. Außerdem solle endlich das Bodenradar in Betrieb gehen. Zum Angebot der DFS verspreche er sich nach dem Besuch am 14. September in Langen weiteren Aufschluss.

Zwei weitere Sitzungen mit Guilde und Laca geplant

„Ich werde Ende September, Anfang Oktober eine Entscheidung treffen und der Regierung meinen Vorschlag unterbreiten“, sagte François Bausch. „Derzeit befinden wir uns im Meinungsfindungsprozess.“ Dabei beziehe er stets auch das ANA-Personal und die Gewerkschaften mit ein. „Im September werde ich mich noch zu zwei Sitzungen mit den beiden Gewerkschaften Guilde und Laca treffen.“

Die Radarlotsen am Flughafen Findel, die in der Luxembourg Approach Controllers Association (Laca) organisiert sind, hatten sich schon im Oktober 2015 über eine mögliche Privatisierung und Auslagerung der luxemburgischen Anflugkontrolle empört. Nun sind dort versöhnliche Töne zu hören, allerdings ohne das man von der eigenen Forderung grundsätzlich abrückt.

Letzte Treffen „in sehr konstruktiver Atmosphäre“

„Der Minister hat zuletzt durchblicken lassen, dass er bei der Anflugkontrolle eine einvernehmliche Lösung anstrebt und nicht koste es was es wolle auf einer Auslagerung besteht. Die letzten Treffen mit ihm verliefen in sehr konstruktiver Atmosphäre“ , sagte Laca-Präsident Claude Schmit und verwies auf die beiden für September anberaumten Sitzungen mit dem Minister.


Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Sanierung der Startbahn auf dem Findel: Eine anspruchsvolle Landung
Die Startbahn des Flughafens muss von Grund auf erneuert werden. Wir sprachen mit dem zuständigen Projektleiter der Straßenbauverwaltung, Roland Fox, über den aktuellen Zustand der Piste, den geplanten Umfang der Sanierung, das Thema Nachtflüge und die Organisation der Bauarbeiten.
Roland Fox ist beigeordneter Direktor der Straßenbauverwaltung und wurde vom Infrastrukturminister zum 
Projektleiter für die Sanierung berufen.
Flughafen Findel: Schwere Turbulenzen am Boden
Die Radarlotsen am Findel empören sich über eine mögliche Auslagerung der Anflugkontrolle an einen ausländischen Betreiber. Infrastrukturminister François Bausch kann die ganze Aufregung nicht verstehen.
Die luxemburgischen Radarlotsen sind im Bereich bis zu fünf Kilometern Höhe zuständig. Dort leiten sie die Gesamtheit der internationalen Flüge vom und zum Findel sowie die Überflüge.